(Monatslosung für April 2002 aus Epheser 4,24)
Die Monatslosung für Monat April ist dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus, einer Stadt an der
heute türkischen Küste zur Ägäis, die er während seiner zweiten und dritten Missionsreise besucht hatte, entnommen.
Offensichtlich haben ihn Berichte über Unstimmigkeiten und Streit in der jungen Gemeinde erreicht, die ihn dazu
veranlaßten, sich schriftlich an diese zu wenden und ihre Mitglieder zu ermahnen.Diese Mahnungen und Hinweise des Apostels Paulus sind durch die Jahrhunderte aktuell geblieben. Sie beinhalten Hinweise, wie die Menschen in den Gemeinden aber auch in ihrem alltäglichen Leben miteinander umgehen sollen. Der Brief ruft zur Einheit untereinander auf und gibt u.a. praktische Hinweise zum gemeinsamen Leben in Gemeinde und Familie. Bei der Monatslosung handelt es sich um eine der Kernaussagen des Briefes. Wenn wir die Aufforderung erhalten, den neuen Menschen anzuziehen, stellt sich natürlich die Frage, wie denn der alte Mensch aussieht. Paulus definiert die Eigenschaften des alten Menschen in seinem Brief. Er bescheinigt dem alten Menschen Unwissenheit. Er weiß nicht, wie es ist, mit Gott zu leben. Sein Herz ist verhärtet, nicht einfühlsam, sein Gewissen abgestumpft. Daher gibt er sich allen nur denkbaren Lastern hin und ist gierig, das Leben zu genießen und anderen Menschen jede Art von Gemeinheit zukommen zu lassen. In dieser Verblendung lebt der alte Mensch in dem Bewußtsein, dass er und nur er den richtigen Weg für sein Leben eingeschlagen hat. Aus dieser Selbstüberschätzung heraus sieht sich der Mensch im Mittelpunkt der Welt. Ob er dieses Selbstverständnis im Umgang mit Mitmenschen an den Tag legt oder bei der Einschätzung und Beurteilung anderer tagespolitischer und grundsätzlicher Fragen, wie z.B. die Zulassung von Abtreibung und des Klonens von Zellen. Im täglichen Leben, im Leben mit anderen Menschen, werden sich einerseits Selbstüberschätzung andererseits aber auch Unsicherheit etablieren. Ein offenes Umgehen mit dem Nächsten ist kaum noch möglich, da man hinter allem vielfältige Gefahren für sich selbst zu erkennen meint. Als Folge erhält die gegen sich selbst und gegen andere gerichtete Lüge breiten Raum. Der Mensch, das Ich, im Mittelpunkt des persönlichen Lebens. Dass die Erde und damit der Mensch nicht im Mittelpunkt des Weltalls zu finden ist, hat uns die Wissenschaft verständlich machen können. Wie ist es aber möglich zu verstehen, dass das eigene Ich nicht immer im Mittelpunkt stehen muß und sollte? Hier ist Selbsterkenntnis gefragt. Es ist notwendig, dass wir einsehen, dass es andere, wichtigere, bedeutendere Dinge in unserem Leben gibt, als das eigene Ich. Hier ist nicht von Selbstverleugnung oder Selbstzerstörung die Rede. Im Gegenteil! Mit dieser Selbsterkenntnis ist der gesunde Umgang mit mir selbst gemeint. Ich muß mir den Spiegel vorhalten, um zu sehen, welchen Menschen ich angezogen habe. Aber nein, diese Arbeit muß ich mir nicht aufbürden. Es gibt einen, der mir den Spiegel, in dem ich mich betrachten kann, hält. Sein Name ist Jesus Christus. Jesus hat in seinem Leben aufgrund vieler Anlässe immer wieder darauf hingewiesen, dass wir uns ändern sollen. Er hat uns dabei auch gesagt, wie wir werden sollen. Insbesondere in seiner als Bergpredigt bezeichneten Rede vor einer Vielzahl von Menschen, hat er genaue Anweisung gegeben, wie der neue Mensch aussehen soll (Mt 5,1 7,27). Hier werden Eigenschaften genannt, die später als die Frucht des Geistes bezeichnet werden, nämlich Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Gal 5,22). Die Umsetzung dieser Gaben, dieser Eigenschaften im täglichen Leben machen den neuen Menschen aus. Aber warum spricht Paulus vom Anziehen des neuen Menschen und nicht von einer anzustrebenden schlagartigen Veränderung des Menschen? Paulus war Realist genug, dass er wahrnahm und wußte, wie sich die Menschen um ihn herum verhalten und wie wir es heute immer noch tun. Dem Anziehen des neuen Menschen geht das Ausziehen des alten Menschen voraus. Wie beim Anziehen neuer Kleidung bedarf es zunächst des Entledigens der alten Sachen. Wenn wir also in den Spiegel geschaut und erkannt haben, dass wir dringend einer Veränderung unseres Lebens bedürfen, müssen wir damit beginnen, Schicht für Schicht des alten Menschen, der alten Bedürfnisse, also der alten Kleider abzustreifen. Früher oder später werden wir nackt vor uns und vor Gott stehen. Aber Gott läßt uns nicht ungeschützt in der Kälte der Welt stehen. Er gibt uns neue „Kleider“, von denen Paulus in seinem Brief an die Epheser berichtet. In Eph 6,10ff sagt er uns zu, dass Gott für uns sorgt, in dem er uns aufgrund unseres Glaubens mit neuer „Kleidung“ ausrüstet. Wie oben gesagt, handelt es sich sowohl beim Ausziehen des alten als auch beim Anziehen des neuen Menschen um einen Prozess. Diese Entwicklung will ihre Zeit haben und wird nie zum Abschluss kommen. Bei dem Einen geht sie schneller, der Andere benötigt mehr Zeit und vielleicht auch Hilfe von Außen. Hilfe durch seine Mitmenschen in Familie und Gemeinde. Bei diesem Prozess ist es auf jeden Fall nicht von Bedeutung, wie schnell man das Oberkleid, das vom Nächsten wahrgenommen werden kann, angezogen hat. Um nicht beim ersten Windstoß oder Regen ins Frieren zu kommen, ist es vielmehr viel wichtiger, dass auch die Unterwäsche gut sitzt. Lasst uns daher beim Anziehen des neuen Menschen nicht in Hektik und Leistungsdruck verfallen. Viel wichtiger ist es, gleich damit zu beginnen, in den für uns durch Jesus gehaltenen Spiegel zu sehen und zu erkennen, wo ich persönlich in meinem Leben beginnen muss, Veränderungen vorzunehmen. Es gibt viel zu tun, ................................ Gedanken vom Hausbibelkreis Wrana, Lydia-Gemeinde |
