Predigt in der Lydia-Gemeinde am 22. August 2004
von Pastor Thomas Vollenweider
Hast Du Dich diese Woche schon mal überreden lassen? Vielleicht zu einem Eis mit Sahne?! Oder zum Schwimmen im See?
Oder heute mit zum Gottesdienst zu kommen?! Manchmal erachten wir es als Zeichen der Schwäche, wenn wir uns überreden
lassen! Und wir meinen, wir müssten uns nur stark genug dagegen stellen!
Zu Paulus sagte König Agrippa nach dessen Verteidigungsrede:
«Es fehlt nicht viel, und du überredest mich noch, ein Christ zu werden!» (Apg 26,28)
Hier ein Beispiel aus dem Alten Testament: Unter König Ahas von Juda kam es zu einem schrecklichen Bruderkrieg zwischen
den Judäern und den Israeliten! Der Grund? König Ahas hatte sich total von Gott abgewandt, er ließ Götzenstatuen von
Baal gießen und aufstellen, ja er verbrannte sogar seine eigenen Söhne als Opfer. In einer Schlacht gegen Israel erlitten
die Judäer eine gewaltige Niederlage: 120 000 erfahrene Soldaten fielen und 200 000 Frauen und Kinder wurden gefangen
genommen und weggeführt, das Land geplündert. So kehrten die Israeliten zurück nach Samaria, im Siegestaumel.
Und in der Heiligen Schrift lesen wir weiter:
In Samaria lebte ein Prophet mit Namen Obed. Als das israelitische Herr von der Schlacht zurückkam,
ging Oded den Männern entgegen und rief: „ Nur weil der Herrr, der Gott eurer Vorfahren, zornig auf
Juda war, hat er sie in eure hand gegeben. Ihr aber habt ein Blutbad angerichtet, das zum Himmel schreit!
Doch damit nicht genug: Nun wollt ihr die Überlebenden aus Juda und Jerusalem zu euren Sklaven machen.
Meint ihr etwa, dass ihr besser seid als sie? Habt nicht auch ihr gegen den Herrn, euren Gott, gesündigt?
So hört nun auf meinen Rat, und schickt die gefangenen wieder zurück, die ihr aus Juda verschleppt habt.
Sonst wird der Zorn des Herrn euch treffen.“ Auch einige Sippenoberhäupter aus dem Stamm Ephraim stellten
sich dem Heer in den Weg. Es waren Asarja, der Sohn Johanans, Berechja, der Sohn Meschillemots, Jehiskija,
der Sohn Schallums, und Amasa, der Sohn Hadlais. Und sie redeten den Soldaten ins Gewissen: „Bringt die
gefangenen nicht hierher! Damit ladet ihr noch mehr Schuld auf uns. Wir haben schon genug Unrecht getan,
und der Zorn Gottes ist gegen uns entbrannt!“ Da gaben die Soldaten ihre Gefangenen frei und legten die
Beute offen vor die führenden Männer und die versammelten Israeliten. (2. Chronik 28,9-15)
Die Soldaten ließen sich überreden! Sie haben Einsicht gezeigt und ganz gegen ihre Natur und ihren Stolz gehandelt!
Es war ein großartiger Sieg Gottes über den Drang zur Selbstverwirklichung Seines Volkes! Ein Sieg der Menschlichkeit
gegen die Barbarei! „Du hast gewonnen, Gott! Ich gebe mich geschlagen! Ich tue, was Dir gefällt!“
Und der Prophet Jeremia bekennt mitten in einer schweren Prüfung:
Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen! Du bist stärker als ich und hast den Kampf gewonnen.
(Jer 20,7)
„Du bist stärker als ich und hast den Kampf gewonnen!“ Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis! Es ist der Punkt,
an dem wir unsere Auflehnung gegen Gott aufgeben, die Rebellion ein Ende nimmt. Der fleischliche Kampf, das
Auf-beiden-Seiten-Hinken, das Mit-Gott-agumentieren kommt zu einem Ende. Die Positionen sind ein für allemal
geklärt: Du hast gewonnen, Gott! Er ist der Herr in meinem Leben und ich richte mich nach Ihm, ich unterstelle
mich Seiner Autorität. Ich erkenne Seine Gebote an und lebe nach ihnen. Es ist auch der Punkt, an dem ich meinen
Stolz überwinde und mich demütige vor Gott.
