„Wenn Mütter beten…,

was Eunike für Timotheus tat“ (2. Tim 1,5)

 

Predigt in der Lydia-Gemeinde zum Muttertag am 8. Mai 2005

 

Predigtserie über das Gebet, Teil IV

 

von Thomas Vollenweider

 

 

EINLEITUNG:

 

Die Freiheitsstatue ist nicht nur ein Wahrzeichen New Yorks, sondern ein Symbol für ganz Amerika. Die Franzosen schenkten dem amerikanischen Volk die Lady Liberty zum 100 jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit. Sie wurde dann am 28. Oktober 1886, mit 10 Jahren Verspätung, eingeweiht.

Der französische Bildhauer Bartoldi hat die Statue entworfen, die vom Boden bis zur Spitze der Fackel-Flamme 93 Meter hoch ist. Als es darum ging, ein Modell zu finden und er von allen Seiten gute Ratschläge bekam und er alle möglichen großartigen Frauen der Geschichte studiert hat, hat er am Ende seine eigene Mutter als Modell für diese gewaltige Statue gewählt!

·        Mutter ist das Wort für Gott auf den Lippen und in den Herzen von kleinen Kindern. (William Makepeace Thackeray, 1811 - 1863)

 

·        Weil Gott nicht alles allein machen wollte, schuf er die Mütter. (Persische Weisheit aus dem 11. Jahrhundert)

 

·        Eine Mutter ist der einzige Mensch auf der Welt; der dich schon liebt, bevor er dich kennt. (Unbekannt)

 

·        Meine Mutter hatte einen Haufen Ärger mit mir, aber ich glaube, sie hat es genossen (Mark Twain, 1835 - 1910)

 

·        Hat deine Mutter für dich gekocht, dann . Hat sie für dich geplant, dann weigere dich. (Aus dem Niger)

 

Seine Mutter hat an ihn geglaubt!

 

Als Junge arbeitete er lange Stunden in einer Fabrik in Neapel. Aber sein Traum war es, Sänger zu werden. Mit 10 Jahren nahm er seine erste Gesangsstunde. Das Urteil seines Lehrers war niederschmetternd: „Du kannst überhaupt nicht singen, denn Du hast keine Stimme. Deine Stimme klingt wie der Wind in den Rollläden“. Seine Mutter hingegen hatte eine Vision von der Größe ihres Sohnes. Sie glaubte daran, dass er ein Talent im Singen hat. Aber sie war sehr arm. Sie legte ihren Arm um den Jungen und sagte aufmunternd: „Mein Junge, ich werde jedes Opfer bringen, damit Du auch weiterhin Gesangsunterricht nehmen kannst!“ Ihr Glaube an ihn und ihre Zuversicht, dass er es schaffen würde, haben sich ausbezahlt. Dieser Junge wurde einer der größten Sänger, die es je gab: Enrico Caruso!

 

Diese Predigt möchte ich meiner Mutter und meinen beiden Großmüttern widmen. Ich habe ihnen sehr viel zu verdanken! Ohne die Liebe und Gebete meiner Mutter wäre ich nicht das geworden, was ich heute bin. Von ihr habe ich die Liebe zu den Bergen und zu den Blumen bekommen, aber auch zu den Tieren – und zu den Menschen J!

 

è Heute ehren wir die Mütter der Gemeinde: Angelika, Angelika, Bettina, Biggi, Birgit, Britta, Christine, Claudia, Dagmar, Edith, Irene, Karola, Karin, Marie-Luise, Valja. Habe ich noch jemanden vergessen? 15 Mütter mit insgesamt 43 Kindern!

 

„Wenn Mütter beten…“

 

Diese Ausländerin, von der wir im Matthäus-Evangelium lesen, ist uns zum Vorbild fürs eindringliche Gebet geworden. Es ist das Gebet einer Mutter für ihre Tochter!

Mt 15,21    Jesus hilft einer Ausländerin
Danach verließ Jesus diese Gegend und wanderte bis in die Gegend der Städte Tyrus und Sidon.

Mt 15,22    Dort begegnete ihm eine nichtjüdische Frau, die ihn anflehte: «Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem bösen Geist furchtbar gequält.»

