|
Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen
deinen Wegen.
(Monatslosung für Februar 2004 aus Psalm
91,11)
Welche Vorstellungen von Engeln existieren in unserer
Zeit?
Sind es Rauschgoldengel mit blondem, lockigen Haar, oder eher
diese himmlischen Wesen, die barfüßig und mit einer weißen Tunika
bekleidet, meist Harfe spielend, auf einer Wolke sitzen und deren
Heiligenschein uns zur Erkennung dient? Oder ist es der starke,
kraftstrotzende Engel, der durch die Lüfte gegen das Böse kämpfend
fliegt?
Engel erscheinen uns immer positiv, an die gefallenen Engel
denken wir da schon weniger!
In der bildenden Kunst wurden Engel
schon in frühchristlicher Zeit dargestellt. Erst flügellos und männlich,
seit dem 4. Jahrhundert vollständig bekleidet, mit Flügel und meist mit
Zepter oder Buchrolle abgebildet. Sie wurden vorwiegend jugendlich
dargestellt, sogar priesterlich gekleidet. Selbst Putten wurden zu
engelhaften Wesen.
In den einzelnen Büchern der Bibel und
Apokryphen haben auch die Engel ihre eigene Geschichte. Im Buch der
Jubiläen heißt es, sie seien zu Beginn der Schöpfung am ersten Tag
erschaffen; als leiblose Geister von feuriger Natur. Im 1. Buch Mose 3,24
vertrieb Gott Adam und Eva aus dem Paradies. Östlich des Gartens bewachten
Cherubime mit gezücktem, flammendem Schwert den Zugang zum Baum des
Lebens. Cherubime und Seraphime müssen schon gigantische Wesen sein (s.
Hes 10,1-19 und Jes 6,1-6). Im Buch Tobit 12,19 erfahren wir, dass sie
unsterblich sind und keiner irdischen Speise sondern des himmlischen Manna
(Buch der Weisheit 16,20) bedürfen. Dass sie keinen stofflichen Körper
sondern einen Scheinleib besitzen, wird im Buch Tobit 12,19 wiederholt.
Trotzdem erscheinen Engel in Gestalt eines strahlenden Mannes (Dn 8,15;
Tob 5,4f; 2.Makk 3,26) und in leuchtender Herrlichkeit (Dn 10,5). Auch
gibt es eine Vielzahl von Engelbezeichnungen: Gottnahe Wesen, Söhne des
Himmels, Heilige, Wächter, die nie Schlafenden, Fürsten und Geister. Auch
ist die Anzahl der Engel groß – sie sind die himmlischen Heerscharen (Mt
26,53 ) und repräsentieren die himmlische Welt (Mt 22,30; Lk 12,8f). Sie
bilden den Kronrat Gottes, haben aber keine Mitbestimmung, sondern ordnen
sich der Alleinherrschaft Gottes unter. An manchen Stellen der Bibel, wo
nach hebräischem Text Gott selbst handelt, wird ein Engel genannt. Gott
spricht nicht mehr unmittelbar zum Propheten, sondern Engel übermitteln
die Offenbarungen Gottes und deuten sie. Diese Aufgabe fällt namentlich
dem Erzengel Gabriel zu. Auch ist er es, der die Geburt Jesu verkündet (Lk
1,26-38). Dass Kinder ihre Engel im Himmel haben, können wir bei Matthäus
18,10 nachlesen. Im Volksglauben hat jeder Mensch seinen Schutzengel im
Himmel, der uns hilft aus allen Katastrophen heil
herauszukommen.
Das ist ein Gedanke, der uns froh macht - Deshalb
wundern wir uns heute vielleicht, dass wir noch nie einem Engel begegnet
sind, wundern uns jedoch nicht, dass wir an deren Existenz glauben. So
singen wir in unserer Gemeinde gerne das Abschlußsegenslied mit dem
Text:
„Segne uns o Herr, lass leuchten Dein Angesicht, über
uns und sei uns gnädig ewiglich.
Segne uns o Herr, Deine
Engel stell um uns, bewahre uns in Deinem
Frieden ewiglich.“
Ähnlich muß auch Dietrich Bonhoeffer
empfunden haben, als er 1944, kurz vor seinem Tod, das Lied schrieb: „Von
wunderbaren Mächten treu und still umgeben....“.
Doch die Engel im
Alltag gibt es sie wirklich nicht?
