„Bittet Gott,
und Er wird…!?
Was Gebet
bewirkt“
Predigt in der Lydia-Gemeinde am 10. April 2005
Predigtserie über das Gebet, Teil II
von Thomas Vollenweider
Heute geht es darum, dass wir uns Gedanken machen über das,
was eigentlich geschieht, wenn wir beten! In der Bergpredigt sagt Jesus:
Mt 7,7 «Bittet Gott, und er wird euch geben!
Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, dann wird euch die Tür geöffnet!
Mt 7,8 Denn wer bittet, der wird bekommen. Wer
sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet.
Mt 7,9 Wenn ein Kind seinen Vater um ein Stück
Brot bittet, wird er ihm dann einen Stein geben?
Mt 7,10 Wenn es um einen Fisch bittet, wird er
ihm etwa eine giftige Schlange anbieten?
Mt 7,11 Wenn schon ihr
hartherzigen, sündigen Menschen euern Kindern Gutes gebt, wieviel
mehr wird euer Vater im Himmel denen gute Gaben schenken, die ihn darum bitten!
Wer bittet, der wird bekommen. Wer sucht,
der findet. Und wer anklopft,
dem wird geöffnet.
Ich darf mal etwas provokativ fragen: Ist das wirklich so? Ist das Eure Erfahrung? Was stimmt dann jetzt: Gottes Wort oder unsere Erfahrung?
Was wird Er uns geben? Was werden wir finden? Und welche Tür wird uns geöffnet? Wir bekommen nicht immer das, worum wir bitten, aber das bedeutet nicht, dass wir nichts bekommen! Wir finden nicht immer das, wonach wir suchen, aber das heißt nicht, dass wir nichts finden! Und Gott öffnet uns manchmal Türen, an die wir nicht geklopft haben, während wir vor anderen lange warten und sie zu bleiben.
Und genau das macht vielen von uns zu schaffen! Wir rufen dann manchmal ganz verzweifelt und frustriert aus, wie Hiob es schon tat:
Hiob
12,4 Früher hat Gott meine
Gebete erhört. Er gab mir Antwort, wenn ich zu ihm rief.
Warum ist das so? Warum erhört Gott nicht alle unsere Gebete?
Gott erhört nicht
jedes Gebet von Christen. Er sagt dann nein, wenn sich das Gebet nicht
mit seinen Zielen verträgt, und diese sind seine Ehre und das (langfristige)
Wohl des Christen. Je mehr wir diese Ziele zu unseren eigenen machen und uns
von Gott auch den Weg zu diesen Zielen zeigen lassen, desto mehr können wir im
Einklang mit Gottes Willen und Plan beten und somit auch erhörlich
beten. (aus www.nikodemus.net)
Was geschieht eigentlich, wenn wir beten? Wie wirkt Gebet? Was bewirkt unser Beten?
1.
Ein Positionswechsel

1Petr
5,7 Alle Sorge
werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.
Im Gebet lösen sich nicht alle Probleme, aber im Gebet löse ich mich
von allen Problemen. Unbekannt
Indem ich mich an Gott wende im Gebet, gewinne ich Distanz zu meiner Situation. Ich lerne, Dinge und Personen aus Gottes Sicht zu sehen. Gebet öffnet die Tür vom Diesseits zum Jenseits, vom Zeitlichen zum Ewigen, vom Natürlichen zum Übernatürlichen.
Gott hat es so eingerichtet, dass Beten auf der Grundlage der Erlösung die Sichtweise eines Menschen ändert. (Oswald Chambers)
Im Gebet geschieht etwas Wunderbares: Wir begeben uns – bewusst oder unbewusst – in den Einfluss- und Segensbereich Gottes, suchen Zuflucht bei dem Ewigen und Unwandelbaren, bringen Ihm alles, was uns beschäftigt und belastet und erfahren Trost, Beruhigung und Hilfe. Wir haben unsere Position gewechselt, unseren Blick zu Gott erhoben. So gewinnen wir wieder Perspektive und Vision für unser Leben!
