„Und der Stern führte sie…“

Weihnachtspredigt in der Lydia-Gemeinde
am 26. Dezember 2004
von Pastor Thomas Vollenweider


Gelehrte suchen den neuen König

Jesus wurde in Bethlehem geboren, einer kleinen Stadt in Judäa. Herodes war damals König. In dieser Zeit kamen einige Sternforscher aus dem Orient nach Jerusalem und erkundigten sich: «Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind hierher gekommen, um ihn anzubeten.» König Herodes war bestürzt, und nicht nur er, sondern alle Einwohner Jerusalems. Er rief die führenden Priester und Schriftgelehrten zusammen und fragte sie: «Wo soll dieser neue König geboren werden?» Sie antworteten ihm: «Im Buch des Propheten Micha heißt es: `Bethlehem, du bist keineswegs die unbedeutendste Stadt im Land Judäa. Denn aus dir kommt der Mann, der mein Volk Israel führen wird.' Da rief Herodes die Sternforscher heimlich zu sich und fragte sie, wann sie zum ersten Mal den Stern gesehen hätten. Anschließend schickte er sie mit diesem Befehl nach Bethlehem: «Sucht nach dem Kind, und gebt mir Nachricht, wenn ihr es gefunden habt. Ich will dann auch hingehen und ihm Ehre erweisen.» Nach diesem Gespräch gingen die Sternforscher nach Bethlehem. Und das Unglaubliche geschah: Der Stern, den sie im Osten gesehen hatten, führte sie. Er blieb über dem Haus stehen, in dem das Kind war. Da kannte ihre Freude keine Grenzen. Sie gingen in das Haus, wo sie das Kind mit seiner Mutter Maria fanden, knieten vor ihm nieder und beteten es an. Dann packten sie ihre Schätze aus und beschenkten das Kind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Im Traum befahl ihnen Gott, nicht mehr zu Herodes zurückzugehen. Deshalb wählten sie für ihre Heimreise einen anderen Weg. (Mt 2,1-12) (Hoffnung für alle)

In dieser wunderbaren und wahren Weihnachtsgeschichte gibt es verschiedene Figuren und Erscheinungen, die die Hauptrolle spielen. Zunächst sind da:



Die Heiligen drei Könige!!!

Allerdings müssen wir hier ein wenig Entmythologisierung betreiben, auch wenn das für den einen oder anderen vielleicht der Verlust eines Kindheits-Glaubens bedeutet:

Die heiligen drei Könige waren weder heilig noch drei noch waren sie Könige! Und sie hießen auch nicht Kaspar, Balthasar und Melchior! Ein Schock? Der Reihe nach:
(Aus Wissenswertes: Heilige drei Könige)

Die Heiligen Drei Könige, deren Gebeine man im Kölner Dom verehrt, sind strikt gesehen keine Heiligen: ein Heiliger oder eine Heilige muss von der Katholischen Kirche in einem eigenen Verfahren dazu erhoben werden und ein solches Verfahren hat es für die Heiligen Drei Könige nie gegeben.

Auch Könige sind die Herren Kaspar, Balthasar und Melchior nie gewesen - in der Bibel ist nur von "Weisen", "Magiern" bzw. "Sterndeutern" die Rede. Und auch die Namen selber sind erfunden, sie werden in der Bibel nirgendwo erwähnt; zum ersten Mal ist in einer um 500 nach Christus in armenischer Sprache abgefassten Kindheitsgeschichte Jesu von den drei Königen Melkon von Persien, Gaspar von Indien und Baltassar von Arabien die rede, vorher nicht. Der Evangelist Matthäus, der als einziger im Neuen Testament von der Anbetung berichtet, erwähnt mit keiner Silbe, wie die Anbeter heißen, oder wie viele es überhaupt waren.

Dass es drei gewesen seien, wurde aus den drei Gaben - Weihrauch, Myrrhe, Gold - nicht ganz wasserdicht zurück geschlossen (oder man hat die in der christlichen Mythologie so wichtige Zahl Drei auf die Anbetung im Stall zu Bethlehem übertragen). Zu Königen wurden die Sterndeuter erst in nachträglichen Interpretationen, u. U. wegen einer missverständlichen Übersetzung von "Magier" ("König" meinte zu Zeiten Jesu etwas ganz anderes als im Mittelalter, nämlich weit weniger: fast jeder Vasall der Römer war damals ein "König") oder aber aufgrund einer Prophezeiung aus dem Alten Testament, wo es heißt: "Die Könige von Tarsis und auf den Inseln sollen Geschenke bringen ...".