Der Begriff Engel stammt von dem
Wort „angelus“ und bedeutet Bote. Sicher auch im weiteren Sinne für
Menschen, die uns persönlich weiterhelfen können, die unsere Worte, unsere
Botschaft an sie annehmen, deren Zuwendung wir bedürfen. Wie oft
gebrauchen wir auch den Satz: „Dich schickt der Himmel!“ Wir haben
jemanden gefunden, der genau im richtigen Augenblick für uns da war. So
gibt es auch Organisationen, wie das Blaue Kreuz, deren Mitarbeiter, die
„Blauen Engel“, sich um alkoholkranke Menschen bemühen.
Der Dichter
Rudolf Otto Wiemer hat folgendes Engelsgedicht verfaßt:
Es müssen
nicht Männer mit Flügel sein, die Engel. Sie gehen leise, sie müssen
nicht schreien,- oft sind sie alt und häßlich und klein, die
Engel. Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die
Engel. Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt
neben dir, Wand an Wand, der Engel. Den Hungernden hat er das Brot
gebracht, der Engel. Dem Kranken hat er das Bett gemacht, der hört,
wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel Er steht im Weg und er
sagt: Nein, der Engel. Groß wie ein Pfahl und hart wie ein
Stein.- Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.
Aber
zurück zu den in unserer Monatslosung gemeinten Engeln.
Es geht
nicht in erster Linie um einen Glauben an die Engel Gottes. Engel vermögen
nicht alles zu tun, denn sie sind nur die dienstbaren Geister Gottes. Wenn
Gott einen bestimmten Plan mit uns hat, werden sie es geschehen lassen.
Sie werden uns behüten, wenn Gott es ihnen befielt. Sie werden es aber
auch nicht tun, wenn Gott es für richtig hält, dass wir einem Unglück
ausgesetzt werden sollen. In welcher Weise die Engel uns behüten und uns
in unserem bisherigen Leben behütet haben, das vermögen wir nicht zu
sagen, vielleicht werden wir einmal über ihre erbrachten Dienste
staunen.
Dass Engel bei den Menschen Irritationen auslösen können,
läßt aus dem Brief des Paulus an die Hebräer entnehmen. Der Apostel
schreibt, dass Gott seinen Sohn Christus genannt hat „und ihm damit eine
Stellung weit über allen Engeln gegeben“ hat (Hebr 1,4). Und im Vers 13
und 14 heißt es: „Oder hat Gott jemals zu einem Engel gesagt: „Setze dich
auf den Ehrenplatz an meiner rechten Seite, bis ich dir alle deine Feinde
unterworfen habe, bis du deinen Fuß auf ihren Nacken setzt.“ Alle Engel
sind nur Wesen, die Gott dienen. Er sendet sie aus, damit sie allen
helfen, denen er Rettung und Erlösung schenken will.“
Wir
können daraus erkennen, dass den Engeln Gottes eine wichtige Aufgabe zu
kommt. Aber sie entscheiden nicht über unser Wohlbefinden. Auch in dem
Fall, in dem ein Auto, wie in den letzten Tagen geschehen, auf einem
Bahnübergang von einem Eisenbahnzug erfaßt und völlig zerstört wurde, half
der unverletzt gebliebenen Frau sicherlich ein „Schutzengel“. Aber diesen
Unfall hat sie nur deswegen überlebt, weil Gott es in diesem Moment so
wollte.
Am Anfang des 91. Psalms heißt es: Wer unter dem Schutz
des Höchsten wohnt, der kann bei ihm, den Allmächtigen Ruhe finden. In
der Elberfelder Bibel wird der Satz wie folgt übersetzt: Wer im Schutz
des Höchsten wohnt, bleibt im Schatten des Allmächtigen. Die Aussage,
dass wir im Schatten des Allmächtigen ruhen dürfen, ist die Zusage Gottes
an uns. In der größten Sommerhitze möchten wir den kühlenden Schatten
eines Baumes oder Strauches nicht missen. Wir begeben uns in unmittelbare
Nähe der schattenspendenden Pflanzen. Schatten tut uns gut! So will auch
Gott, dass wir diesen Schatten – seine persönliche Nähe – suchen und nicht
verlieren. Wir sollen den einmal gefundenen Kontakt nicht abreißen lassen;
damit auch er sein Versprechen einhalten kann: Ich schicke dir Boten, die
dich beschützen.
So ist der ganze 91. Psalm, ein Wort des Trostes
und der Zuversicht. Gott sagt uns, dass wir seine Schutzbefohlenen
sind. Dazu gebraucht er jedes Mittel, jeden Boten der uns stärken
kann.
Gedanken vom Hausbibelkreis Wrana,
Lydia-Gemeinde |
|