Die den Herrn lieb haben sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!

(Monatslosung aus Februar 2006 aus Richter 5,31)

Die tristen Monate sind noch nicht vorbei! Am frühen Morgen halten sich die Nebel in den Senken. Selbst in dem kleinen Park vor unserer Gemeinde steigen Nebelschwaden auf. Der Himmel ist zugezogen und zeigt sein stetes grau in grau. Die Menschen beginnen ihr Tagewerk zunehmend missmutiger. Dass sich die Sonne den ganzen Tag nicht zeigen will, schlägt bei manchen Menschen auf´s Gemüt. Dies ist aber auch an warmen Sommertagen zu beobachten, wenn der Himmel einfach nicht aufreißen will oder eine Dunstglocke über der Stadt hängt. Wir beginnen uns nach einem blauen Himmel zu sehnen; nach einer wärmenden Sonne zu lechzen.

Wie wehmütig müssen wohl die Menschen gerade an diesen Tagen werden, die an ihre Krankenbetten gefesselt sind? Wie wird es wohl denen ergehen, die unter Tage arbeiten oder ihren Beruf in vollklimatisierten Räumen bei künstlicher Beleuchtung ausüben müssen? Und so drängt es insbesondere im Winter viele Menschen mit aller Macht in Richtung Süden, um Sonne aufzutanken.

Am Urlaubsort angekommen, können wir uns dann in stockfinsterer Nacht aufmachen, um bei klarem Wetter unseren Blick nach Osten zu richten und werden bald wunderbar belohnt. Es beginnt zu dämmern. Das tiefe Schwarz der Nacht weicht einem mittleren Grau. Erst erdfarben oder eher ocker – leicht rosé oder doch ein mittleres Violett? Schließlich ein lichtes Gelb – kaum können wir die einzelnen Farbnuancen registrieren, erscheinen schon die ersten diffusen Strahlen. Wie mit Urgewalt bricht eine goldene Pracht hervor. Wie ist das geschehen? Ein Zeitraffer wäre jetzt nicht schlecht und bitte noch einmal ganz von vorn – denn schon können wir in dieses gleißende Licht nicht mehr schauen.

Die Sonne geht mit Macht auf, ihre Pracht ist nicht mehr schaubar, am Tag werden wir ihre Kraft spüren.

Seit Jahrmillionen vollzieht sich dieses Schauspiel immer wieder auf´s Neue. Die Sonne geht über allem auf. Wie unbedeutend und klein, wie winzig erscheinen wir uns jetzt selbst?

Wenn wir dieses einzigartige Schauspiel beobachten, geht uns das Herz auf und wir wollen einfach danken. Danken allein für diesen Anblick. – Und uns wird vielleicht noch eines klar: Wir sind Kinder des Lichts. Auch in uns wird es hell; all die düsteren Gedanken zerfließen, lösen sich auf in ein dankbares Nichts!

Es ist kein Wunder, wenn die Sonne als Synonym für Gott steht:

Denn Gott, der Herr, ist die Sonne, die uns Licht und Leben gibt, schützend steht er vor uns. Niemand ist so gut zu uns wie er, durch ihn gelangen wir zu hohem Ansehen. Wer ihm rückhaltlos ergeben ist, den lässt er nie zu kurz kommen. (Psalm 84,12).

Nur wenige Menschen erlangen im Beruf oder bei ihrer Arbeit Prestige und ein hohes Ansehen. Die Entscheidungen, die wir täglich treffen müssen, haben nicht unbedingt Einfluss auf das Weltgeschehen. Trotzdem ist dies keine Enttäuschung. Für uns ist es wichtig die ganze Zeit in der Gegenwart Gottes zu bleiben. Er ist unsere Sonne, all unsere Energie, die wir sinnvoll einsetzen sollen.

Aber auch unser Schutz vor den Widrigkeiten in unserem Leben; Schutz vor dem Straucheln und Fallen – und das Wichtigste: das Licht der Liebe – die Liebe – in unserem Leben. Diese Liebe schenkt Er uns jeden Tag auf´s Neue. Wir müssen nur zugreifen, sie wollen und sie erwidern!

Auch wenn wir Gott vielleicht noch nicht genau kennen, verlangen wir in unserem täglichen Leben doch nach zwischenmenschlicher Liebe. Wir wollen von unseren Partnern, unseren Kindern geliebt werden und sind bereit diese Liebe auch zurückzuschenken, erst dann sind wir glücklich.

Ist Gott zu lieben so viel schwerer?
Der 1.Johannesbrief 5,3-5 verneint das: Denn Gott lieben heißt nichts anderes als das tun, was er uns sagt; und das ist nicht schwer. Denn das Leben, das Gott uns gegeben hat, ist mächtiger als alle Verlockungen dieser Welt. Wir können sie durch den Glauben besiegen. Diesen Sieg aber kann nur erringen, wer fest daran glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist.

Ist das nicht wirklich so? Wird nicht der Liebende immer das tun, was dem oder der Geliebten Freude bereitet, seine oder ihre Bedürfnisse stillen – jedenfalls überwiegend?

Aber wo finden wir einen Hinweis darüber, was Gott Freude macht? In Seinen Geboten, die keine mühsame Last für uns sein sollen. Sie mögen zwar manchmal schwierig zu halten sein, ähnlich einer zu erfüllenden Pflicht; aber auch Pflichten können „lieb gewonnen“ werden, dann werden sie sogar zur Freude.

Durch unseren Glauben können wir den Verlockungen, kurz dem Bösen widerstehen, die Werke der Finsternis aufdecken.

