Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.

(Monatslosung aus März 2006 aus Johannes 11,27)

Diese Aussage stammt von Martha aus der biblischen Geschichte: Jesus ruft vom Tod zum Leben – Die Auferstehung des Lazarus. Sie ist vollständig nachzulesen in Johannes 11,1-45.

Für unsere Monatslosung ist Martha mit ihrem Bekenntnis zur Hauptperson dieser biblischen Geschichte geworden und verdient es, dass wir ihr Leben eingehender hinterleuchten.

„Was ist wichtig?“, wird zunächst gefragt, als wir Martha kennen lernen, (Lukas 10, 38-42) die als Hausherrin mit Maria, ihrer Schwester, in Bethanien, einem Dorf in Judäa, zusammenwohnt. Auch ihr gemeinsamer Bruder Lazarus ist hier beheimatet.
Martha ist es, die Jesus mit seinen Jüngern in ihr Haus aufnimmt und ihnen ihre Gastfreundschaft angedeihen lässt. (Dass daraus eine Freundschaft entsteht und Jesus diese drei Menschen liebte, erfahren wir erst später.)
Martha ist die unermüdlich Schaffende, die nur eines im Sinn hat: Die Pflichten – das Gesetz der Gastfreundschaft (in ihrer Rolle als Frau) gewissenhaft zu erfüllen. Sie will auf jeden Fall die Versorgung der Gäste gesichert wissen, so ist sie stets und ohne Unterlass bemüht, den Gästen alle Wünsche von den Lippen abzulesen, während sich Maria über alle Tabus der damaligen Zeit hinwegsetzt, sich zu Füßen Jesu setzt, um sich unterrichten zu lassen.
Martha ist eine sehr ehrliche Frau und wenn wir versuchen uns ein wenig in sie hineinzuversetzen, können wir wohl auch verstehen, dass das lodernde Herdfeuer für die erlesenen Speisen auch sie allmählich zum Lodern - zum Überkochen bringt.
Unvermittelt platzt es aus ihr heraus; sie explodiert, wobei sie einen Schiedsspruch von Jesus herausfordert: „Meine Schwester hilft mir nicht, überlässt alle Arbeiten mir allein – ist das richtig?“
Jesus, der eigentlich von überholten Traditionen befreien will (und hier selbst die Rolle des Rabbis bei Maria übernimmt, die ausschließlich männlichen Schülern vorbehalten war) reagiert jetzt diplomatisch: Er tadelt Martha für ihr Engagement nicht, gibt ihr aber auch zu verstehen, dass ihre Schwester „den besseren Teil“ gewählt hat - nämlich ganz nah bei ihm zu sein, seine Worte zu verinnerlichen und zu verstehen. Für Martha hätte er sich das auch gewünscht und so sind seine Worte auch mit ein wenig Besorgnis verbunden: „Martha, Martha, du machst dir eigentlich Sorgen um nichts …zu viel Stress!“
Aber wollte Martha durch ihr Aufbäumen nicht auch auf sich aufmerksam machen? Durch die Arbeitsteilung, die sie vorschlug, auch nur einen kleinen Anteil an Jesu Wort haben? – Aber diese Wahl stellt sich ihr nicht! Vielleicht war sie eine Gefangene des damaligen Zeitgeistes, ihren Pflichten zu sehr verpflichtet?

Für manche Christen ist das Verhalten der Schwestern im Lukastext wegweisend geworden. Für sie gibt es „aktive Macher“ und die kontemplativen Beter. Letztere werden auch immer freudig für eine Arbeitsteilung sein: „Lasst doch die Aktiven herumwirbeln und die Beter in Stille sein“…
Auf Gottes Wort hören und Ihm gehorchen ist eine sehr wichtige Aussage dieses Textes, aber dass man sich nicht mehr um alltägliche Dinge kümmern muss, ist ein selbst gebastelter Trugschluss!
Haben wir noch Selbstzweifel an unserem Tun? – Das wäre schön; denn wenn die Aktiven bereit sind mehr zu beten und die Kontemplativen mehr Hand an zu legen, ist das Gleichgewicht wieder hergestellt.

In unserer Monatsgeschichte ist Martha erneut die Eifrige, die Aktive – die, die Jesus entgegeneilt, die Ihm ihren Kummer ehrlich entgegen schleudern kann, die keine Konfrontation scheut, während ihre Schwester zu Hause bleibt.
Lazarus war gestorben und damit zunächst auch Marthas Hoffnung.
Ihrer Traurigkeit macht sie nun Luft! Sie war überzeugt, dass Jesus ihren Bruder hätte heilen können, wäre er nur da gewesen, aber sie wusste ja auch, dass ihr Bruder bereits tot war, als ihre Boten ihn erreichten.

