Es gibt in der Bibel eine ganze Reihe Gebetstexte, Stellen, die uns Aufschluss darüber
geben, wie wir beten können und sollen. Friedhold Vogel, Evangelist und Beter, der Sprecher an unserer Pastorenkonferenz
2003 war und schön des öfteren in unserer Gemeinde in Hanau evangelisierte, hat in seinem Buch
"Mit Gott persönlich im Gespräch - Fünf Gebetsschritte in Gottes Gegenwart" den Vers aus Heb. 10,22
genommen, um einige ganz wesentliche Dinge zu erklären:
"so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und
los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser."(Vers 22)
Und anhand dessen diese 5 Schritte erklärt:
Der erste Schritt: „mit wahrhaftigem Herzen“
Der zweite Schritt: „in vollkommenem Glauben“
Der dritte Schritt: „besprengt in unseren Herzen“
Der vierte Schritt: „los von dem bösen Gewissen“
Der fünfte Schritt: „gewaschen am Leib mit reinem Wasser“
Darum wollen wir vor Gott hintreten mit offenem Herzen und in festem Glauben; unser Gewissen wurde ja von
aller Schuld gereinigt und unser Leib in reinem Wasser gewaschen. (Vers 22 aus Gute Nachricht)
„So lasst uns hinzutreten…“ = Auf ein Ziel hin ausgerichtete Bewegung! „Im Gebet bin ich in Bewegung. Ich
laufe, bildhaft gesprochen, zu Gott hin. Ich gehe auf Gott zu. Ich mache Schritte.“ Vgl.
Jak. 4,8: „Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch.“
Im Gebet treten wir in Gottes Gegenwart. Das ist das Ziel von Gebet: Begegnung mit Gott und Gemeinschaft mit
Gott! Und in diesen 5 Schritten zeigt uns Friedhold Vogel wie wir Gott begegnen können.
1. Wahrhaftigkeit – Authentisch sein vor Gott
2. Vertrauen – „…ohne Glauben ist’s unmöglich“
3. Weihe – „Nimm du mich ganz hin“
4. Befreiung – „…da bekannte ich dir meine Sünden“
5. Erfrischung – im Wasserbad des Wortes
1. Wahrhaftigkeit – Authentisch sein vor Gott
Der erste Schritt: „Lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen“
„Offenheit, Wahrheit, Lauterkeit, Echtheit, das sind die Eigenschaften, die Gott von uns erwartet, wenn wir
betend zu ihm kommen.“ (S. 44)
Wir dürfen und sollen so vor Gott kommen wie wir sind und wie uns zumute ist! Er ist unser Vater und freut
sich einfach, wenn wir mit Ihm Gemeinschaft haben und Kontakt aufnehmen. Gebet ist nicht Leistung, Performance
oder Show! Gebet ist ein ehrliches Gespräch unter 4 Augen!
Vogel warnt vor diesen Gebeten:
• Das Leistungs-Gebet – „Genügt es, wenn man morgens betet, oder muss man am Abend auch beten?“
• Das Lehr-Gebet – Der Beter spricht zu den Teilnehmern des Gebetstreffens und nicht zu Gott, er will
biblisches Wissen weitergeben!
• Das Korrektur-Gebet – In ein Gebet gekleidete Korrektur ist Missbrauch des Gebets!
• Das Angeber-Gebet – Das Gebet steht im Zentrum und nicht Gott!
• Das Nebenbei-Gebet – routinemäßige Gebete, mit den Gedanken ganz wo anders!
• Das Beruhigungs-Gebet – Das Gewissen ist beunruhigt, wenn man nicht betet. Es könnte ja alles schief
gehen ohne Gebet!
Nein, unser Gebet soll wahrhaftig sein, ehrlich, authentisch, echt:
• Wahrhaftiger Dank – eine von Herzen kommende Dankbarkeit, die im Gebet ihren Ausdruck findet
• Wahrhaftige Anbetung … ist nur dann möglich, wenn wir von Gott ergriffen sind, wenn wir über Gott,
über sein Wesen und sein Handeln staunen können, wenn wir hingerissen sind von seiner Liebe, wenn wir begeistert
sind von seinem Tun. Ohne Bewegung des Herzens gibt es keine wahrhaftige Anbetung! (S. 60)
• Wahrhaftige Fürbitte: Gefahr der Fürbittelisten ist Routine, floskelhaftes „herunterbeten“! Wahrhaftige
Fürbitte ist engagiertes Beten für jemanden; es ist gezieltes und permanentes Einstehen im Gebet für ein Anliegen!