Die Könige von Tarsis und von den fernen Inseln werden ihm Geschenke bringen, und auch die Herrscher von Saba und Seba werden ihm Abgaben entrichten. (Ps 71,10)
(Tarsis lag vermutlich in Südspanien, Saba war wahrscheinlich Südarabien, Seba vielleicht Nordost-Afrika.)

Und dann ist da der Stern von Bethlehem!

„Wir haben seinen Stern aufgehen sehen“ sagen die Sternforscher aus dem Orient!

Das Geschehen von Weihnachten war so großartig und Welt bewegend, dass selbst die Sterne darauf hinweisen mussten! Überhaupt spricht die Bibel recht oft vom Universum und den Gestirnen am Himmelszelt.



STERNE IN DER BIBEL:

Gott schuf zwei große Lichter, die Sonne für den Tag und den Mond für die Nacht, dazu alle Sterne. (1Mo 1,16) Er führte Abram aus dem Zelt nach draußen und sagte zu ihm: «Schau dir den Himmel an, und versuche, die Sterne zu zählen! Genauso werden deine Nachkommen sein - unzählbar!» (1Mo 15,5)

Lasst euch auch nicht dazu verleiten, die Sonne, den Mond und die Sterne am Himmel anzubeten und zu verehren. (5Mo 4,19)

Ich blicke zum Himmel und sehe, was deine Hände geschaffen haben; den Mond und die Sterne - allen hast du ihre Bahnen vorgezeichnet. (Ps 8,4)

Den großen Wagen hat er geschaffen, den Orion, das Siebengestirn und auch die Sternbilder des Südens. (Hi 9,9)

Er hat die Zahl der Sterne festgelegt und jedem einen Namen gegeben. (Ps 147,4)

Das ist unglaublich! Und es zeigt uns die Größe unseres Schöpfers! Denn Er hat sehr viele Sterne erschaffen!!!



Die Welt der Sterne

Es gibt Fixsterne, Rote Riesen, Überriesen, sich aufblähende und ausbrennende Sterne, weiße und schwarze Zwerge, Neutronensterne, Supernovae und Hypernovae, Pulsare, Magnetare, Gravasterne, Wurmlöcher und Schwarze Löcher. Im Kosmos gibt es ca. 100 Milliarden Galaxien und in jeder von ihnen kreisen ca. 100 Milliarden Sterne, Sterne wie unsere Sonne. Unvorstellbar viel. Und doch bescheiden wenig! (Tagesspiegel vom 22.12.04)

Unvorstellbar viel:
10'000'000'000'000'000'000'000 Sterne! Das sind 10 Trilliarden Sterne, eine Zahl mit 22 Nullen. Oder 1 x 10²²

Bescheiden wenig:

Das Weltall ist fast leer. In nur einem Liter Luft gibt es mehr Atome als Sterne im ganzen Universum.

Noch ein Wort zur Etymologie

Griechisch: astér, astron - Astronomie
Estella w Estelle, Estrella, Stella spanisch der Stern
Esther w Ester, Hester persisch-hebräisch der Stern
Deutsch „Stern“ kommt von der indogermanischen Wurzel *ster- ausbreiten (s. Stirn) und fasst die Sterne als „die am Himmel Ausgestreuten“ auf.

Lange haben Wissenschaftler gerätselt um welche Himmelserscheinung es sich beim „Stern von Bethlehem“ handeln konnte! Es braucht hier detektivischen Scharfsinn, denn die Astronomen versuchen aus einem Puzzle von einzelnen Indizien die Eigenschaften des „Sterns“ zu rekonstruieren:

Hinweis eins: Den Angaben der Bibel zufolge war der "Stern von Bethlehem" nicht nur in Israel selbst, sondern auch in Babylon, der Heimat der drei Weisen, sichtbar.

Hinweis zwei: Das Ereignis war offenbar sowohl auffällig als auch selten genug, um den erfahrenen babylonischen Astronomen als etwas Besonderes zu erscheinen.

