„Sollen wir Gott nerven? –
Was ist Fürbitte?“
Predigt in der Lydia-Gemeinde am 24. April 2005
Predigtserie über das Gebet, Teil III
von Thomas Vollenweider
Ein Junge sagt zu seinen Eltern: „Ich werde gleich zu Gott beten. Braucht ihr noch was?“
Was ist eigentlich Fürbitte? Braucht Gott unsere Gebete?
Weiß Er nicht eh alles? Müssen wir Ihm das vortragen? Nerven wir Ihn vielleicht
dabei? Sollen wir Gott nerven? – Das sind einige der Fragen, die uns heute
Morgen beschäftigen.
Die Bibel erzählt uns dazu eine eindrückliche Geschichte: 1.
Mose 18, 16-33
Abraham bittet für Sodom und Gomorra!
1Mo 18,23 Abraham
trat näher heran und fragte: «Willst du wirklich Unschuldige und Schuldige
zusammen vernichten?
1Mo 18,24 Vielleicht
findest du ja fünfzig Leute in der Stadt, die nichts Böses getan haben und dir
dienen. Willst du die Stadt nicht um ihretwillen verschonen?
1Mo 18,25 Es wäre
unrecht von dir, Sodom ganz zu vernichten! Denn dann tötest du ohne Unterschied
den Schuldlosen und den Schuldigen und behandelst beide gleich. Das wäre nicht
recht! Du bist der Richter der ganzen Welt und willst gegen die Gerechtigkeit
verstoßen?»
1Mo 18,26 Da
erwiderte der Herr: «Wenn ich in Sodom fünfzig Unschuldige finde, werde ich um
ihretwillen den ganzen Ort verschonen.»
1Mo 18,27 Abraham
aber ließ nicht locker: «Ich habe es nun einmal gewagt, mit dem Herrn zu
sprechen, obwohl ich nur ein vergänglicher Mensch bin.
1Mo 18,28 Angenommen,
es gibt bloß fünfundvierzig Menschen, die kein Unrecht getan haben - willst du wegen
der fehlenden fünf die ganze Stadt zerstören?» «Nein», sagte der Herr, «wenn
ich fünfundvierzig finde, verschone ich die Stadt.»
1Mo 18,29 Abraham
tastete sich noch weiter vor: «Und wenn es nur vierzig sind?» Der Herr
versprach: «Auch dann vernichte ich die Stadt nicht.»
1Mo 18,30 «Bitte
werde nicht zornig, wenn ich weiterrede», bat Abraham, «vielleicht gibt es nur
dreißig dort?» «Selbst dann werde ich es nicht tun.»
1Mo 18,31 Abraham
setzte zum fünften Mal an: «Ich habe es nun einmal gewagt, Herr, mit dir zu
reden! Angenommen, es sind nur zwanzig?» Und der Herr sprach: «Dann werde ich
die Stadt trotzdem verschonen.»
1Mo 18,32 «Mein
Herr», sagte Abraham, «bitte werde nicht zornig, wenn ich zum Schluß noch einmal spreche: Was wirst du tun, wenn dort nur
zehn unschuldige Menschen wohnen?» Wieder antwortete der Herr: «Die zehn werden
verschont bleiben und ebenso die ganze Stadt.»
Hier ist ein Mann der Fürbitte, der bis an die Grenzen des
Möglichen geht. Er bittet für eine gottlose und okkult belastete Stadt. Und er
tut es mit Leidenschaft und Liebe zu den Verlorenen. Er bittet und bettelt, er
feilscht und handelt, er nervt…Das ist konsequente, eindringliche Fürbitte!
Durch diese Fürbitte wurde zwar nicht Sodom und Gomorra verschont, aber es
wurden Abraham’s Neffe Lot und seine beiden Töchter
gerettet.
„Bitten heißt Betteln“
(Oswald Chambers)
è Es gibt diese beiden Seiten der Wahrheit beim Beten:
Beides ist richtig und wahr. Zum
ersten Punkt sagt Jesus in der Bergpredigt:
Mt 6,7-8 Leiere deine Gebete nicht herunter wie
Leute, die Gott nicht kennen. Sie meinen, Gott würde schon antworten, wenn sie
nur viele Worte machen. Nein, euer
Vater weiß genau, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn um etwas bittet.
Das ist die eine Seite! Auf der anderen Seite sollen wir
Gott unsere Bitten vortragen, und nicht nur einmal. Das geht aus mehreren
Stellen im NT hervor! So z.B. in diesem Gleichnis:
Um Mitternacht klopft ein Mann an der Haustür seines
Freundes an. Er ist auf der Durchreise, kommt völlig überraschend,
unangemeldet. Der Freund öffnet. Erstaunen, Umarmung – eine herzliche
orientalische Begrüßung. Inzwischen wachen alle im Hause auf. Die Öllampen
werden angezündet. Die Schlafmatten zusamengerollt.
Jetzt muss gefeiert werden. Die Frau deckt den Tisch. Der Gastgeber eilt in die
Speisekammer – und stellt mit Entsetzen fest, dass
kein Brot mehr da ist…(s. Friedhold
Vogel in „Das Abenteuer der Fürbitte“)
Lk 11,5 Dann sagte Jesus zu den Jüngern: «Stellt
euch vor, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht geht er zu ihm,
klopft an die Tür und bittet ihn: `Leihe mir doch bitte drei Brote.
Lk 11,6 Ich habe unerwartet Besuch bekommen und
nichts im Haus, was ich ihm anbieten könnte.'