Wie steht es um unsere Wahrhaftigkeit und Ernsthaftigkeit im Gebet? Zu dieser Prüfung können wir die Worte von
König David benutzen:
"Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich's meine."(Ps 139,23)
Gebet ist eine Herzenssache! Gebet drückt eine Beziehung aus. Gebet ist Gespräch!
2. Vertrauen – „…ohne Glauben ist’s unmöglich“
Der zweite Schritt: „Lasst uns hinzutreten in vollkommenem Glauben“
„Ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen!“ (Heb. 11,6)
Was heißt das?
• Vertrauen, dass Gott wirklich da ist!
Nach einer gesegneten Evangelisation betete eine Frau ganz bewegt und schloss mit den Worten: „Herr Jesus, es war
eine wunderbare Woche. Du hättest dabei sein sollen! Amen.“
“Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“(Mt. 28,20)
Glauben wir dieser großartigen Verheißung wirklich?
• Vertrauen, dass Gott mich jetzt wirklich hört!„Hörst Du eigentlich zu, Papa?“ Gott hört mich, wenn ich
aufrichtig bete!
• Vertrauen, dass Gott mich versteht!„Mich versteht ja doch keiner!“ Ich bin nicht allein und einsam,
unverstanden! Er kann sich in mich hineinversetzten. In Jesus ist Gott Mensch geworden – so wie ich es bin!
• Vertrauen, dass Gott seine Verheißungen erfüllt! In Matth. 18 steht: 19 Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es
ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. 20 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich
mitten unter ihnen.
• Vertrauen, dass Gott keinen Fehler macht! „Gott plant in unser Leben gelegentlich Ereignisse ein, die uns
zunächst rätselhaft erscheinen, die uns sinnlos und absurd vorkommen, die unser Leben scheinbar einengen und die
Lebensqualität vermindern.“ (S. 93) In all diesen Situationen dürfen wir wissen: Röm. 8,28 gilt auch hier: 28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss
berufen sind.
3. Weihe – „Nimm du mich ganz hin“
Der dritte Schritt: „Lasst uns hinzutreten besprengt in unseren Herzen“
„Es gibt kein wirkliches Gebet ohne Hingabe und es gibt keine echte Hingabe ohne Gebet“ (Bounds, Kraft durch Gebet)
Täglich neue Hingabe an Jesus Christus als geistlicher Start in einen neuen Tag: Geist, Seele und Leib!
Friedhold Vogel beschließt diese Weihezeit mit den Worten:
Herr Jesus Christus, ich gebe dir jetzt wieder das Recht, mich zu gebrauchen wo und wie du willst, ohne mich zu fragen.
Jeder Strom meiner Gedanken und jede Zelle meines Körpers soll dir zu Verfügung stehen. Ich möchte dir ungeteilt gehören.
Mache mit mir, was du willst.
Es geht hier um die Heiligung unseres Lebens! Wie im 1. Thess. Brief steht:
23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt,
untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus
Vogel beschreibt im Einzelnen, wie wir Geist, Seele und Leib Gott neu weihen können: Gottes Geist soll in unserem Geist
mehr Raum einnehmen! Sein Geist soll unseren Geist bestimmen, so dass dieser über Leib und Seele herrschen kann!
Die Seele vergleicht er mit einem Bungalow, bei dem es gilt, Gott die verschiedenen Räume zur Verfügung zu stellen:
1. Das Studierzimmer des Verstandes
- Das Gedächtnis: „Weihen Sie Gott Ihr Gedächtnis, damit es Wesentliches festhält und Unwesentliches vergisst!“
- Die Konzentrationsfähigkeit – damit Ihre Gedanken nicht spazieren gehen während Sie die Bibel lesen!
- Die Kombinationsfähigkeit – damit Sie tägliche Erlebnisse mit Gottes Wort kombinieren können
- Die Fantasie – Kreativität, Ideen, Einfallsreichtum
- Die Reaktionsfähigkeit – das rechte Wort im rechten Moment!
