„Advent: Die Braut wartet auf ihren Bräutigam“

Predigt in der Lydia-Gemeinde am 12. Dezember 2004
zum 3. Advent
von Pastor Thomas Vollenweider


Die heutige Predigt kommt aus dem Monatsspruch für den Dezember (Jes 61,10):

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam, mit priesterlichem Schmuck geziert, und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. (Luther)

Ich freue mich über den Herrn und juble laut über meinen Gott! Denn er hat mir seine Rettung und Hilfe geschenkt. Er hat mich damit bekleidet wie mit einem schützenden Mantel. Nun stehe ich da wie ein Bräutigam mit festlichem Turban, wie eine Braut im Hochzeitsschmuck. (Hoffnung für Alle)

Der Abschnitt, Verse 1-10, ist überschrieben mit „Die Trauerzeit ist vorbei!“ Der Prophet spricht vom Leben im hellen Schein des kommenden Königs, einem Leben mit Verheißung! Ein Leben für uns!


Verlobt – versprochen – verheißen!

Jesaja gibt uns einen 10-fachen Grund zur Freude:

1. Unsere Schuld ist erlassen, Vers 2a
2. Trost in Trauer, Vers 2b
3. Mutlosigkeit wird in Jubel verwandelt, Vers 3a
4. Wir sind der „Garten des Herrn“ = Wachsen + Gedeihen, Frucht bringen, Vers 3b
5. Aufbau + Wiederherstellung!
6. Wir bekommen eine neue Aufgabe: „Priester des Herrn“ und „Diener Gottes“
7. Wir dürfen unser Erbe in Besitz nehmen! Vers 7
8. Wir sind einen Bund mit Gott eingegangen, Vers 8b
9. Wir werden sichtbar gesegnet und sind dadurch ein Zeugnis, Vers 9
10. Gott schenkt uns Rettung und Heil und freut sich über uns wie ein Bräutigam über seine Braut!

Verlobt – versprochen – verheißen!

Es ist dieses letzte Bild, auf das ich heute näher eingehen möchte! Die Gemeinde Jesu ist wie eine Braut, die auf ihren Bräutigam wartet. Das ist ein wunderbares Bild für Advent und überhaupt für diese Endzeit, in der wir Leben: In der Erwartung Seines zweiten Kommens auf diese Erde.

Man nennt dich nicht länger «die verstoßene Frau» und dein Land nicht «die Verlassene». Nein, du heißt dann «meine Liebste» und dein Land «die glücklich Verheiratete». Denn der Herr wird dich lieben und sich über dich freuen, und dein Land wird nicht mehr vereinsamt sein. Wie ein junger Mann sein Mädchen heiratet, so werden deine Einwohner sich mit dir verbinden. Wie ein Bräutigam sich an seiner Braut freut, so wird dein Gott sich über dich freuen. (Jes 62,4+5)

Jerusalem ist diese Braut, Israel, das Volk Gottes! Wo finden wir diese Anwendung auf die Gemeinde, die Kirche Jesu?

Johannes, der Täufer weist bereits darauf hin:

Ich habe doch immer wieder erklärt, dass ich nicht Christus bin, der von Gott gesandte Retter. Habt ihr das vergessen? Ich sollte ihn nur ankündigen, mehr nicht. Die Braut wird dahin gehen, wo der Bräutigam ist. Der Freund des Bräutigams freut sich mit den beiden, auch wenn er nur daneben steht. So geht es mir jetzt. Meine Freude ist grenzenlos. Immer mehr Menschen sollen zu Christus kommen, und ich will immer mehr in den Hintergrund treten. (Joh 3,28-30)

Jesus selber nimmt diesen Gedanken dann auf:

Die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten regelmäßig. Deshalb kamen einige von ihnen zu Jesus und fragten: «Die Jünger des Johannes und alle Pharisäer fasten. Warum fasten deine Jünger nicht?» Jesus antwortete ihnen: «Sollen die Hochzeitsgäste etwa fasten, wenn sie an der Festtafel sitzen? Sie denken nicht daran! Zumindest werden sie so lange feiern, wie der Bräutigam bei ihnen ist. Die Zeit kommt ohnehin früh genug, dass der Bräutigam ihnen genommen wird. Dann werden sie fasten. (Mk 2,18-20)

Und der Apostel Paulus gebraucht dieses Bild gerne, so z.B.

