Gott spricht: Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

(Monatslosung für Juni 2002 aus Amos 5,24)

Die Losung für den Monat Juni 2002 ist dem Buch des Propheten Amos entnommen. Aufgrund einer Entscheidung auf dem Konzil von Trient im Jahr 1546 wurde im Dekret über die Heilige Schrift festgelegt, dass das Buch Amos im Unterschied zu den Büchern der „großen“ Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel zu den sogenannten zwölf „kleinen“ Propheten zu zählen ist. Die Bezeichnung „kleine“ Propheten sagt jedoch nichts über die Größe und Bedeutung der Personen aus, sondern sie vergleicht lediglich den Umfang der prophetischen Schriften der beiden Gruppen.

Amos war Viehhirt und Maulbeerfeigenzüchter, als ihn Gott um ca. 760 v.Chr. berief, das Volk der Isrealiten auf die damals bestehende religiös-sittliche Entartung, den veräußerlichten Kult und die falsche Selbstsicherheit aufmerksam zu machen.

Einleitend zu der in der Monatslosung zu findenden Aussage Gottes sagt dieser den Israeliten durch den Propheten, dass er, Gott selbst, die Gottesdienste seines Volkes haßt. Obwohl der Herr, der Gott Israels, seinem Volk nach dem Auszug aus Ägypten durch seine Anweisungen (insbesondere im 3. Buch Mose) die große Bedeutung der Brand- und Speiseopfer vermittelte, liegen nun offensichtlich schwere Gründe vor, dass Gott die Opferfeste verabscheut. Auch die Lieder und Musik, die unumstößlicher Bestandteil der Gottesdienste waren, will Gott nicht mehr hören. Vielmehr gibt er die Anweisung, dass sich sein Volk lieber für die Gerechtigkeit einsetzen soll. Nicht Gottesdienste sollen im Vordergrund stehen, sondern das Recht und die Gerechtigkeit sollen im täglichen Leben umgesetzt werden.

Was war geschehen? Offensichtlich stand in Israel nicht mehr Gott im Mittelpunkt des Lebens der Menschen. Vielmehr wurde Jahwe, der von sich selber sagte, dass er ein eifersüchtiger Gott sei (2. Mos 20,5), aus dem Leben der Menschen verbannt. Im Vordergrund stand vielmehr die Tradition. Man stellte sein Leben nicht mehr unter Gott, sondern unter die von Menschen gemachten Gesetze. Gott gegenüber war man unehrlich geworden.

Gott jedoch verabscheut diese Unehrlichkeit. Er will, dass der Mensch Ihm, sich selbst und anderen gegenüber gerecht ist. Damit ist bei weitem keine Selbstgerechtigkeit gemeint. Nein, diese führte ja zur Zeit des Amos dazu, dass das Verhältnis zwischen dem Volk und seinem Gott zerbrach. Hier steht vielmehr Gottes Forderung im Raum, dass der Mensch sich immer im Lichte Gottes prüfen und gegen sich selbst und über andere gerecht urteilen sollte. Die Ehrlichkeit wird von Gott höher bewertet. Gott will, dass wir uns einsetzen, dass wir uns nicht aus allem heraus halten, dass wir nicht weg schauen, sondern Stellung beziehen. Soweit Kompromisse eingegangen werden können, sind sie sinnvoll. Sie sollten aber nicht dazu führen, dass wir Gottes Wirken behindern.

In dem weiteren Text des Buches Amos wird davon berichtet, dass Gott das Bild vom Bleilot, das zum Mauern gebraucht wurde, benutzt, um die Gradlinigkeit des Menschen zu messen. Hier stellt sich heute auch für mich immer wieder die Frage, ob ich den Forderungen Gottes hinsichtlich meiner persönlichen Gradlinigkeit im Verhältnis zu Ihm und zu mir entspreche. Gott verlangt meine Hingabe zur Gerechtigkeit. Eine Mauer, die ohne ein Bleilot gemauert wird, kann nicht gerade gelingen. Ein Mensch, der sich nicht nach den Forderungen Gottes richtet und diese einhält, wird ebenfalls in eine charakterliche Schieflage geraten.

Lassen wir uns nicht verbiegen. Folgen wir der Forderung Jesu:
Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden. (Mt 6,33).


Gedanken vom Hausbibelkreis Wrana, Lydia-Gemeinde


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