Sakrileg oder Sakrament?
Vatertag oder Himmenlfahrt?

Predigt in der Lydia-Gemeinde am Himmelfahrtstag, dem 25. Mai 2006
anläßlich des ersten Open-Air-Gottesdienstes 2006
von Pastor Thomas Vollenweider


Neulich hat mein Vater einen Bekannten von uns gefragt, wie lange er schon gläubig sei. Seine Antwort hat ihn verblüfft. Er sagte nämlich: „Gott hat uns Menschen einen Verstand und die Fähigkeit gegeben, uns für den Glauben oder gegen den Glauben an Gott zu entscheiden. Und ich hab’ mich dagegen entschieden.“ Für jemand, der nicht an Gott glaubt, ist das doch eine erstaunliche Aussage, oder nicht?! Es ist fast Luis Bunuel, der gesagt haben soll: "Ich bin immer noch Atheist, Gott sei Dank!"

So ähnlich kommt mir das vor, wenn heute viele Menschen über die Frage spekulieren ob Jesus verheiratet war und Kinder hatte, deren Nachkommen vielleicht heute noch leben und deren Existenz womöglich vom Vatikan geheim gehalten werden solle. Das ist doch interessant. Plötzlich glauben wieder ganz viele Menschen an Jesus! Mindestens, dass er gelebt hat! Ich finde das spannend! Wie nannte es jemand?! „Der christliche Grundwasserspiegel steigt!“ Und das ist doch durchaus positiv! Das „Christliche“ findet wieder Eingang in Literatur und Film! Allerdings ist das auch eine Herausforderung!

Die Bezeichnung „Vatertag“ bekommt angesichts von Dan Brown’s Da Vinci Code and dessen zu Grunde liegender Hypothese, dass Jesus nämlich mit Maria Magdalena Kinder gezeugt haben soll, eine ganz neue Bedeutung!

Jesus sei nicht etwa am Kreuz gestorben, sondern sei mit seiner Familie nach Frankreich ausgewandert, wo er das königliche Geschlecht der Merowinger begründete. Und das sei dann eben das „größte Geheimnis des Christentums“, dessen Enthüllung die etablierten Kirchen mit aller Gewalt zu verhindern suchen.

Sakrileg oder Sakrament?
Vatertag oder Himmelfahrt?

The Da Vinci Code - Sakrileg


Seit einer Woche läuft der Film nun auch in deutschen Kinos und über 1 Million Besucher haben ihn bereits gesehen. 40 Millionen haben das Buch gelesen!

Die Schlagzeile in der TAZ lautet: „Schnitzeljagd mit Jesus“.

Laut einer Umfrage in Frankreich hielten 30 % der Befragten die in diesem Buch vertretenen Thesen für „eher wahr“. Manche fürchten gar um ihren Glauben!!!

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann meinte gegenüber ebd:„Hier geht es nur um einen Krimi. Wie so etwas den christlichen Glauben angreifen soll, kann ich nicht nachvollziehen.“

Idea Spektrum titelt in seiner gestrigen Ausgabe: „Sakrileg“: Boykottieren oder diskutieren?

Unsere eigene Bibelschule in Büsingen hat die zweite Variante gewählt und eine Homepage eingerichtet unter der Überschrift „Cracking the Code“, auf der Artikel veröffentlicht werden, die von Lehrern zu relevanten Themen geschrieben wurden. Hier findet man Artikel über Maria Magdalena, Leonardo da Vinci, den Heilige Gral, die Gnosis, u.v.m.

Sakrileg oder Sakrament?
Vatertag oder Himmelfahrt?

Wir feiern heute Christi Himmelfahrt, nicht Christi Vatertag! Wir lassen uns das diesen wichtigen kirchlichen Feiertag nicht nehmen, lassen uns das Heilige nicht entweihen – das Geschenk des Glaubens nicht rauben! Das bedeutet ja „Sakrileg“:

von lateinisch sacrilegium, „der Tempelraub“; aus sacer, „heilig“ und legere, „stehlen“

Das ist das Zeugnis der Heiligen Schrift, dem Wort Gottes. Und das lesen wir in der Apostelgeschichte, Kapitel 1:

Jesus befahl seinen Jüngern: «Verlasst Jerusalem nicht! Bleibt so lange hier, bis in Erfüllung gegangen ist, was euch der Vater durch mich versprochen hat. Johannes taufte mit Wasser; ihr aber werdet bald mit dem Heiligen Geist getauft werden.» Bei dieser Gelegenheit fragten sie ihn: «Herr, wirst du jetzt Israel wieder zu einem freien und mächtigen Reich machen?» Darauf antwortete Jesus: «Die Zeit dafür hat allein Gott der Vater bestimmt. Das ist nicht eure Sache. Aber ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein in Jerusalem und Judäa, in Samarien und auf der ganzen Erde.» Nachdem er das gesagt hatte, nahm Gott ihn zu sich. Eine Wolke verhüllte ihn vor ihren Augen, und sie sahen ihn nicht mehr. Noch während sie überrascht nach oben blickten, standen auf einmal zwei weißgekleidete Männer bei ihnen. «Ihr Galiläer», sprachen sie die Jünger an, «was steht ihr hier und seht zum Himmel? Gott hat Jesus aus eurer Mitte zu sich in den Himmel genommen; aber eines Tages wird er genauso zurückkehren.» (Apg 1,4-11)

„Gott hat Jesus aus eurer Mitte zu sich in den Himmel genommen“

Himmelfahrt ist für uns ein wichtiger Feiertag – nicht nur weil das für uns Nazarener seit geraumer Zeit Gemeinschaftstag und Joggathon bedeutet, sondern weil das für alle Christen die Erinnerung daran ist, dass Gott Seine Rettungsaktion auf dieser Erde erfolgreich zu Ende gebracht hat!

1. An Himmelfahrt feiern wir, dass alle, die durch den Glauben zu den Nachfolgern und Nachfolgerinnen Jesu gehören, zusammen Seine Braut sind! Jesus hat nicht eine Frau erwählt, um mit ihr eins zu sein im Fleisch; Er hat uns alle erwählt, um mit uns eins zu sein im Geist!

Wie eine Braut soll seine Gemeinde sein: schön und makellos, ohne jeden Fehler, weil sie allein Christus gehören soll. (Eph 5,27)

2. An Himmelfahrt feiern wir dass, alle durch die Wiedergeburt Kinder Gottes werden können. Und das ist natürlich viel mehr als die vermeintlichen Nachkommen, die durch die Zeugung einiger leiblicher Kinder entstanden sind!

Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu sein. (Joh 1,12)

3. An Himmelfahrt feiern wir, dass Jesus zum Vater gegangen ist, um für uns einen Platz vorzubereiten, eine Wohnung im Himmel, unsere eigene Himmelfahrt! Das ist doch eine großartige Perspektive! Da verblassen alle Spekulationen, best gehüteten Geheimnisse und Skandale!

Denn im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch nicht gesagt: Ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten. (Joh 14,2)

In diesem Sinn ist es dann doch noch Vatertag, weil der Sohn zum Vater gegangen ist und jetzt zur Rechten des Vaters sitzt und mit Ihm zusammen die Welt regiert. Und Er wird wiederkommen und uns zu sich nehmen und wir werden für immer bei Ihm sein.

AMEN.
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