Für alle, die sich mit der Februarlosung weiter beschäftigen wollen: Hier einige andere Übersetzungen zum Vergleich:

Doch wer dich liebt, gleicht der Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht!
(Hoffnung für alle)

Doch die, die ihn lieben, sind wie die Sonne, wenn sie aufgeht in ihrer Kraft.
(Einheitsübersetzung)

Die aber ihn lieben, müssen sein wie die Sonne, wenn sie aufgeht in ihrer Macht!
(Schlachter)

Die Ihn aber lieb haben müssen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht.
(Luther unrevidiert)

Aber die, die ihn lieben, (sollen sein) wie die Sonne aufgeht in ihrer Kraft.
(Elberfelder)

Doch die ihn lieben –
Wie Sonne strahlt in ihrer Macht!

(Naftali Herz Tur-Sinai)

Doch deine Freunde sollen siegreich sein, der Sonne gleich, die strahlend sich erhebt!
(Gute Nachricht)

Aber die ihn lieben sind, wie die Sonne ausfährt in ihrer Heldenwehr.
(Martin Buber)

Worin liegen wohl die größten Unterschiede der einzelnen Bibelübersetzungen verborgen?

In den Worten: Macht, Pracht, Kraft und Heldenwehr?

Oder in den Aussagen:
- müssen sein (Ein Zustand der erarbeitet und erhalten bleiben muss.)
- sind wie (Das heißt am Ziel angekommen zu sein.)
- gleicht (Haben wir eine Ähnlichkeit erreicht oder springen wir zwischen dem… sind wie… und …sollen sein… noch oftmals hin und her?)
- sollen sein (Der Weg ist noch weit aber die Ausrichtung ist bekannt.)

Wo befinden wir uns persönlich?

Wie ist die Metapher, der Vergleich mit der Sonne zu verstehen? Hier einige Beispiele:

Ein König, der gerecht regiert und Gott mit Ehrfurcht begegnet, gleicht der Morgensonne, die nach einem Regenschauer am wolkenlosen Himmel steht! Unter ihren warmen Strahlen sprießen die Pflanzen aus der Erde hervor. (2.Samuel 23,3b-4).
Das 23. Kapitel trägt den Titel „Die letzten Worte Davids“ und sind somit auch eine wichtige Hinterlassenschaft! Die Gerechtigkeit des Königs entspricht hier dem segensreichen Wechsel von Sonne und Regen. Befindet sich beides nicht im Lot, verdorrt die Erde oder wird überschwemmt.

Wie begegnen wir Gott oder unseren Nächsten – handeln wir ehrfürchtig und gerecht? Können wir unsere Mitmenschen fördern, haben wir gute Worte für sie oder sind wir eher gleichgültig – bereit sie zu zertreten?


Am Morgen geht sie auf und strahlt wie ein Bräutigam bei der Hochzeit. Siegesgewiss wie ein Held beginnt sie ihren Lauf: Wo sie aufgeht und wo sie untergeht, berührt sie den Horizont. Nichts bleibt vor ihrer Hitze verborgen. (Psalm 19,6-7).
Die Weite der Sonnenausstrahlung, die Intensität ihres hellen Lichts und die von ihr ausgehende wohlige Wärme spiegeln Gottes uneingeschränkte Macht und seine Allwissenheit wider. Wie die Sonne bei ihrem Aufgang zu sein bedeutet auch: Ein Leben voller Segen zu führen.

Wann waren wir ein Segen für andere?


Ihr Leben ist finster wie die Nacht, im Dunkeln tappen sie umher, und wenn sie fallen, wissen sie nicht einmal, worüber sie gestolpert sind. Wer aber Gott gehorcht, dessen Leben gleicht einem Sonnenaufgang: Es wird heller und heller, bis es lichter Tag geworden ist. (Sprüche 4,18-19).
So wie die Sonne auf ihrer Bahn hinaufsteigt, angefangen von der Dämmerung, den ersten zaghaften Strahlen, dann heller und heller scheint bis zum Mittag – diesen Weg des Lichts und der Erkenntnis sollen auch wir auf unserem Lebensweg beschreiten – dabei können und sollen wir uns täglich steigern.

Sehen wir die Sonne in unserem Leben oder haben wir keine Perspektiven?
Wann sind wir auf unserem Weg gestrauchelt – vielleicht abgewichen?


Die Weisen und Verständigen aber leuchten wie die Sonne am Himmel und diejenigen, die vielen Menschen den richtigen Weg gezeigt haben, leuchten für immer und ewig wie Sterne. (Daniel 12,3).
Gott bleibt uns und seinen Verheißungen treu. Deshalb sind wir gefordert in seiner Liebe zu bleiben – ihm diese Treue zurückzugeben, selbst in den Stunden unserer größten Not.

Wann hatten wir in unserem Leben die schlimmsten Zweifel?


Aber alle, die Gottes Willen tun, werden im Reich ihres Vaters leuchten wie die Sonne. (Matthäus 13,43).
Wollen wir doch darauf zielstrebig hinarbeiten und so viele Menschen wie möglich mit einbeziehen!


Herr wir danken dir für unser Leben!
Du hast uns gewollt – wir sind Deine Kinder.
Wir wissen, wie wir sein müssten
und doch fällt es uns schwer in Deiner Liebe und Gerechtigkeit zu handeln.
Schenke uns jeden Tag neue Energie,
neue Impulse, Deinem Sohn ähnlicher zu werden.
Gib uns den Mut als Kinder des Lichts
etwas Erhellendes für andere zu tun.
Scheine Du durch uns!
Amen




Gedanken vom Hausbibelkreis Wrana, Lydia-Gemeinde


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