Dies ist ein Schlüsselerlebnis in der Nachfolge und eine Grunddisposition der Jünger Jesu. GEHORSAM!
Er ist der Meister, wir sind die Azubis, Er sagt, wo’s langgeht, wir folgen Ihm! Gehorsam ist die andere
Seite von Vertrauen. Erst zusammen machen sie den biblischen Glauben aus. In einer alten Hymne haben wir
gesungen: „Trust and obey, for there’s no other way to be happy in Jesus than to trust and obey.“
Vertrauen und Gehorchen! Es gibt keinen anderen Weg!
Ein weiteres Beispiel: Der Sündenfall. Adam & Eva lebten in der Gegenwart Gottes, im Paradies. Gott segnete
sie und sie sollten über alles herrschen, von allem profitieren.
Gott, der Herr, setzte den Menschen in den Garten von Eden. Er gab ihm die Aufgabe, den Garten zu bearbeiten
und zu schützen. Dann schärfte er ihm ein:
«Von allen Bäumen im Garten darfst du essen, nur nicht von dem Baum,
der dich Gut und Böse erkennen läßt. Sobald du davon ißt, mußt du sterben!» (1Mo 2,15-17)
Die Schlange war listiger als alle anderen Tiere, die Gott, der Herr, gemacht hatte. «Hat Gott wirklich gesagt,
daß ihr von keinem Baum die Früchte essen dürft?» fragte sie die Frau. «Natürlich dürfen wir», antwortete die
Frau, «nur von dem Baum in der Mitte des Gartens nicht. Gott hat gesagt: 'Eßt nicht von seinen Früchten, ja - berührt
sie nicht einmal, sonst müßt ihr sterben!'» «Unsinn! Ihr werdet nicht sterben», widersprach die Schlange, «aber Gott
weiß: Wenn ihr davon eßt, werden eure Augen geöffnet - ihr werdet sein wie Gott und wissen, was Gut und Böse ist.»
Die Frau schaute den Baum an. Er sah schön aus! Seine Früchte wirkten verlockend, und klug würde sie davon werden!
Sie pflückte eine Frucht, biß hinein und reichte sie ihrem Mann, und auch er aß davon. Plötzlich gingen beiden die
Augen auf, und ihnen wurde bewußt, daß sie nackt waren. Hastig flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich
einen Lendenschurz. Am Abend, als ein frischer Wind aufkam, hörten sie, wie Gott, der Herr, im Garten umherging.
Ängstlich versteckten sie sich vor ihm hinter den Bäumen. Aber Gott rief: «Adam, wo bist du?»
(1Mo 3,1-9)
Durch Ungehorsam kam die Sünde in diese Welt und das Vertrauen war angeschlagen, die Vertrautheit mit Gott dahin!
Adam & Eva versteckten sich! Das war der Beginn der Rebellion, der Auflehnung gegen Gott, der Gesetzlosigkeit!Und erst
durch den vollständigen Gehorsam des zweiten Adams, Christus, konnte die Beziehung zu Gott wieder für alle Menschen
erschlossen werden!
Eine wichtige Frage für uns alle: Sind wir stolz und rebellisch oder demütig und hingegeben? Ist der Kampf
bei uns schon entschieden? Oder in Anlehnung an die IKEA-Werbung: „Kämpfst du noch oder lebst du schon - mit
dem Herrn?“ Darf die Sünde noch regieren oder Sein Geist in Dir? Trägst Du immer noch Deinen Panzer, Deine
schwere Rüstung?