 

So dürfen Mütter zu Jesus kommen und um ihre Kinder flehen: Um Bewahrung und Schutz, um Heilung und Befreiung, um Rettung und Heil!

 

Sie hat dem Telegramm nicht geglaubt!

 

Viele Jahre lang hat die Mutter von Tom Carter für ihren Sohn gebetet, dass er zum lebendigen Glauben an Jesus kommt. Inzwischen war er im Gefängnis gelandet und es sah nicht gut aus für ihn. Eines Tages bekam sie ein Telegramm mit der Mitteilung, dass ihr Sohn verstorben sei. Sie nahm dieses Telegramm und legte es auf ihre geöffnete Bibel. Hatte sie nicht vom Herrn die Verheißung bekommen, dass Tom errettet würde?! Wem sollte sie jetzt glauben? Gottes Wort oder diesem Telegramm. Sie griff zum Hörer und rief im Gefängnis an. Sie sagte: „Es muss ein Fehler passiert sein. Mein Sohn ist nicht tot.“ Und tatsächlich – es gab zwei Gefangene, die Tom Carter hießen – und der andere war verstorben! Kurz darauf kam ein Brief von Tom, in dem er seiner Mutter sagt, dass er sich bekehrt hat. Später wurde er ein bekannter Prediger und Evangelist.

 

è In der Bibel können wir vielen Müttern lesen, ihren Sorgen und Freuden, ihren Gebeten und Aufgaben:

 

·        Von Sara und ihrem späten Mutterglück

 

1Mo 21,6   Sara rief: «Gott läßt mich wieder lachen! Jeder, der das erfährt, wird mit mir lachen!

1Mo 21,7   Denn kein Mensch konnte sich vorstellen, daß ich in meinem Alter noch Mutter werde! Abraham hat Jahrzehnte darauf warten müssen, aber jetzt habe ich ihm einen Sohn geboren!»

 

·        von Hanna, deren Trübsal der Herr gnädig ansah

 

1Sam 2,1  Hannas Loblied
Hanna sang ein Loblied: «Der Herr erfüllt mein Herz mit großer Freude, er richtet mich auf und gibt mir neue Kraft! Laut lache ich über meine Feinde und freue mich über deine Hilfe!

1Sam 2,2  Niemand ist so heilig wie du, denn du bist der einzige und wahre Gott. Du bist ein Fels, keiner ist so stark und unerschütterlich wie du.

 

·        Von Hagar und Ismael, die in die Wüste geschickt werden

·        Von den beiden Müttern, die um einen toten Säugling streiten und vor Salomo stehen

·        Von Elisa, der den Jungen seiner Gastgeberin von den Toten auferweckt

 

·        von Elisabeth und Maria, die Gott in besonderer Weise auserwählt hat

 

Lk 1,41      Als Elisabeth die Stimme Marias hörte, bewegte sich das Kind in ihr, und - erfüllt vom Heiligen Geist - rief sie:

Lk 1,42      «Dich hat Gott gesegnet, mehr als alle anderen Frauen, dich und dein Kind!

Lk 1,43      Womit habe ich verdient, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt!

Lk 1,44      Als ich deine Stimme hörte, hüpfte das Kind in mir vor Freude.

Lk 1,45      Wie glücklich kannst du sein, weil du geglaubt hast! Was Gott dir angekündigt hat, wird geschehen.»

Lk 1,46      Da lobte Maria Gott: «Von ganzem Herzen preise ich den Herrn.

Lk 1,47      Ich bin glücklich über Gott, meinen Retter.

Lk 1,48      Er hat mich - eine geringe und unbedeutende Frau - zu Großem berufen. Zu allen Zeiten wird man mich glücklich preisen,

Lk 1,49      denn Gott hat große Dinge an mir getan, er, der mächtig und heilig ist!

 

Aber von allen Mutter-Kind-Geschichten in der Bibel finde ich diese die schönste:

 

2Mo 2,1     Mose wird geboren
Ein Mann vom Stamm Levi heiratete eine Frau aus demselben Stamm.

