Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist!

(Monatslosung für Oktober 2007 aus Psalm 19,13)


Im 19. Psalm verbindet David Lobpreis und Bitte miteinander.
In den ersten sieben Versen wird uns vermittelt, dass die Schöpfung Gottes Herrlichkeit offenbart; in den Versen 8-12 offenbart das Wort Gottes Gnade und um diese Gnade bittet David in den Versen 13-15.

Sünde – Schuld – Unrecht – Fehler – Verirrungen...
damit wollen wir uns heute beschäftigen.

Im Römerbrief (3,20) lesen wir: Denn kein Mensch wird jemals vor Gott damit bestehen, dass er die Gebote so erfüllt, wie das Gesetz es erfordert.
Die Aufgabe des Gesetzes ist es, dass wir die Sünde erkennen.

Ein Gedicht von Thomas Hood, englischer Schriftsteller und Humorist (1799 - 1845) in seiner Ballade „Dream of Eugene Arams“ soll uns dies verdeutlichen:

Aram hatte einen Menschen ermordet und den Leichnam in einen Fluss geworfen,

"ein träges Wasser, tintenschwarz und unergründlich."


Den nächsten Morgen schon treibt ihn die innere Unruhe zur Stätte seines Verbrechens hin.

"Und wild und unstät irrt sein Blick
hin über die schaurige Flut;
Das treulose Wasser deckt ihn nicht mehr,
der auf dem Grunde dort ruht."


Er verscharrt den Leichnam unter aufgehäuftem Laub. Aber ein scharfer Wind weht durch den Wald, und wieder liegt das schaurige Geheimnis offen am Tageslicht.

"Da warf ich mich hin und weinte sehr
und fühlt´es in bitterer Reu;
die Erde will es nicht bergen mehr, -
wie tief die Grube auch sei. Und was ich auch tu´, ich find´ keine ´Ruh´,
Im Ohr gellt der Racheschrei."


In schmerzlicher Klage spricht er die Gewißheit der bevorstehenden Entdeckung aus. Wohl vergräbt er sein Opfer, so tief er kann, und deckt es mit Steinen zu. Aber als die Jahre ihren traurigen Lauf vollendet hatten, kam der Frevel zutage, und der Mörder wurde zu Tode geführt.

Diese Art von Sünde – ja Todsünde – ist allen bekannt, darüber wollen wir uns hier nicht weiter austauschen. Interessant allein sind die verschiedenen Möglichkeiten der Vertuschung aber auch der Aspekt des nagenden Gewissens. Es geht zunächst um die Frage der Schuld, die wir uns aufgeladen haben, wenn wir sie im nachhinein erkennen aber nicht unbedingt bereit sind, sie zu bereuen.
So neigen wir dazu uns selbst etwas vor zu machen, unser unrechtes Handeln zu erklären oder zu verharmlosen. Vielleicht hat uns unser Gegenüber zu dieser oder jener Tat gereizt?
Die Ursache unserer Fehler oder unseres Fehlverhaltens schieben wir auch gern auf unsere Gene, unsere körperliche Verfassung oder auch auf unser aufbrausendes Temperament. Wir wollen bewußt unser Versagen klein halten, beschwichtigen, entschuldigen oder verbergen.
Doch die Bibel macht uns deutlich, dass unsere Selbstrechtfertigung nur ein Selbstbetrug ist und unsere Verteidigung und unsere Ausreden überhaupt nichts nützen.
Nur ein offenes und demütiges Eingestehen unserer Unzulänglichkeiten bringt uns wirklich weiter und führt zu Gottes Vergebung.

Wer Gottes Wort gut kennt, könnte annehmen, auch sich selbst und sein Verhalten, seine Charaktereigenschaften einschätzen zu können, aber eigentlich sollten wir über die Unkenntnis des eigenen Ich´s stolpern, denn an dieser Stelle geht es nicht um die wirklich schlimmen Sünden, die das Licht nicht ertragen, sondern um Fehler im täglichen Leben, die unbewusst und nicht mutwillig geschehen, die aber als solche von Gott erkannt werden.
In 3.Buch Mose 5, 17 spricht Gott: Wenn jemand unabsichtlich gegen eines meiner Gebote verstößt, so ist er doch schuldig und muß sich für seine Schuld verantworten.

Indem David bittet: Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist, versucht er sein Gewissen doch ziemlich genau zu erforschen. Er weiß, dass ihn diese Fehler begleiten und immer wieder geschehen werden.