2.
Ein Erziehungsvorgang
Mt 7,9 Wenn ein Kind seinen Vater um ein Stück
Brot bittet, wird er ihm dann einen Stein geben?
In dieser Illustration, die Jesus gebraucht, bittet ein gutes Kind um eine gute Sache. Wir sprechen oft übers Gebet also ob Gott uns unabhängig von unserer Beziehung zum Ihm erhört. Aber dem ist nicht so! Im Gegenteil: Unsere Beziehung zu Ihm und unser Gehorsam sind Schlüsselelemente für Gebete, die Er erhört!
Joh 16,23b Ich versichere euch: Wenn ihr den Vater
in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch geben.
Joh 16,24 Bisher habt ihr in meinem Namen nichts
von Gott erbeten. Bittet ihn, und er wird es euch geben. Dann wird eure Freude
vollkommen sein.»
Es besteht also eine ganz konkrete Beziehung zwischen Gebetserhörungen und unserem Wandel, zwischen Glauben und Gehorsam. Das sollte uns auch klar sein!
Ps 143,10 Hilf mir, so zu leben, wie du es willst,
denn du bist mein Gott! Führe mich durch deinen guten Geist! Dann werde ich
erleben, wie du mir Hindernisse aus dem Weg räumst.
Und im Neuen Testament erinnert uns der Apostel Johannes daran, wenn er sagt:
1Jo 3,21 Kann uns also
unser Gewissen nicht mehr verurteilen, meine Lieben, dann dürfen wir voller
Freude und Zuversicht zu Gott kommen.
1Jo 3,22 Er wird uns
geben, worum wir ihn bitten; denn wir gehorchen seinen Geboten und leben, wie es
ihm gefällt.
1Jo 3,23 Und so lautet
Gottes Gebot: Wir sollen an seinen Sohn Jesus
Christus glauben und einander so lieben, wie Christus es uns aufgetragen hat.
Mt 6,14 Euer Vater im
Himmel wird euch vergeben, wenn ihr den Menschen vergebt, die euch Unrecht
getan haben. Wenn ihr ihnen aber nicht vergeben wollt, dann wird euch Gott eure
Schuld auch nicht vergeben.»
Auch in der Bergpredigt macht Jesus das noch einmal deutlich und erklärt:
Mt 5,22 Doch ich sage euch: Schon wer auf seinen
Bruder zornig ist, den erwartet das Gericht. Wer zu seinem Bruder `Du Idiot!'
sagt, der wird vom Obersten Gericht abgeurteilt werden, und wer ihn verflucht,
dem ist das Feuer der Hölle sicher.
Mt 5,23 Wenn du während des Gottesdienstes ein
Opfer bringen willst und dir fällt plötzlich ein, daß
dein Bruder etwas gegen dich hat,
Mt 5,24 dann laß dein
Opfer liegen, gehe zu deinem Bruder und versöhne dich mit ihm. Erst danach
bringe Gott dein Opfer.
Merken wir, worauf es Gott ankommt beim Beten?! Was Ihm am Herzen liegt?!
Das Gebet ändert nicht Gott, sondern den Betenden.
(Søren
Aabye Kierkegaard (1813 - 1855), dänischer Philosoph,
Theologe und Schriftsteller)
Wie kann das ganz konkret und
praktisch aussehen?
·
Ich bin krank und bete um Heilung. Gott erhört
dieses Gebet vielleicht (noch) nicht, weil Er mit dieser Krankheit etwas
beabsichtigt, das mir zum Besten dient!
·
Ich stehe vor einer Prüfung und bete, dass ich
sie gut bestehe. Das Gegenteil geschieht. Ich bin am Boden zerstört, frustriert
und ärgerlich. Und genau das lässt Gott zu, um meinen Stolz zu zerbrechen und
mich vor Hochmut zu bewahren.
· Ich bete um Ruhe und wünsche mir Frieden, der Herr aber beschert mir eine ganz unruhige Nacht, weil ich etwas in Ordnung bringen soll, was Ihm nicht gefällt.