Hinweis drei: Die Leuchterscheinung muss länger zu sehen gewesen sein, da die drei Weisen laut Bibel sie sowohl bei ihrem Aufbruch in Babylon als auch bei ihrer Ankunft in Bethlehem beobachteten.

Es gibt verschiedene Erklärungsversuche, die im Laufe der Zeit in Umlauf kamen:

Erklärungsversuche gibt es mindestens ebenso viele, wie es Indizien gibt. Edmond Halley, der Entdecker des gleichnamigen Kometen, vermutete beispielsweise, dass der Stern von Bethlehem ein Komet gewesen sei. Aufzeichnungen von chinesischen Astronomen scheinen das zu bestätigen, haben aber einen entscheidenden Schönheitsfehler: Der fragliche Komet wurde im Jahr 12 vor unserer Zeit beobachtet, liegt also einige Jahre vor dem wahrscheinlichsten Geburtstermin.

Ein anderer Kandidat für die Rolle des "Weihnachtssterns" ist eine Supernova - die gleißendhelle Explosion eines Sterns. Allerdings hat man bisher keine Hinweise darauf gefunden, dass zu der fraglichen Zeit eine solche Sternenexplosion tatsächlich stattgefunden hat.

Die Mehrheit der Astronomen favorisiert jedoch eine andere Erklärung: eine Dreier-Konjunktion der beiden Planeten Jupiter und Saturn. Dabei kommen sich die beiden Planeten nicht nur einmal, sondern dreimal kurz hintereinander so nahe, dass sie für einen Beobachter zu einem hellen Lichtpunkt zu verschmelzen scheinen. Eine solche "Dreierbegegnung" ist extrem selten, zwischen der letzten im Jahr 1981 und der nächsten 2238 liegen immerhin knapp 250 Jahre. Gestützt wird diese Theorie durch eine sensationelle archäologische Entdeckung: Auf einer in Babylon ausgegrabenen Tontafel entdeckten Forscher eine in Keilschrift festgehaltene Vorausberechnung babylonischer Astronomen für genau diese Dreifach-Konjunktion.

Und noch ein weiterer Faktor könnte diese Lösungsvariante wahrscheinlich machen: Für die Astronomen der damaligen Zeit war nicht nur die Erscheinung selbst wichtig, sondern vor allem auch seine schicksalhafte Bedeutung. Im Himmel und seinen Phänomenen sahen sie ein Abbild und Vorbild des irdischen Geschehens. Und passender weise stand ausgerechnet der Jupiter für Marduk, den höchsten Gott Babyloniens, und der Saturn für Kajmanu, den König Israels.

Was lag daher für die Babylonier näher, als in einer Konjunktion der beiden eine Aufforderung zu einem Besuch bei einem "neuen König Israels" zu sehen? Wenn das Szenario stimmt - und es die "drei Weisen überhaupt gab - könnten sie bei der ersten Konjunktion ihren König informiert haben, mit der Zweiten aufgebrochen sein und rechtzeitig zur dritten am 12. November des siebten Jahres Bethlehem erreicht haben...
(aus Rätsel um den Stern von Bethlehem in http://www.g-o.de/)




Was wir von den Sternforschern lernen können:

1. Ihr Verlangen nach Wahrheit und Erfüllung ließ sie aufbrechen

Es war mehr als Abenteuerlust oder der Wert einer Auslandserfahrung, der sie aufbrechen ließ! Es ließ ihnen einfach keine Ruhe! Sie mussten es mit eigenen Augen sehen, sich nicht auf Berichte Dritter verlassen. Sie scheuten die Veränderung nicht, das Unbekannte. Sie machten sich auf den Weg! Sie gaben sich mit dem Status Quo nicht einfach ab. Sie wollten mehr: Erkennen, begreifen, erfahren, lernen, entdecken…

Am Anfang eines neuen Jahres ist das ein gutes Vorbild für uns!

2. Ihr Suchen, Fragen und Forschen half ihnen, den Weg zu finden

Wissenschaftler unterwegs zur Wahrheit, unterwegs zu Jesus. Gott sei Dank für Wissenschaftler und Akademiker, für Denker und Gelehrte, für Studierende und Dozenten, für Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler. Der Glaube schließt die Wissenschaft nicht aus, auch wenn die Wissenschaft versucht, ohne den Glauben auszukommen.