Lk 11,7 Vielleicht würde der Freund dann
antworten: `Stör mich nicht! Ich habe die Tür schon abgeschlossen und liege im
Bett. Außerdem könnten die Kinder von dem Lärm wach werden. Ich kann jetzt
nicht aufstehen und dir etwas geben.'
Lk 11,8 Das sage ich euch: Wenn er schon nicht
aufstehen und dem Mann etwas geben will, weil er sein Freund ist, so wird er
schließlich doch aus seinem Bett steigen und ihm alles Nötige geben, weil der
andere ihm einfach keine Ruhe läßt.
Und was will Jesus mit dieser ungewöhnlichen Geschichte
sagen?
Lk 11,9 Darum sage ich euch: Bittet Gott, und er
wird euch geben. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, dann wird euch die
Tür geöffnet.
Lk 11,10 Denn wer bittet, der wird bekommen. Wer
sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet.
Aus diesem Zusammenhang müssten wir eigentlich lesen:
Lk 11,9 Darum sage ich euch: Bittet Gott (für andere), und er wird euch geben.
Sucht (für andere), und ihr werdet
finden. Klopft an (für andere), dann
wird euch die Tür geöffnet. Denn wer (für
andere) bittet, der wird bekommen. Wer (für
andere) sucht, der findet. Und wer (für
andere) anklopft, dem wird geöffnet.
Gebet bewegt den Arm
Gottes. (Unbekannt)
Gott möchte durch die
Fürbitte von Christen handeln. (Oswald Chambers)
Es klingt unsinnig,
wenn man sagt, Gott würde etwas tun, weil jemand betet, aber Gott selbst hat
gesagt, dass er so handelt. (Oswald Chambers)
Fürbitte ist unser Auftrag! Paulus ermahnt die Gemeinde in
Ephesus:
Eph 6,18 Hört nie auf, zu bitten und zu beten! Gottes
Heiliger Geist wird euch dabei leiten. Bleibt wach und bereit. Bittet Gott
inständig für alle Christen in der Welt.
Eph 6,19 Betet auch für mich, damit Gott mir zur
rechten Zeit das rechte Wort gibt und ich überall das Evangelium von Jesus
Christus frei und offen verkündigen kann.
Eph 6,20 Auch hier im Gefängnis will ich das tun.
Betet darum, daß ich auch in Zukunft diese Aufgabe
mutig erfülle, so wie Gott sie mir aufgetragen hat. (HfA)
1Tim
2,1 So ermahne ich euch nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte
und Danksagung für alle Menschen, (Luther)
1Tim
2,1 Sorge vor allem und zuerst dafür, daß die Gemeinde nicht aufhört zu beten. Betet für alle
Menschen auf dieser Welt und dankt Gott. (HfA)
WAS IST FÜRBITTE?
Fürbitte ist eine Bitte an Gott für andere. In der Fürbitte
wende ich mich für andere an Gott!
Beten heißt:
Priesterlich für den Bruder eine Brücke schlagen, auf der er heimkehren kann
zum Vater. (Mutter Bisilea Schlink)
è Im Englischen heißt Fürbitte „Intercession“, also in etwa „dazwischen
stehen“. Das beschreibt genau die Stellung des Fürbitters. Der Fürbitter steht
zwischen dem Menschen, für den er betet, und Gott, zu dem er betet. Damit nimmt
der Fürbitter eine wichtige geistliche Vermittlerfunktion ein. Er wird zum
Brückenbauer! Dieses Bild verdeutlicht uns:
Fürbitten heißt:
jemanden einen Engel senden. Martin Luther (1483 - 1546),
Apg 12,5 Aber die Gemeinde in
Jerusalem hörte nicht auf, Gott um Hilfe für den Gefangenen zu bitten.
Apg 12,7 Plötzlich
betrat ein Engel des Herrn die Zelle, und Licht erfüllte den Raum. Der Engel
weckte Petrus und sagte zu ihm: «Steh schnell auf!» Sofort fielen Petrus die
Ketten von den Handgelenken.
Einige praktische Tipps zur Fürbitte:
Was ist das A und das O bei der Fürbitte? Es ist die
lebendige und herzliche Beziehung zum Vater (geistliches Vitamin B) und unsere
Liebe zu den Menschen, für die wir beten (Leidenschaft).
Beispiele dafür wie wir jemanden (im Gebet) zu Jesus bringen
können:
Lk 5,18 Da brachten einige Männer einen Gelähmten
auf einer Trage. Sie versuchten, sich durch die Menge zu drängen und den
Kranken zu Jesus zu bringen.
Lk 5,19 Aber das war unmöglich. Die vielen
Menschen ließen sie nicht durch. Kurzentschlossen
stiegen sie auf das Dach, deckten die Ziegel ab und ließen den Mann auf seiner
Trage durch die Öffnung zu Jesus hinunter.
Lk 5,20 Als Jesus sah, wie groß ihr Glaube an ihn
war, sagte er zu dem Gelähmten: «Deine Sünden sind dir vergeben!»
In der Fürbitte bringen wir den Bedürftigen zu Jesus –
engagiert, konsequent, aufdringlich, leidenschaftlich! Warum? Weil es uns
wichtig ist und weil wir wissen, dass Jesus heilt, hilft, Sünden vergibt und
rettet!
è Praktische Übung: Kleine
Gebetsgruppen bilden und füreinander beten!
2-3Namenszettel ziehen – Nachfragen:„Ich
werde für dich beten. Brauchst du noch was?“ od. anrufen/Karte schreiben –
bei jemandem nachfragen, der diese Person kennt!
Lasst uns beten! Und – keine Sorge: Gott lässt sich gerne
nerven! AMEN.