Wir erbitten von Gott, was uns gefällt; wir bekommen von Gott, was uns not tut.
Léon Bloy (1846 - 1917),
französischer Schriftsteller
Manchmal ist für Gott eine
Niederlage, die wir einstecken müssen, viel besser geeignet, um uns im Glauben
voranzubringen, als ein herrlicher Sieg! Nur wer in der Tiefe war und Demut
gelernt hat, kann auch den Höhenflug gut verkraften, ohne abzuheben und
hochmütig zu werden!
Oft kann Gott in unserem Leben mehr erreichen durch Gebete, die Er nicht erhört als durch solche, die Er erhört! Es geht Ihm nämlich darum, dass Sein Wille in unserem Leben geschieht und nicht, dass wir bekommen, was wir uns wünschen.
Millionen von Menschen beten täglich zu Gott, ihnen ihren Willen zu
erfüllen. Aber nur wenige sind bereit, den Willen Gottes zu erfüllen. © Willy Meurer
(*1934),
Was wir nach Seinem Willen, in Seinem Namen erbitten, das wird Er uns auch geben. Z.B. „Herr, ich will Dir ganz gehören und Dir immer ähnlicher werden!“
3.
Eine Nahrungsaufnahme
Oswald Chambers hat es so ausgedrückt:
Wenn ein Mensch neues Leben von Gott bekommt, dann wird das Wesen des
Sohnes Gottes in ihn gelegt, und dieses Wesen kann er entweder verhungern
lassen oder ernähren. Das Gebet ist die Art, wie Christus in uns ernährt
wird. Gott hat es so eingerichtet, dass Beten auf der Grundlage der
Erlösung die Sichtweise eines Menschen ändert. Das Gebet ist nicht dazu da,
äußere Umstände zu ändern, sondern im Wesen eines Menschen Wunder zu tun. Eine
wichtige Wirkung des Betens ist, dass es die Seele befähigt, den Körper zu
kontrollieren. Gehorsam macht den Körper bereit der Seele zu gehorchen, aber
Gebet gibt der Seele Macht über den Körper. (S. 148 in „Unendlich beschenkt
– Leben aus der Kraft Gottes)
Wer nicht betet, verhungert geistlich! Christus kann in uns wachsen und Raum einnehmen, wenn wir mit Ihm im Gespräch sind und alles an Ihn abgeben! Deshalb ist auch eine Stille Zeit so Notwendig für unser Wachsen im Glauben! Jemand hat es so ausgedrückt:
Als Christ, der von Gott ein neues Leben geschenkt bekommen hat, gilt
es nun, dieses neue Leben - das ist meine Wesensverbundenheit mit Jesus
Christus - zu pflegen, bewusst in dieser Verbundenheit zu bleiben und sie
zu vertiefen.
Wie geschieht das? Zeit mit Gott verbringen! In der Bibel lesen und fragen: Was will Gott mir heute sagen? Was ist Dir wichtig, Herr? Was ist für mich dran? Was liegt Dir am Herzen für mich, Jesus?
„Wenn du beten willst, so geh in dein Kämmerliein, dein Dunkelkämmerlein, und entwickle das Bild, das Gott sich von dir gemacht hat.“ (Lothar Zenetti)
„Das edelste Gebet ist, wenn der Beter sich in das, vor dem er kniet, verwandelt inniglich.“ (Angelus Silesius)
Gott sei Dank, dass Er nicht einfach alle unsere Gebete erhört! Er hat Größeres mit uns vor! Er gestaltet unser Leben und verwandelt uns immer mehr in Sein Bild: Jesus in uns! Es ist spannend, mit Jesus zu leben! Es ist beruhigend, Gottes Kind zu sein! Es ist ein Vorrecht, zu Ihm beten zu dürfen! Machen wir davon reichlich Gebrauch!
Mt 7,7 «Bittet Gott, und er wird euch geben!
Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, dann wird euch die Tür geöffnet!
AMEN.