2Mo 2,2     Sie wurde schwanger und bekam einen Sohn. Als sie sah, wie schön der Junge war, hielt sie ihn drei Monate lang versteckt.

2Mo 2,3     Doch schließlich konnte sie ihn nicht mehr verbergen. Sie nahm einen Korb aus Schilfrohr und dichtete ihn mit Erdharz und Pech ab. Dann legte sie das Kind hinein und setzte es im Schilf am Nilufer aus.

2Mo 2,4     Die Schwester des Jungen blieb in einiger Entfernung stehen, um zu beobachten, was mit ihm geschehen würde.

2Mo 2,5     Irgendwann kam die Tochter des Pharaos zum Baden an den Fluß. Ihre Dienerinnen gingen am Ufer hin und her und warteten. Plötzlich entdeckte die Tochter des Pharaos den Korb im Schilf. Sie schickte eine Dienerin hin und ließ ihn holen.

2Mo 2,6     Als sie den Korb öffnete, sah sie den weinenden Jungen darin liegen. Sie bekam Mitleid und sagte: «Das ist bestimmt eins von den hebräischen Kindern.»

2Mo 2,7     Da ging die Schwester des Jungen zu ihr und erzählte: «Ich kenne eine hebräische Frau, die gerade stillt. Soll ich sie rufen? Dann kann sie das Kind für dich stillen.»

2Mo 2,8     «Ja, ruf sie her!» antwortete die Tochter des Pharaos. Und so lief das Mädchen los und holte seine Mutter.

2Mo 2,9     Die Tochter des Pharaos forderte die Frau auf: «Nimm dieses Kind mit, und still es für mich! Ich werde dich dafür bezahlen.» Da nahm die Frau ihren Sohn wieder zu sich und stillte ihn.

2Mo 2,10   Als das Kind größer wurde, brachte sie es zur Tochter des Pharaos, die es als ihren eigenen Sohn annahm. «Ich habe ihn aus dem Wasser geholt», sagte sie, und darum nannte sie ihn Mose a.
[a] Der Name Mose klingt im Hebräischen so ähnlich wie das Wort für «herausziehen».

 

Hinweis: Mose kam aus dem Stamm Levi (2. Mose 2,1f.;6,20); er war der jüngere Bruder Mirjams und Aarons (7,7). Auffallenderweise werden die Eltern M.s- Amram und Jochebed-entgegen allen atl. Gepflogenheiten (vgl. Ri 9,1; 1. Sam 1,1.20-23;9,1f.;16,1; Jes 1,1; Jer 1,1 u.a.) zunächst nicht mit Namen genannt.

 

è Im Neuen Testament haben wir auch ein sehr schönes und eindrückliches Beispiel, wie Gott über Generation hinweg Segen und Prägung weitergeben möchte und wie gerade auch die Mütter hier gefragt sind!

 

Paulus, der ja selber keine Kinder hatte, bekam ein besonders inniges Verhältnis zu Timotheus, der sein Sohn im Glauben war. Das können wir seinen beiden Briefen entnehmen. So lesen wir z.B.

 

2Tim 1,1    Der zweite Brief des Paulus an Timotheus
Anschrift und Gruß
Diesen Brief schreibt Paulus, den Gott zum Botschafter Jesu Christi bestimmt hat. In Gottes Auftrag verkündige ich das ewige Leben, wie es uns durch Jesus Christus geschenkt wird.

2Tim 1,2    Ich grüße dich, lieber Timotheus. Du bist mir lieb wie ein eigener Sohn, und ich wünsche dir Gnade, Barmherzigkeit und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.

2Tim 1,3    Gott hat uns viel gegeben
Immer, Tag und Nacht, danke ich Gott, wenn ich für dich bete. Ihm diene ich mit allem, was ich bin und habe,a so wie es schon meine Vorfahren getan haben.
[a] Wörtlich: mit reinem Gewissen

2Tim 1,4    Wenn ich an deine Abschiedstränen denke, dann sehne ich mich danach, wieder bei dir zu sein. Darüber würde ich mich sehr freuen.

