Du bist ein Gott, der mich sieht.

(Monatslosung für Januar 2007 aus 1. Mose 16,13)

Bleib´, wo du bist
und rühr´ dich nicht!
Der Feind ist nah´
und sieht dich nicht!

Dieser Kinderreim wurde immer dann lauthals von uns geschrien, wenn es um´s „Versteckspielen“ ging. –
Kennen es unsere Kinder noch?
Dieses Spiel war eines unserer „highlights“, wie es heute computer-animierte Spielprogramme oder gameboys sind.

Verstecken zu spielen, das brachte Spaß. – Wenn wir uns spontan zu einer gewissen Gruppengröße zusammengefunden hatten, ging es richtig rund: Zunächst wurde durch Abzählreime sicher bestimmt, wer den Rest der Gruppe aufspüren sollte. Und das war nicht etwa der Crack des Spiels, sondern das arme Würstchen! Sich zu verstecken, neue Möglichkeiten für eine Zeit des Untertauchens zu finden, war viel spannender und interessanter, als der Suchende zu sein. Die Verborgenen waren flexibel, blieben nicht einfach in ihren Verstecken sitzen, sondern konnten sich auf noch neu zu entdeckenden, verschlungenen Pfaden oder bekannten Schleichwegen ihrem Ziel nähern, um dem Suchenden „eins auszuwischen“, denn um das Spiel zu beenden, mussten sich auch die Versteckten, in einer gewissen Zeit (Armbanduhren hatten wir ja schließlich schon – und wenn´s teilweise auch die abgelegten Uhren der Großeltern waren!) ihrem Ziel nähern. Unentdeckt zu einem zuvor ausgemachten Platz zurückzukehren, war Sinn der Sache. Dies war entweder ein bestimmter Baum, eine gewisse Straßenlaterne, der halb verrottete, stillgelegte Brunnen im Park oder auch der alte Bewag-Kasten vor dem Haus. Man rannte, - nein stürmte – auf sein Ziel zu, um Hand auf diesen „Fetisch“ zu legen und um dann wieder zu brüllen: „Erlöst!“, noch bevor der Suchende dies in ähnlicher Weise hätte tun können. Seine Devise aber war die gleiche – nur umgekehrt. Auch durch Hand anlegen: „Hab´ dich erwischt, du versteckst dich an diesem bestimmten Platz, oder kommst gerade angerannt“, konnte er sich als Suchender für das nächste Spiel ausschließen, um sich selbst verstecken zu können. Eine Totenwache seinerseits, das heißt, das Ziel durch stete Präsenz zu blockieren oder abzuschirmen, war indiskutabel und ausbuhenswert. Auch eine gewisse Schnelligkeit, wenn sich die Gegenspieler plötzlich und völlig unerwartet entdeckt hatten, war von Nöten, um diesen Handaufschlag an besagter Stelle zu vollführen. Es ging wirklich um „Fingerlängen.“ Der erste, der nicht schnell genug an´s Ziel kam oder erwischt wurde, war der Suchende für´s nächste Ziel; wenn – ja wenn es nicht die berühmte Ausnahme gegeben hätte: Der letzte Versteckte, der unbeschadet sein Ziel erreichte, war die Hoffnung für alle Erwischten, und so wurde bis zum Schluss mitgefiebert und überlegt, wer diese(r ) Held(in) wohl sein würde und mit entsprechendem Anfangsspruch gewarnt, so dass diese Person laut und voller Übermut verkünden konnte: „Erlöst für alle!“

So blieb der Suchende, wenn er Pech hatte, nicht nur der Suchende für´s nächste Spiel, sondern der Suchende dieses Tages. – Leicht und hämisch belächelt von uns übrigen.
Auch heute wollen wir keine Suchenden mehr sein, sondern unserem Ziel mit jeder Stunde unseres Lebens etwas näher kommen.

Wir haben auch gelernt: Sich vor Gott zu verstecken, das ist aussichtslos!
Nur kleine Kinder ziehen sich eine Decke beim Spiel über den Kopf und meinen, dann nicht mehr gesehen zu werden, wenn es auch um sie herum dunkel wird.

Hunde schielen beim Spiel mit einem Auge um die Ecke oder vergraben ihre Augen hinter den Pfoten, als wollten sie sagen: “Wenn ich dich selbst nicht sehen kann, dann ist es auch für dich unmöglich“. Gott sieht jeder Zeit unser Handeln! Er ist nicht blind! Er weiß immer, wo wir zu finden sind und was wir vorhaben; wir können Ihn nicht austricksen, beschummeln oder hintergehen.

Obwohl wir geneigt sind, es vielleicht immer mal wieder zu versuchen, sollten wir doch möglichst schnell zur Einsicht kommen und uns im Stillen selbst fragen? „Sind wir die Cracks des Spiels, das unser Leben ist oder suchen wir die Nähe zu unserem großen Gott? Sind wir bei Ihm angekommen, oder wollen wir uns immer neu verstecken, in der hohlen Annahme, dass wir vieles selbst und besser meistern können ohne Seine Hilfe?“ Dann sollten wir das schnellstens ändern. Gott ist nicht unser Feind! Er hat uns bereits gefunden! Wir müssen uns nur auf Ihn einlassen!




Gedanken vom Hausbibelkreis Wrana, Lydia-Gemeinde


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