2. Der Konferenzraum des Willens
“Wir brauchen einen Willen, der mit dem Willen Gottes in Harmonie ist, einen Willen, der zur völligen Abhängigkeit
von Jesus bereit ist, der das bejaht, was Jesus gesagt hat: Ohne mich könnt ihr nichts tun! (Joh. 15.5)
, (S. 139)
“Es ist doch keine Frage, wer täglich neu seinen Willen Jesus Christus weiht, dessen Leben wird vom Gehorsam gegenüber
Gott geprägt. Und Gehorsam ist der Schlüssel zu allen Segnungen Gottes.“ (S. 142)
3. Das Wohnzimmer der Gefühle
Christen dürfen Gefühle haben!!! Emotionen gehören nicht nur auf den Fußballplatz! Jesus zeigte seine Gefühle: Er weint,
ist zornig, eifrig und engagiert! Er freut sich an Festen und in Gemeinschaft!
Auch den Körper gilt es immer wieder neu dem Herrn zu weihen: Die Augen, den Mund, die Ohren, Hände und Füße, die
inneren und äußeren Organe…
4. Befreiung – „…da bekannte ich dir meine Sünden“
Der vierte Schritt: „Lasst uns hinzutreten, los von dem bösen Gewissen“
„Ein böses Gewissen, ein anklagendes Gewissen, ein belastetes Gewissen wird immer eine Gebetsbarriere sein.“ (S. 159)
„Das Gewissen ist wie eine Alarmglocke, wie eine Sicherheitsanlage. Es meldet sich, es ertönt, wenn irgendetwas nicht
in Ordnung ist und es meldet sich besonders, wenn Sie beten und Sünde Ihr Leben belagert.“ (S. 162)
Hier wollen wir uns vor Gott überprüfen, wo es gilt, Sünde vor Gott zu bringen, zu bekennen und zu bereuen. Dazu einige
Hilfen:
• Werde ich schnell ärgerlich?
• Habe ich Bitterkeit und Ablehnung im Herzen?
• Bestimmt mich ein Geist der Kritik?
• Möchte ich immer im Mittelpunkt stehen?
• Rede ich oft leichtsinnig und unbedacht?
• Nähre ich unsaubere Gedanken?
• Betrachte ich meinen Besitz als Eigentum oder als anvertraute Gabe Gottes?
Hier gilt es immer wieder neu Buße zu tun, d.h. einen umzukehren, mich bewusst von der Sünde loszusagen und um
Vergebung zu bitten!
9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns
von aller Ungerechtigkeit
5. Erfrischung – im Wasserbad des Wortes
Der fünfte Schritt: „Lasst uns hinzutreten, gewaschen am Leib mit reinem Wasser“
Hier ist die Reinigung vom „Staub des Alltags“ gemeint, von Sorgen, Hektik, Unruhe, Gedankenlosigkeit,
nebensächlichen Gesprächen, Zerstreutheit, sinnlosen Träumereien usw. In Joh 15,3 sagt Jesus zu Seinen Jüngern:
"Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe."
Und im Epheserbrief schreibt Paulus über die Gemeinde:
Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er 27 sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei
und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. (Eph. 5, 26-27)
Das Wort Gottes, das, was wir in der Bibel lesen, hat also eine reinigende und damit erfrischende Wirkung! Wir dürfen
uns unter die „Dusche“ des Wortes Gottes stellen! Wir dürfen uns im Wort Gottes „baden“, mit den Worten der Bibel
waschen!
Wenn wir im fünften Gebetsschritt nach der Bibel greifen und Gottes Wort lesen, dann werden wir erfrischt! Frische
Christen braucht die Welt. Menschen, die anziehend sind. Die Freude und Hoffnung in die Familien, in Betriebe, Universitäten, Schulen und Krankenhäuser
tragen. Es gibt überall so viel Staub – Ärger, Spannungen, Mobbing, Stress, Angst und Langeweile. (S. 177)
Friedhold Vogel ermutigt uns, mit der geöffneten Bibel zu beten. „Das ist das hörende Beten, das Beten, das darauf
reagiert und antwortet, was Gott gerade zu Ihnen gesagt hat!“ (S. 182)
Ich möchte das ganz neu erleben in diesem Jahr, in dem das Gebet für uns in der Lydia-Gemeinde
ein besonderer Schwerpunkt ist: Wir wollen Gott nahen, auf Ihn zugehen, in Bewegung kommen und nicht still stehen!
• Mit aufrichtigem Herzen vor Ihn kommen
• Ihm immer mehr und in allen Lagen vertrauen, Seinem Wort glauben
• Uns Ihm neu hingeben: Geist, Seele und Leib. HEILIG DEM HERRN!
• Sünden bekennen und uns abwaschen lassen vom „Staub des Alltags“
• Erfrischung und Erneuerung durch das Wasserbad des Wortes erfahren!