2Tim 1,5    Denn ich erinnere mich sehr gern daran, wie aufrichtig und überzeugend dein Glaube ist; genauso war es schon bei deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike. Ich weiß, dass dieser Glaube auch in dir lebt.

2Tim 1,6    Darum bitte ich dich: Laß Gottes Gabe voll in dir wirksam werden. Du hast sie bekommen, als ich dir segnend die Hände auflegte.

2Tim 1,7    Denn Gott hat uns seinen Heiligen Geist gegeben. Und das ist kein Geist der Furcht, sondern ein Geist, der uns mit Kraft, Liebe und Selbstüberwindung erfüllt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Elisabeth Louise Vigee Le Brun, französiche Malerin und Mutter (1755-1842):

Selbstportrait mit Tochter

 

 

Timotheus begleitete Paulus und Silas auf der 2. Missionsreise; in Phil 2,20 stellt ihm Paulus ein ausgezeichnetes Zeugnis aus:

 

Phil 2,20    Mit niemandem bin ich im Glauben so verbunden wie mit Timotheus, und kein anderer wird sich so um euch kümmern wie er.

 

Er hebt seine Uneigennützigkeit und Treue hervor. In sechs Briefen des Paulus wird er als Mitabsender erwähnt. In seiner letzten Gefangenschaft bittet Paulus ihn, möglichst schnell zu ihm zu kommen (2.Tim 4,9).

 

è Wir können uns doch vorstellen wie seine gläubige Mutter Eunike und seine Großmutter Lois, solange sie noch lebte, für Timotheus gebetet haben. Wie sie sich in seiner Kindheit und Jugend in ihn investiert hatten! Und das hat sich gelohnt!

 

Ich möchte damit unseren Müttern hier in der Lydia-Gemeinde Mut machen, sich in ihre Kinder zu investieren, im Gebet und Segnen dran zu bleiben, an sie und ihre Gaben und Möglichkeiten zu glauben und das ihnen auch zu zeigen! Der Herr wird Euch dazu Kraft, Kühnheit und Ausdauer schenken! Es gibt nichts wichtigeres auf der Welt als diese Aufgabe, die der Herr Euch anvertraut!

 

 

Wenn Mütter beten…

 

Wie meine Großmutter Gott um einen Weihnachtsbaum für ihre 4 Kinder bat: Aus der Autobiographie meines Vaters!

 

Und auf dem Sterbebett: „Weißt Du, Paul, vor 10 Jahren wäre ich auch bereit gewesen, meinem Heiland zu begegnen, aber ich durfte noch 10 Jahre weiter beten für meine vier Kinder.“

 

* Und jetzt, 40 Jahre später, ist auch die jüngste Schwester meines Vaters zum lebendigen Glauben gekommen!

 

Wenn Mütter beten…können Wunder geschehen!

Wenn Mütter beten…kann Gottes Plan im Leben der Kinder geschehen!

Wenn Mütter beten…bekommen sie selber Trost und Kraft!

Wenn Mütter beten…verändern sich Umstände an der Schule!

 

Mütter in Kontakt

Wir Mütter sind aufgerufen zum Gebet:

Wir sind eine überkonfessionelle Bewegung von Müttern, die überzeugt sind, dass Gott durch unsere Gebete Menschen und Situationen verändert. Verteilt über die ganze Welt treffen sich Frauen in kleinen Gruppen von mindestens zwei Personen. Gemeinsam verbringen sie eine Stunde pro Woche im Gebet. Ihre Fürbitte gilt ihren Kindern, deren Lehrern und Schulen. Es treffen sich Mütter und Großmütter und Personen, denen ein Kind oder eine Schule am Herzen liegen.

Es ist ihre Überzeugung, dass das Gebet etwas bewirkt!

Die Absicht von "Mütter in Kontakt" ist..

Unsere Kinder durch gezieltes Gebet zu unterstützen.

Für Lehrer und Schulleitung, -behörde und Schüler zu beten.

Zu beten, dass unsere Schulen nach biblischen Massstäben geführt werden.

Ein positiver, unterstützender Einfluss in unseren Schulen zu sein.

Mütter zu unterstützen und zu ermutigen, die um ihre Kinder besonders besorgt sind.

 

Amen.