„Ich harrte des Herrn...“ am 9. Januar 2005 von Pastor Thomas Vollenweider |
„Ich harrte des Herrn und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.“ (Luther)
Voll Zuversicht hoffte ich auf den Herrn, und er wandte sich mir zu und hörte meinen Hilfeschrei. Ich war in eine verzweifelte Lage geraten - wie jemand, der bis zum Hals in einer Grube voll Schlamm und Kot steckt! Aber er hat mich herausgezogen und auf festen Boden gestellt. Jetzt haben meine Füße wieder sicheren Halt. Er gab mir ein neues Lied in meinen Mund, einen Lobgesang für unseren Gott. Das werden viele Leute hören, sie werden den Herrn wieder achten und ihm vertrauen. (Ps 40,2-4)
Was ist der Ausgangspunkt? Eine verzweifelte Lage! Bis zum Hals in einer Grube voll Schlamm und Kot! Kein Entkommen möglich! (außer bei McGiver!) Die Bibel spricht von mehreren Personen, die in genau diese Lage gekommen waren:
BEISPIELE aus der Bibel:
• Josef in dem Brunnen (1. Mose 37)
• Jeremia in der Zisterne (Jer. 38)
Da griffen sie Jeremia und ließen ihn an Stricken in die Zisterne des Prinzen Malkija hinab, die beim Wachhof lag. In der Zisterne war kein Wasser mehr, sondern nur noch Schlamm, und Jeremia sank tief darin ein. (Jer 38,6)
• Daniel in der Löwengrube (Dan. 6)
• Petrus im Kerker von Jerusalem (Apg. 12)
Man warf den Apostel ins Gefängnis. Dort bewachten ihn ununterbrochen vier Soldaten, die alle sechs Stunden abgelöst wurden. Herodes wollte nach dem Passahfest Petrus öffentlich den Prozess machen. (Apg 12,4)
• Paulus und Silas im Gefängnis von Philippi (Apg. 16)
Ein aktuelles Beispiel: Ein 70-Jähriger, der 11 Tage unter den Trümmern seines Hauses in Banda Aceh gefangen war und jetzt lebend geborgen wurde!
Was ist bezeichnend für solch eine Lage?
• Die Enge und Bedrängnis!
• Verzweiflung und Panik (Angst kommt von Enge!)
• Ein Entkommen aus eigener Kraft ist unmöglich!
• Man ist auf übernatürliche, göttliche Hilfe angewiesen!
• Warten und Hoffen sind überlebenswichtig!
Kennt Ihr solche Situationen auch? Im übertragenen Sinn! Wo es ganz eng wird? Wo wir ganz tief drin stecken? Nicht mehr weiter wissen und ahnen, dass wir aus eigener Kraft es nicht schaffen können! Z.B. Depressionen oder Glaubenskrisen, schwere Zweifel und Anfechtungen!
Hier lernen wir zwei Dinge: Warten und Beten! HARREN! Hoffen!
HERR, sei uns gnädig, denn auf dich harren wir; sei ihr Arm alle Morgen, dazu unser Heil zur Zeit der Trübsal! (Jes 33,2)
„Ich harrte des Herrn“. Was bedeutet das?
Im Hebräischen heißt es hier wörtlich: „In Hoffnung hoffte ich“. Die hebräische Sprache verstärkt ein Zeitwort gern durch Hinzufügung des Infinitivs. Deshalb die Übersetzungen wie
• „Geharrt, geharrt hat’ ich auf Jehova“ (Wortgetreue Übersetzung)
• „Beharrlich habe ich auf Jehova geharrt“ (Elberfelder) oder
• „Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn“ (Gute Nachricht)
• „I waited and waited for the Lord“ (Modern Language Bible)
Paulus, der diese Situation aus eigener Erfahrung nur allzu gut kennt, schreibt im Römerbrief:
Doch nicht nur dafür sind wir dankbar. Wir danken Gott auch für die Leiden, die wir wegen unseres Glaubens auf uns nehmen müssen. Denn in solchen Leiden lernen wir, geduldig zu werden. Geduld aber vertieft und festigt unseren Glauben, und das wiederum gibt uns Hoffnung. Und diese Hoffnung wird uns nicht enttäuschen. Denn durch den Heiligen Geist, der uns geschenkt wurde, ist Gottes Liebe in uns. (Röm 5,3-5)
Das Gebet in solchen Situationen ist mehr ein Schreien zum Herrn! „Er hörte mein Schreien.“ Die Psalmen sind voll davon:
Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. (Ps 130,1)
Ziehe mich aus dem Sumpf heraus, laß mich nicht versinken! Rette mich vor denen, die mich hassen! Zieh mich heraus aus dem reißenden Wasser,… (Ps 69,15)
sonst schlagen die Fluten über mir zusammen, und der Strudel reißt mich in die Tiefe; hol mich heraus, sonst verschlingt mich der Abgrund! (Ps 69,16)
„Er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien!“ und v. 3:
Aber er hat mich herausgezogen und auf festen Boden gestellt. Jetzt haben meine Füße wieder sicheren Halt. (Er stellte meine Füße auf Felsengrund, Luther)
Preist den Herrn! Das ist das Zeugnis von David! Er hat die Tiefe durchlitten, gewartet und gebetet, zum Herrn gerufen in der Not und der Herr hat ihn wieder raus gezogen!
