„Welchen Empfang geben wir Jesus?“

Predigt in der Lydia-Gemeinde
am Heiligen Abend 2004
von Pastor Thomas Vollenweider


Im Anspiel vorhin haben wir mitbekommen, wie entscheidend es ist, sich auf die Ankunft eines Kindes vorzubereiten! Das ist bei Jesus nicht anders! Advent – das ist Vorbereitungszeit, Erwartung, sich darauf einstellen, dass Jesus kommt! Sind wir bereit? Oder überrascht es uns wie schnell es Weihnachten wurde? Trotz des Countdowns der Adventskalender?

2004 haben wir ein weiteres Türchen aufgemacht im großen Adventskalender der Heilsgeschichte Gottes. Wir Christen warten nämlich auf das zweite Kommen Jesu auf diese Erde! Dann wird er allerdings nicht mehr als kleines Kind kommen, arm und hilflos, sondern als König der Könige und als Herr der Herren! Sind wir bereit? Oder sagen wir auch schnell einmal:

• „wir haben ja noch massenhaft Zeit!“
• „wir haben uns noch nicht so viel Gedanken dazu gemacht…“
• „Vielleicht später…“
• „Sorry. Ich – hatte einfach zu viel zu tun!“
• „Wie gesagt – ich warte das einfach ab.“
• „Nein danke, lass mal, ich komme schon allein zurecht!“ und dann
• „Au, Aua…Nein..Aua… Was soll ich denn jetzt machen?? Ich bin doch gar nicht darauf vorbereitet!!!!“

....und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war. (Lk 2,7)

Er kam in seine Welt, aber die Menschen nahmen ihn nicht auf. Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu sein. (Joh 1,11+12)

Kein Platz für Jesus! Das war symbolisch und symptomatisch! Auch später im Leben erging es Ihm nicht anders! Als Er einmal durch Samarien zog, lesen wir:

Aber weil Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, wollte ihn keiner aufnehmen. (Lk 9,53)

Weil Jesus zu anderen unterwegs war, wollte ihn keiner aufnehmen! Wenn das der Jesus ist, den die Katholiken verehren, die Pfingstler anbeten, … dann will ich nichts mit ihm zu tun haben! Ich will meinen Jesus für mich haben! Gott hat sich gefälligst nach meinem Gottesbild zu richten! Leider gibt es genügend Menschen, die so oder ähnlich denken.

Welchen Empfang geben wir Jesus? Sind wir wie die Herbergsbetreiber in Bethlehem und haben keinen Platz für Ihn weil wir zu beschäftigt sind mit Geld verdienen, Menschen dienen und kein Blick mehr dafür haben, wenn das Göttliche in unser Leben treten will?

Oder können wir von den Hirten lernen, den Ärmsten und Schwächsten in der Gesellschaft, die sich die Zeit genommen und die Mühe gemacht hatten, um dieses Kind in der Krippe zu besuchen und Ihn als den verheißenen Retter zu begrüßen und zu huldigen!

Plötzlich trat ein Engel Gottes zu ihnen, und Gottes Licht umstrahlte sie. Die Hirten erschraken sehr, aber der Engel sagte: «Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch die größte Freude für alle Menschen: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe!» (Lk 2,9-12)

Sie haben die Weihnachtsbotschaft gehört und sind zur Geburtstagsparty des Messias gekommen! Sie gaben Ihm den gebührenden Empfang!

Als sie das Kind sahen, erzählten die Hirten, was ihnen der Engel gesagt hatte. Und alle, die ihren Bericht hörten, waren darüber sehr erstaunt. (Lk 2,17+18)

Die Hirten sind die ersten, die das prophetische Wort über diesem Kind aussprechen! Er ist der Retter der Welt! Er ist der Christus! Wie werden Maria & Josef gestaunt haben, dass ausgerechnet diese rauen Gesellen das Geheimnis Gottes kannten und bestätigten, was bisher nur sie vom Engel Gottes wussten!

Die Hirten werden uns zu einem Vorbild, indem sie die Botschaft hören und glauben! Sich aufmachen und Jesus als den annehmen, der er ist. Nicht nur als Kind in einer Futterkrippe, sondern eben als Heiland und Herr der Welt!

- Wie empfangen wir Jesus?
- Wie haben wir uns auf Sein Kommen vorbereitet?
- Nehmen wir uns die Zeit für Seine Ankunft?
- Und nicht nur für das Drumherum der alljährlichen Geburtstagsfeier zu Weihnachten?!
Auch die Sternforscher aus dem Orient, die Gelehrten aus dem Morgenland, werden uns zum Vorbild. Von ihnen lesen wir, dass sie nach einer langen, beschwerlichen Reise endlich gefunden hatte, wonach sie suchten:

Sie gingen in das Haus, wo sie das Kind mit seiner Mutter Maria fanden, knieten vor ihm nieder und beteten es an. Dann packten sie ihre Schätze aus und beschenkten das Kind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. (Mt 2,11)

Sie knieten vor ihm nieder und beteten es an! Für sie war es mehr als ein Baby in Windeln gewickelt! Sie wussten, dass dies der König der Juden war! Deshalb huldigten sie ihm und beschenkten ihn mit königlichen Geschenken!

Das ist auch für uns heute die entscheidende Frage zu Weihnachten! Welchen Empfang geben wir Jesus? Als wen sehen wir Ihn? Erkennen wir in Ihm den Sohn Gottes, den versprochenen Retter, den Heiland der Welt, den auch wir anbeten und Ihm Geschenke machen?

Diese Frage ist noch viel wichtiger als die anderen Fragen, die uns zu Weihnachten beschäftigen: Können wir es als Fest der Liebe feiern? Als Fest der Familie? Wird die Stimmung gut sein? Können wir das Fest friedlich begehen?

Es ist mein Wunsch, dass wir Jesus, dessen Menschwerdung wir heute feiern, nicht zum Christkind reduzieren. In Ihm ist die Liebe Gottes zu uns Menschen verkörpert. Er kam, um uns alle von unseren Sünden zu befreien und uns in die Gemeinschaft mit Gott wieder aufzunehmen!

Wir wollen uns Zeit nehmen für Ihn, Raum schaffen in unseren Herzen, Ihm einen gebührenden Empfang bereiten, uns vor Ihm niederwerfen und Ihn anbeten. Amen.







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