Ihre Worte: „aber auch jetzt weiß ich: was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben“ entspricht ihrer Überzeugung, dass Jesus den Segen Gottes besaß.
„Dein Bruder wird leben“, versicherte Jesus.
„Ja, ich weiß“, sagte Martha, „am Tag der Auferstehung.
Ein besseres Leben in einer neuen Welt – ein neues Leben nach der Auferstehung auch für Lazarus, daran glaubte sie fest. Aber an ein Wunder der irdischen Auferstehung, daran zu glauben, war sie weit entfernt.
Deshalb bekräftigte Jesus noch einmal: „Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, wird niemals sterben.“
Glaubte sie an diese Worte?
„Ja, Herr“, antwortete ihm Martha. „Ich glaube, dass du Christus bist, der Sohn Gottes, auf den wir so lange gewartet haben.“
Martha bekannte ihren Glauben an Christus. Sie stimmte seiner Aussage über das ewige Leben für alle, die glauben, zu. Jesus war für sie der Messias, der gekommen war, um Gottes Willen zu tun, doch sie konnte das Wunder, das Jesus an ihrem Bruder vollbringen würde, nicht ahnen.

„Ich glaube, dass du Christus bist, der Sohn Gottes, auf den wir so lange gewartet haben“, nach diesen Worten lief Martha eilig zu ihrer Schwester zurück und teilte ihr mit, dass Jesus – ihr Meister - sie zu sprechen wünschte. Maria sprang sofort auf, um den wartenden Jesus zu begegnen. Wieder hörte Jesus die gleichen Vorwürfe, wie kurz zu vor von Martha: „Herr, wenn du da gewesen wärst, würde mein Bruder noch leben!“ Marias Glaube war aufrichtig aber leider auch begrenzt.
Diesmal ergrimmte Jesus. –
Martha hatte sich an diesem Tag in ganz besonderer Weise zu ihm bekannt aber konnte er Marias Verhalten jetzt verstehen? War sie denn nicht die Verständigere von beiden? Er hatte sie doch unterrichtet! Ihre bitteren Worte bewegten ihn, machten ihn zornig und erbost über ihren Unglauben.

Trotzdem ließ er sich zum Grab führen, stieß aber auch bei den Umstehenden erneut auf Unverständnis; auch sie murmelten: „Hätte er nicht verhindern können, dass Lazarus starb?“

Auch Martha schien nicht wirklich zu begreifen, was Jesus jetzt vor hatte, denn als er befahl: „Hebt den Stein weg.“, liefen ja auch diejenigen, die diesen Befehl ausführen sollten Gefahr, sich zu verunreinigen, deshalb protestierte sie in ihrer Fürsorge laut: „Herr, der Geruch wird unerträglich sein! Er ist schon vier Tage tot!“

Jesus aber erinnerte Martha an seine zuvor gegebene Verheißung: „Habe ich dir nicht gesagt, du würdest die Herrlichkeit Gottes sehen, wenn du nur glaubst?“
Wenn Martha und Maria Jesus in dieser Situation nicht völlig vertraut hätten, hätten sie bestimmt die Öffnung des Grabes verweigert.
Als der Stein hinweg genommen wurde, wird die Spannung wohl ins Unermessliche gestiegen sein. Was würde Jesus nun tun?
Er dankt seinem Vater laut für dieses wahr werdende Wunder. Dass Gott seine Bitte erfüllte, sollte für alle Umstehenden der Beweis sein, dass er von Ihm gesandt worden war, um den Glauben der Menschen zu wecken.

Jesus rief nur drei Worte: „Lazarus, komm heraus!“

Obwohl Lazarus von Leinentüchern an Händen und Füßen gebunden war, war Gottes Macht so groß, dass er nun erscheinen konnte. Erst als Jesus den Befehl erteilte „Löst die Binden!“, konnte er wieder aus eigener Kraft gehen; er lebte.

Wäre Lazarus nicht gestorben, hätten seine Jünger und jetzt auch wir nicht die Möglichkeit neue Glaubenskraft zu gewinnen. Der Tod und die Auferstehung des Lazarus dienten zur Verherrlichung Jesu. Er ist die Auferstehung und der Leben. Glauben wir an Ihn, so werden wir zwar unser irdisches Leben beenden müssen, aber der Sohn Gottes wird uns das ewige Leben beim Vater schenken. Jesus sagt auch zu uns: „Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben.“ (Joh. 11,25-26)




Gedanken vom Hausbibelkreis Wrana, Lydia-Gemeinde


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