„Freundschaft in Freiheit“


Black-fire schüttelte ungestüm seine lange Mähne, dann begann er mit dem rechten Vorderhuf so stark zu scharren, dass einzelne Grassoden hoch in die Luft stoben, um dann wieder geräuschvoll klatschend auf dem Boden zu landen.

White-flame näherte sich respektvoll. In dieser Verfassung war nicht gut Kirschen essen mit ihm; deshalb blieb sie in einem gewissen „Sicherheits“-abstand zögernd stehen.
Würde er sie jetzt beachten oder sich erst weiter austoben?
Sie wollte lieber still abwarten, bis sein Zorn zum Teil verraucht war, dann könnte sie sich auf ein vernünftiges Gespräch freuen.

„Seit einigen Tagen beobachte ich nun schon unseren Sohn Fire-flame“, bleckte er plötzlich die Zähne, „anstatt sich mit den jungen Hengsten in unserer Herde zu messen und an deren Rangkämpfen teilzunehmen, entzieht er sich der Gemeinschaft. Und weist du was er treibt? Im vollen Galopp erklimmt er diesen kleinen Felsvorsprung am Ende der Weide, blickt sehnsüchtig zum Adlerhorst empor, wirbelt etwas später wie wild auf der Stelle herum, um dann einfach abzuspringen. Das ist doch lächerlich und sieht so komisch aus, wie er mit allen Vieren gleichzeitig unten aufdonnert, dass die ganze Herde bereits über ihn lacht. Aber das allein ist noch nicht alles. Vor dem Einschlafen heult unsere Memme meist noch „Rotzblasen und Dreierschnecken“, wie gut, dass davon noch niemand Wind bekommen hat!“

„Du machst dir also keine allzu großen Sorgen, dass sich Fire-flame seine schlanken Fesseln brechen könnte, noch was er mit dieser Aktion bezweckt und warum er zu Tode betrübt ist? Du bist nur wütend, dass unser Sohn zum Gespött geworden ist – das ist nicht fair mein Lieber!“, schnaubte White-flame zurück, „weist du nicht dass er Träume hat, seit dem er mit Quila befreundet ist?“

Black-fire grollte augenblicklich zurück: „Unser Sohn kommuniziert – nein ist befreundet – mit Aquilas Tochter? Er ist zum Träumer geworden? Ich fass es nicht!“

„Nun, auch du hattest einmal Träume“, White-flame stupste ihre Nüstern liebevoll in seine Flanke. „Ja, ich wollte immer der Leithengst dieser Herde werden und habe das auch mit Bravur gemeistert, wie du weist.“ Black-fire drehte mit erhobenem Schweif eine kleine Ehrenrunde um seine Stute.

„Vor allem aber wolltest du frei sein, so frei wie die die stolzen Adler aus dem Hause des Aquila. Erst später hast du erkannt, dass deine persönliche Freiheit dort endet, wo die Freiheit jedes einzelnen von uns beginnt. Erst das machte dich zu dem stolzen Hengst, den ich liebe und alle anderen respektieren.“

„Trotzdem ist diese Freundschaft zu Quila etwas anderes – eben einfach absurd.“, schnaubte Black-fire schon wieder verächtlich zurück.

„Freundschaften beflügeln“, wieherte White-flame leise zurück. „Jetzt möchte Fire-flame noch ein junger Pegasus sein, um seiner Freundin hoch über dem Gebirge folgen zu können und auch Quila erprobt erfolglos den schnellen Lauf. Beide müssen den Unterschied ihrer Naturen erst verstehen lernen. Dann werden sie erkennen, dass jeder auf seine Weise etwas ganz besonderes ist und sie einander viel mehr zu geben haben, als ihnen heute bewusst ist.

Später werden sie vielleicht erkennen dass Freiheit und Freundschaft wohl eines gemeinsam haben:
Beide sind so weit wie unser Tal, aber leider auch begrenzt. – Wenn diese Freundschaft eine Zukunft hat, wird Quila immer wieder in unser Tal zurückkehren, um das Leben deines Sohnes und ihr Leben zu bereichern!“







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