Ich werbe geradezu eifersüchtig um euch, so wie Gott um euch wirbt. Wie eine Braut sollt ihr nur einem einzigen Mann gehören. Denn ich habe euch mit Christus verlobt, dem ich euch wie ein Brautvater zuführen möchte. (2Kor 11,2)

Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus seine Gemeinde liebt, für die er sein Leben gab, damit sie ihm ganz gehört. Durch sein Wort hat er sie von aller Schuld gereinigt. Wie eine Braut soll seine Gemeinde sein: schön und makellos, ohne jeden Fehler, weil sie allein Christus gehören soll. (Eph 5,25-27)

Und in der Offenbarung lesen wir von der Hochzeit im Himmel, wenn die Brautgemeinde mit Christus vereint wird:

Wir wollen uns darüber freuen, jubeln und Gott ehren. Jetzt ist der große Hochzeitstag des Lammes gekommen; seine Braut ist bereit! In feines, strahlend weißes Leinen durfte sie sich kleiden. Das Leinen ist ein Bild für die gerechten Taten der Christen, die nach Gottes Willen leben. (Offb 19,7+8)

Der Geist und die Braut sagen: «Komm!» Und wer das hört, soll auch rufen: «Komm!» Wer durstig ist, der soll kommen. Jedem, der es haben möchte, wird Gott das Wasser des Lebens schenken. (Offb 22,17)

Wir sind also die Braut Christi. Wir sind verlobt, versprochen und Leben mit dieser wunderbaren Verheißung! Das ist Advent – Erwartung!

FRAGE: Was zeichnet eine Braut aus?

• Grosse Liebe - Klare Prioritäten!
• Zukunftsorientiertes Leben – Von der Verheißung her leben!
• Exklusive Partnerschaft – Versprochen „Nur Du, Du allein!“

Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei! Wie sieht das bei uns aus? Leben wir als Braut Jesu in diesem Bewusstsein? Tun wir, was Ihm gefällt? Beflügelt uns die Hoffnung, einmal mit Ihm vereint zu werden? Setzen wir unser Vertrauen allein auf Ihn? Bereiten wir uns vor? Erwarten wir Sein Kommen?


Die jüdische Hochzeit und ihre Parallelen zu Christus und der Brautgemeinde:

(nach Elisabeth Syre, Tagung am 26.-27. April 2004 in Berlin)


1. Vom Vater erwählt

Der Vater wählt die Braut aus! Beispiel: Abraham bestimmt seinen Diener Elieser, um eine Braut für seinen Sohn Isaak auszuwählen. Aber das Schöne ist, dass die Braut dennoch wählen darf und Ja oder Nein sagen kann!

So sind wir vom himmlischen Vater erwählt und dem Sohn als Braut geschenkt! Wie mein Vater das neulich so klar gemacht hat: Gottvater beschenkt Seinen Sohn! Wir sind eins dieser Geschenke!

Keiner kann zu mir kommen, dem nicht der Vater, der mich gesandt hat, den Weg zeigt. (Joh 6,44)

Aber auch wir haben die freie Wahl einzuwilligen in dieses Bündnis!



2. Der Baldachin (Chuppa)

Das Brautpaar steht unter einem Baldachin, einem Gebetstuch, da an 4 Stöcken von den engsten Freunden der Familie gehalten wird. Diese Stöcke sind aus Bäumen geschnitten, die bei der Geburt der jungen Leute gepflanzt worden sind (bei den Mädchen eine Fichte, bei den Jungs eine Zeder!).

So wird einmal zur Vollendung kommen, was seit unserer Geburt gewachsen ist. Und unsere Freunde spielen eine große Rolle! Sie halten das Gebetszelt, unter dem wir Entscheidungen fürs Leben treffen!



3. Die 7 Segenssprüche

Sieben Segenssprüche werden über dem Brautpaar ausgesprochen. Also die Vollzahl der Segnungen Gottes: „Gesegnet bist Du, weil Du geschaffen bist im Ebenbild Gottes. Gesegnet bist Du, damit Du fruchtbar wirst in Geist, Seele und Leib!"