So mahnt uns auch Paulus in seinem Brief an die Korinther: Zwar bin ich mir keiner Schuld bewußt, aber damit bin ich noch nicht freigesprochen. Entscheidend ist allein Gottes Urteil. (1.Kor 4,4).
Dies schildert uns Paulus noch einmal sehr eindrucksvoll im 1. Timotheusbrief in den Versen 13 und 14: Früher habe ich ihn verhöhnt, ich habe Christus und seine Gemeinschaft mit blindem Haß verfolgt und bekämpft. Aber Gott hat sich über mich erbarmt und mir alles vergeben. Denn in meinem Unglauben wußte ich nicht, was ich tat. Um so reicher habe ich dann Gottes unverdiente Güte erfahren. Er hat mir den Glauben und die Liebe geschenkt, wie sie nur bei Jesus Christus zu finden ist.

Menschen in der Situation des Paulus gilt der Zuspruch des gekreuzigten Jesu : „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Auch wir wissen, mit welcher Liebe uns Gott umgibt und sollten deshalb noch härter an uns arbeiten. Dazu werden wir bei Lukas 12 (Verse 47 und 48) eindringlich hingewiesen: Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber bewußt nicht danach richtet, wird schwer bestraft werden. Wer dagegen falsch handelt, ohne es zu wissen, wird mit einer leichteren Strafe davon kommen. So wird von jedem, der viel bekommen hat, auch viel erwartet; denn wem viel anvertraut wurde, von dem verlangt man auch viel.

Wenn wir Bücher lesen oder selbst Texte verfassen, werden wir erstaunt sein, wie leicht sich Tipp – oder Druckfehler einschleichen können. Wenn wir unsere Verfehlungen genau so leicht erkennen und bekennen könnten, wären wir reich gesegnet.
Meist handelt es sich jedoch um jene Tatsünden oder Verirrungen, von denen wir zu der Zeit, in der wir sie begehen, gar nicht meinen, dass wir sie begehen. Dies kann sowohl aus unserer Schwachheit heraus aber auch in unserer Vermessenheit geschehen.
Darum ermahnt die Schrift uns auch so oft zur Prüfung und Durchforschung unseres Inneren.
Nicht nur auf unsere guten Worte und rechten Taten kommt es an, sondern auch auf unsere innersten und geheimsten Gedanken, die die Wurzel zu allem Übel sein können, das sich dann ungehindert weiter verbreiten kann. Da wir selber schwach sind sollten wir auch die Hilfe anderer Personen annehmen, die uns in Liebe auf unser Unrecht hinweisen, sobald es erkannt werden kann.

Zum Ende seien die Verse aus dem 1. Brief des Johannes zitiert, die beinhalten, worauf es bezüglich unserer Monatslosung wirklich ankommt!

Das ist die Botschaft, die wir von Christus gehört haben und die wir euch weitersagen:
Gott ist Licht. Bei ihm gibt es keine Finsternis. Wenn wir also behaupten, dass wir zu Gott gehören und dennoch in der Finsternis der Sünde leben, dann lügen wir und widersprechen mit unserem Leben der Wahrheit.
Leben wir aber im Licht Gottes, dann sind wir auch miteinander verbunden. Und das Blut, das sein Sohn Jesus Christus für uns vergossen hat, befreit uns von aller Schuld.
Freilich werden immer wieder Leute behaupten, sie hätten das nicht nötig, sie seien frei von aller Schuld.
Wer so etwas sagt, betrügt sich selbst. In ihm ist kein Fünkchen Wahrheit. Wenn wir aber unsere Sünden bereuen und sie bekennen; dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott seine Zusage treu und gerecht erfüllt: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen.
Doch wenn wir behaupten, wir hätten gar nicht gesündigt, dann machen wir Gott zum Lügner und beweisen damit nur, dass wir Christus noch gar nicht kennen.
(1. Brief des Johannes 1, 5-10)

Wer sündigt lehnt sich gegen Gott und seine Gebote auf, denn sündigen heißt: Gottes Gebote mißachten.
Doch ihr wißt ja, dass Gottes Sohn Mensch wurde, damit er – der ohne Sünde ist – uns von unseren Sünden befreit.
Wer fest mit Christus verbunden bleibt, der wird nicht länger sündigen. Wer aber weiter sündigt, der weiß nichts von Christus oder hat ihn nicht verstanden.
(1. Brief des Johannes 3, 4-6)




Gedanken vom Hausbibelkreis Wrana, Lydia-Gemeinde


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