So spricht der Herr: Wahrt das Recht und sorgt für Gerechtigkeit, denn bald kommt von mir das Heil, meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren.

(Monatslosung für November 2004 aus Jesaja 56,1)

Wir wollen uns heute Gottes Gesetz, in Bezug auf seine Gerechtigkeit im Wandel der Zeit verdeutlichen. Wenn wir zunächst über Gott im Alten Testament nachdenken, können wir leicht der Aussage verfallen: „Seine Gesetze sind unerbittlich, hartherzig, strafend und unbarmherzig.“

So können wir im 5. Buch Mose 23, 2-4 nachlesen: Bei der Versammlung vor dem Heiligtum sind folgende Personen ausgeschlossen: Eunuchen, sowie nichteheliche Kinder und deren Nachkommen, bis zur zehnten Generation und auch Eingebürgerte, die von fremden Völkern (Ammoniter und Moabiter) abstammen, obwohl sie seit Generationen in Israel leben.

Diese mosaischen Gesetze dienten trotz allem nicht dazu, Menschen zu ächten, sondern um zu verhindern, dass fremde Kultpraktiken und Gesetze in Israel eingeführt wurden. Gottes erwähltes Volk – sein Eigentum, sollte für seinen Glauben, sein Leben und Handeln ein Beispiel sein und deshalb für alle übrigen Völker (ab)gesondert bleiben.
Ähnlich wie wir unsere Kinder durch Verbote in Liebe erziehen, sollte seinem Volk durch den Ausschluss der Eunuchen klar werden, wie grausam die Praktiken der Verstümmelung sind.

Bei Jesaja, dessen Vers uns als Monatslosung für November vorliegt, hat sich das Verständnis gewandelt. Wir würden heute vielleicht sagen, ein Missionsgedanke kommt hinzu.

Das Recht zu wahren – gerecht zu handeln und aufrichtig zu sein, ist eine Verpflichtung, die Menschen eingehen müssen, nicht nur, um sich untereinander nicht ins Chaos zu stürzen; vielmehr ist das Ziel der Gerechtigkeit der eigene Heilszustand.

Gottes Gerechtigkeit will uns nicht strafen, verurteilen oder zerstören. Seine Gerechtigkeit will helfen, uns selbst gerecht zu machen.
Wer kein Unrecht begeht, den Sabbat heiligt (oder anders ausgedrückt: den Sonntag nicht zum persönlichen Selbstzweck macht), wer gerne Gottes Gebote hält und danach lebt, wie es Gott gefällt, kurz: Derjenige, der Gott liebt, findet nun ebenfalls Aufnahme in Israel, selbst die oben erwähnten Ausländer und Eunuchen. Die Herkunft ist nicht mehr entscheidend, sondern die innere Haltung – die Gotteszugehörigkeit. Auch schenkt uns Jesaja einen Hinweis auf Gottes Heil, das sich bald offenbaren wird – einen Hinweis auf Gottes Sohn, Jesus Christus.

Zum Abschluss unserer kleinen Zeitreise, wollen wir jetzt im Neuen Testament, im Römerbrief weiter forschen. In seinem Brief an die Römer (Römer 3, 21-26) beschreibt Paulus die Gerechtigkeit Gottes und den Weg zu einem rechten Verhältnis zu Gott.

1. Das Gesetz zeigt den Menschen, was Gott verlangt; sie können zur Erkenntnis ihrer Sünden gelangen. (Paulus verachtet die Forderung des Gesetzes nicht).

2. Die rettende Gerechtigkeit Gottes ist aber nicht an das Gesetz gebunden. Das Gesetz ist nicht der entscheidende Weg zum Heil!

3. Allein auf der Grundlage des Glaubens an Christus, werden alle Menschen von ihrer Schuld freigesprochen. Allein durch ihren Glauben erweist Gott allen Gläubigen seine Gnade; indem er ihnen die Gerechtigkeit Christi zurechnet. Es ist sein Geschenk an uns alle und nicht unser eigener Verdienst. Ohne eine Grundlage (ohne den Glauben) sieht er nicht über unsere Sünden hinweg. Die Erlösung brachte Jesus; durch sein Blut ist die Strafe für die Sünde bezahlt, dies ermöglicht Gott aus Gnade, jeden gläubigen Sünder für gerecht zu erklären.

Das Gesetz ist damit nicht außer Kraft gesetzt, denn indem wir Christus ähnlicher werden und Ihm gehorsam folgen, wird das Gesetz auf einem anderen, neuen Weg erfüllt. Christus hat das Gesetz nicht aufgehoben, sondern erfüllt. Im Glauben begreifen wir Ihn als unsere Gerechtigkeit: Christus in uns – unser Heil, das von Gott kommt! Als sündige Menschen können wir uns nicht selbst rechtfertigen! Jesus ist unsere Rechtfertigung.



Gedanken vom Hausbibelkreis Wrana, Lydia-Gemeinde


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