So stehen auch wir unter dem 7-fachen Segen Gottes für ein Leben nach Seinem Plan, für die Verbindung mit Jesus, Seinem Sohn, unserem Herrn und Bräutigam!



4. Der erste Becher Wein (Ketuba)

Dann trinken die Beiden den ersten Becher Wein. Es ist der Becher des Bündnisses, der Ketuba! Wenn er ausgetrunken ist, dann wird das Glas in einen Gebetsschal eingewickelt und vom Bräutigam am Boden zertreten, so dass niemand mehr daraus trinken kann. Es ist dies für die Juden ein Zeichen für den Tempel, der zerstört worden ist.

Für uns hat es eine besondere Bedeutung, weil es uns an das Abendmahl erinnert: Jesus hat einen neuen Bund eingeleitet und diesen Ketuba-Becher mit seinen Jüngern getrunken!

Während der Mahlzeit nahm Jesus ein Stück Brot, sprach das Dankgebet, teilte das Brot und gab es den Jüngern mit den Worten: «Nehmt und esst, das ist mein Leib!»Anschließend nahm er einen Becher mit Wein, dankte dafür und reichte ihn seinen Jüngern: «Trinkt alle daraus! Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird zur Vergebung eurer Sünden vergossen. Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis ich ihn wieder im Reich meines Vaters mit euch trinken werde.» (Mt 26,26-29)



5. Die Lesung: Psalm 45, 11-17

Wenn die Braut in ihr Hochzeitsgemach, die Kadar, geführt wird, geht sie 7 Mal um den Bräutigam herum und es werden die Worte aus Psalm 45 gelesen:

Höre, Königstochter, und nimm dir zu Herzen, was ich sage! Vergiss dein Volk und deine Verwandten! Du bist wunderschön, und der König begehrt dich! Verneige dich vor ihm, denn er ist dein Herr und Gebieter! Die Bewohner der Stadt Tyrus kommen mit Geschenken, die Vornehmen und Reichen suchen deine Gunst. Seht, wie prachtvoll zieht die Königstochter in den Festsaal ein! Ihr Kleid ist mit Gold durchwebt, in ihrem farbenfrohen Gewand wird sie zum König geführt; und Jungfrauen, ihre Freundinnen, begleiten sie. Mit Freudenrufen und hellem Jubel wird der feierliche Brautzug in den Palast geleitet. O König! Du wirst viele Söhne haben; auch sie werden regieren wie deine Vorfahren. In allen Ländern wirst du sie zu Herrschern einsetzen. (Ps 45,11-17)



6. Der Bräutigam verschwindet

Im Laufe der 7-tägigen Feier kommt es zu einem eigenartigen Brauch: Plötzlich verschwindet der Bräutigam und die Braut weiß nicht, wo er ist oder wann er wiederkommt! Sie muss auf ihn warten, sich vorbereiten und dem Spott der Hochzeitsgäste widerstehen „Der kommt doch nicht wieder!“ „Der hat dich verlassen!“

Das ist nun eine ganz deutliche Parallele zur Situation der Brautgemeinde und Jesus, ihrem Bräutigam. Er ist weg! Wann wird er wiederkommen? Es gilt bereit zu sein. Deshalb hat Jesus auch das Gleichnis von den 5 klugen und den 5 törichten Jungfrauen erzählt. Er ist der Bräutigam, der verschwindet, aber wiederkommen wird.

Deshalb seid wach und haltet euch bereit! Denn ihr wisst weder an welchem Tag noch zu welchem Zeitpunkt ich kommen werde.» (Mt 25,13)



7. Der zweite Becher

Nach seiner Wiederkehr, trinkt der Bräutigam mit seiner Braut den zweiten Becher Wein. Es ist der Becher der Vereinigung. Und so werden wir beim himmlischen Hochzeitsmahl des Lammes mit Jesus den Wein trinken, wie Er es verheißen hat!

Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis ich ihn wieder im Reich meines Vaters mit euch trinken werde.» (Mt 26,29)



8. Der Brautpreis (Mohar)

Der Vater verliert eine junge Frau aus seinem Hausstand und deshalb muss der Bräutigam einen Brautpreis entrichten. Ja, er muss die Braut auslösen mit einem Los (Kicha).