Gott hat sich geneigt! Welch großartiges Bild! Gott bückt sich vom Himmel herab! Er reicht in die Grube hinunter! Dahin, wo der Dreck ist!
„Eine Grube voll Schlamm und Kot“ Dafür haben wir heute auch eine Bezeichnung! Und genau da hinein reicht der erhabene Gott, der Schöpfer des Universums – aus Liebe zu uns!
In der heutigen Tageslosung fragt Gott:
Ist meine Hand nun so kurz geworden, dass ich sie nicht erlösen kann? oder ist bei mir keine Kraft, zu erretten? (Jes 50,2)
Und in meiner persönlichen Jahreslosung wird diese Frage beantwortet:
Siehe, des HERRN Hand ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könne, und seine Ohren sind nicht hart geworden, dass er nicht höre…. (Jes 59,1)
Seine Hand ist nicht zu kurz, um bis hinunter in unsere Grube zu reichen! Er macht sich die Finger schmutzig, um uns zu retten! Ja, Er lässt Seinen einzigen und liebsten Sohn, Jesus, an einem Kreuz für uns sterben. So tief lässt Gott sich herab, neigt Er sich zu den Menschen! Preist den Herrn!
Obwohl er Gott in allem gleich war und Anteil an Gottes Herrschaft hatte, bestand er nicht auf seinen Vorrechten. Nein, er verzichtete darauf und wurde rechtlos wie ein Sklave. Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und lebte als Mensch unter uns Menschen. Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz. (Phil 2,6-8)
So hat sich Gott zu uns geneigt, damit wir nicht in unserer ausweglosen Situation bleiben müssen!
Aber er hat mich herausgezogen und auf festen Boden gestellt. Jetzt haben meine Füße wieder sicheren Halt.
Es geht also bei unserer Gemeinde-Jahreslosung darum, dass wir bloß nicht aufgeben, sondern auch in scheinbar ausweglosen und bedrückenden Situationen, in denen sich einzelne oder Familien befinden, lernen auf den Herrn zu warten und zu Ihm zu rufen. Lernen, Hilflosigkeit auszuhalten und zuzulassen, um Hilfe zu bitten und Hilfe anzunehmen, Stolz zu überwinden, nichts mehr aus eigener Kraft schaffen zu wollen.
„Ich harrte des Herrn und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.“
Die Lydia-Gemeinde besteht dann aus einzelnen, die diese Erfahrung mit Gott machen und bezeugen können! „ICH harrte des Herrn“ und „Er neigte sich zu MIR und hörte MEIN Schreien!“ Gott will, dass jeder einzelne von uns ganz persönlich dieses Jahr in seiner Beziehung zu Gott wächst und diese Erfahrung machen kann!
Das erinnert uns an das Logo und Motto unserer Gemeinde: GOTT WILL

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1. Harre, meine Seele, Harre des Herrn! Alles ihm befehle, Hilft er doch so gern. Sei unverzagt! Bald der Morgen tagt, Und ein neuer Frühling Folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, In aller Not Wird er dich beschirmen, Der treue Gott. |
2. Harre, meine Seele, Harre des Herrn! Alles ihm befehle, Hilft er doch so gern. Wenn alles bricht, Gott verläßt uns nicht; Größer als der Helfer Ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, Rett auch unsre Seele, Du treuer Gott! |
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