Auch auf Umwegen können wir zu Gott gelangen. Gott hat viele Möglichkeiten, uns Menschen auf Ihn aufmerksam zu machen. Dem aufrichtig Suchenden lässt Gott es gelingen! (Spr. 2,7)

3. Ans Ziel kamen sie durchs Hören auf Gottes Wort

Sie antworteten ihm: «Im Buch des Propheten Micha heißt es: `Bethlehem, du bist keineswegs die unbedeutendste Stadt im Land Judäa. Denn aus dir kommt der Mann, der mein Volk Israel führen wird.'» (Mt 2,5+6)

Ihre Berechnungen und Deutungen führten sie bis nach Jerusalem, und dort zunächst einmal zu einem falschen König. Aber hier ließen sie sich aus Gottes Wort den Weg nach Bethlehem weisen.

Das wird auch für uns im neuen Jahr wieder maßgebend und entscheidend sein! Was sagt die Bibel dazu? Was ist Gott wichtig? Wir kommen nur dann ans Ziel, wenn wir bereit sind, uns nach Seinem Wort zu richten!

4. Sie ließen sich von Menschen belehren, vom Stern führen

Den echten Gelehrten erkennt man daran, dass er nie aufhört zu lernen, sich selber korrigieren kann, andere konsultiert! Das haben die Weisen aus dem Morgenland getan! Frage an uns: Lassen wir uns etwas sagen? Dürfen andere in unser Leben hineinreden? Uns wertvolle Korrektur anbieten?

Und sie waren nicht nur gebildet und intelligent, sie waren auch klug: Sie ließen sich führen von der Himmelserscheinung!

Nach diesem Gespräch gingen die Sternforscher nach Bethlehem. Und das Unglaubliche geschah: Der Stern, den sie im Osten gesehen hatten, führte sie. Er blieb über dem Haus stehen, in dem das Kind war. (Mt 2,9)

Lassen wir uns leiten? Von welchem Stern lassen wir uns führen?
Jesus ist der helle Morgenstern, der uns führen und leiten will!

Denn Gottes Zusagen sind wie ein Licht, das in der Dunkelheit leuchtet und Klarheit schenkt, bis es endgültig Tag wird und der aufgehende Morgenstern Licht in unsere Herzen bringt. (2Petr 1,19b)

Ich, Jesus, habe meinen Engel zu dir gesandt, damit du den Gemeinden alles mitteilst. Ich bin die Wurzel und der Nachkomme aus dem Geschlecht Davids. Ich bin der helle Morgenstern.» (Offb 22,16)

Jesus ist der Morgenstern, der aufgegangen ist am Firmament der menschlichen Geschichte! Er ist uns Menschen zum Zeichen gesetzt!

„Die Nacht ist vorgedrungen
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
Dem hellen Morgenstern.“
(Jochen Klepper)


Lassen wir uns führen durch diesen Stern? Suchen, fragen und forschen wir auf dem Weg zu Jesus? Brechen wir auf, um den Sinn des Lebens zu finden? Wollen wir mehr von Ihm wissen, Ihn persönlich kennen lernen?

Unter welchem Stern steht Dein Leben? Achtest Du auf Horoskope und Astrologen oder folgst Du dem hellen Morgenstern – Jesus!? Horoskope gehen davon aus, dass die Sterne unser Leben und Schicksal bestimmen. Wir glauben vielmehr, dass JESUS unser Schicksal ist. Dass Gott, der uns gemacht hat, uns auch den Weg des Lebens weisen will!



5. Sie gaben ihr Bestes für den König (Anbetung + Hingabe)

Sie gingen in das Haus, wo sie das Kind mit seiner Mutter Maria fanden, knieten vor ihm nieder und beteten es an. Dann packten sie ihre Schätze aus und beschenkten das Kind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. (Mt 2,11)

Geben wir unser Bestes für Jesus? Schenken wir Ihm unser Herz!?

Wenn Anbetung und Hingabe das Ziel unserer Suche sind und wenn wir ganz nah bei Jesus leben, dann werden auch wir zu einem Zeichen, an dem sich andere orientieren können. Dann dienen wir anderen als Vorbild so wie wir heute von den Sternforschern gelernt haben!

Dann wird euer Leben hell und makellos sein, und ihr werdet als Gottes vorbildliche Kinder mitten in dieser verdorbenen und dunklen Welt wie Sterne in der Nacht leuchten. (Phil 2,15)

Amen.







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