Hochzeitsgeld und Brautpreis können so hoch sein, wie ihr wollt, ich werde alles bezahlen. Nur lasst mich Dina heiraten!» (1Mo 34,12)

Jesus hat den höchsten Brautpreis für uns bezahlt. Er hat sein eigens Blut für uns gegeben, um uns auszulösen aus der Macht der Sünde! Wir sind teuer erkauft. Und verpflichtet uns als Verlobte Ihm treu zu sein!

Christus opferte auch nicht das Blut von Böcken und Kälbern für unsere Sünden. Als er im Allerheiligsten sein eigenes Blut ein für allemal zum Opfer gab, hat er uns für immer und ewig von unserer Schuld vor Gott befreit. (Hebr 9,12)

Dann sagte er: «Dieses Blut ist das Siegel für den Bund, den Gott mit euch geschlossen hat.» (Hebr 9,20)



9. Das Versprechen (Ketuba)

Der Bräutigam muss dann feierlich versprochen und ein entsprechendes Dokument unterschreiben, dass er für die Braut sorgen wird, sie finanziell unterhalten, sie gut behandeln und in jeder Beziehung hinter ihr stehen wird!

So steht der Herr hinter uns. Er sorgt für uns! Wir sind geborgen! Er hat es versprochen!

Überlasst alle eure Sorgen Gott, denn er sorgt für euch. (1Petr 5,7)

Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euren Lebensunterhalt, um Essen, Trinken und Kleidung. Leben bedeutet mehr als nur Essen und Trinken, und der Mensch ist mehr als seine Kleidung. (Mt 6,25)



10. Die Geschenke

Dann holte er aus den Satteltaschen die mitgebrachten Geschenke hervor. Rebekka gab er Silber- und Goldschmuck und schöne Kleider, und auch ihrem Bruder und ihrer Mutter überreichte er viele wertvolle Geschenke. (1Mo 24,53)

Elieser brachte 10 Kamele mit (10 ist die Minjan) Der Heilige Geist hat im Hebräischen auch die Zahl 10. Wir werden mit dem Geist Gottes beschenkt, der uns erfüllt!

Und die Braut bekommt einen Ring an den Zeigefinger der rechten Hand! Warum dort? Um damit auf Gott hinzuweisen, in dessen Kraft die Ehe Bestand hat! So sollen auch wir auf Gott zeigen und Ihm die Ehre geben für unsere Treue und unser Durchhalten!



11. Das Bad (Mikwah) und die Salbung mit Öl

Ich badete dich, wusch dir das Blut ab und salbte dich mit duftenden Ölen. (Hes 16,9)

Die Braut reinigt sich und bereitet sich vor, dem Bräutigam zu begegnen! So sollen auch wir heilig und rein sein auf Sein Kommen hin!

Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde {O. und euer Geist und Seele und Leib werde gänzlich} tadellos bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. (1Thes 5,23)



12. Das Gewand und der Schmuck

Ich zog dir ein buntes, kostbares Kleid und Sandalen aus bestem Leder an. Du bekamst von mir ein Stirnband aus feinem Leinen und einen seidenen Umhang. Ich gab dir wertvollen Schmuck, legte dir Spangen an die Arme und eine Kette um den Hals. Deine Nase schmückte ich mit einem Ring, ich gab dir Ohrringe und setzte dir eine prachtvolle Krone auf. Du warst geschmückt mit Silber und Gold, du kleidetest dich in Leinen, Seide und bunt gewebte Stoffe. Die feinsten Speisen bekamst du: Brot, gebacken aus bestem Mehl, Honig und Öl. So wurdest du wunderschön und würdig, eine Königin zu sein. (Hes 16,10-13)

Auch uns wird der Mantel der Gerechtigkeit versprochen. Wir bekommen die weißen Kleider des Heils!

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet (Jes 61,10)

Wir sind die Braut Christi! Lasst uns in Erwartung auf Sein Kommen leben, hingegeben, versprochen, auserwählt, unter dieser Verheißung lebend! Das ist Advent! Das ist Freude! Das ist Leben, das sich lohnt! AMEN.





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