Der Demütige ist auf Hilfe angewiesen. Der Stolze braucht niemanden, er geht seinen Weg alleine! Der Demütige
schreit um Hilfe; wer demütig ist, sucht sich geistliche Hilfe, eine Person, die ihm alles sagen darf, der
„reinsprechen“ darf in mein Leben. Er sucht die Korrektur und versteht sich nicht als Kritik! Der Stolze hingegen
lässt sich nichts sagen, nimmt keine Korrektur an. Es dreht sich alles um ihn. Es gibt auch eine "sehr fromme" Version
von Stolz!
„Ich, meiner, mich und mir – Herr, segne doch uns vier!“
Wir können stolz sein auf Erkenntnis, auf Wunder, auf Bibelwissen, auf unsere Gaben, unsere Gebete, unsere Zurückhaltung,
sogar auf unsere Demut! Stolz bringt Ich-Bezogenheit hervor, Demut aber Glaube und Christus in mir! Und Rebellion? Wie
steht es damit? Rebellion ist die Schwester von Stolz. Sie treten oft zusammen auf! Rebellion zeigt sich nach außen!
Wer in Rebellion lebt, der ist ein Nein-Sager. Jemand, der rebellisch ist, versucht sein Umfeld zu kontrollieren und
manipuliert Leute um sich herum. Die Ursache ist immer Mangel an Liebe und Annahme!
Eine wichtige Frage: Wo ist bei mir noch Stolz vorhanden? Oder Rebellion? Wo ist der Kampf noch in vollem Gange?
Wo kämpfen wir noch mit Gott um die Vormachtsstellung?
Wenn wir um Demut beten, dann schickt uns Gott oft in die Wüste. So ging es dem Propheten Jeremia. Er fühlte sich von
Gott verlassen, unverstanden, allein! Es war eine extrem schwierige Zeit, die er durchgemacht hat.
Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen! Du bist stärker als ich und hast den Kampf gewonnen.
Und nun werde ich lächerlich gemacht - tagaus, tagein; alle verhöhnen mich! Denn sooft ich das Wort ergreife, schreie
ich: «Gewalt und Zerstörung erwarten euch!» Deine Botschaft bringt mir nichts als Hohn und Spott. Wenn ich mir aber
vornehme: «Ich will nicht mehr an den Herrn denken und nicht länger in seinem Namen reden», dann brennt dein Wort
in meinem Herzen wie ein Feuer, ja, es glüht tief in mir. Ich habe versucht, es zurückzuhalten, aber ich kann es
nicht! Ich höre viele hinter meinem Rücken tuscheln: «Von ihm hört man nichts als Schreckensmeldungen! Zeigt ihn an,
wir wollen ihn verklagen!» Alle, denen ich vertraut habe, lauern darauf, wann ich zu Fall gebracht werde. «Vielleicht
läßt er sich hereinlegen, dann ist er in unserer Gewalt, und wir können uns an ihm rächen!» sagen sie. Du, Herr, stehst
mir bei wie ein mächtiger Held! Darum werden meine Feinde stürzen und nicht den Sieg davontragen. Nein, es wird ihnen
niemals gelingen! Unvergeßlich und groß wird ihre Schande sein! Herr, allmächtiger Gott, du prüfst die Menschen, die dir
dienen, du kennst sie ganz genau. Laß mich mit eigenen Augen sehen, wie du meine Feinde für ihre Bosheit bestrafst! Dir
habe ich meinen Fall anvertraut. (Jer 20,7-12)
Jeremia hat durch Demütigungen Demut gelernt! Sein Glaube wurde geprüft und geläutert wie Eisen im Feuer!
Ja, Gott will unsere Kapitulation, das Ende unserer religiösen Bemühungen, alles in eigener Kraft schaffen
zu wollen.
Ich bin viele Irrwege gegangen, bis ich mir eingestehen mußte: «So geht es nicht weiter!» Daher will ich mich jetzt
nach deinem Willen richten. (Ps 119,67)
Herr, ich weiß, daß deine Entscheidungen richtig sind. Selbst als du mich in unlösbare Schwierigkeiten brachtest,
meintest du es gut mit mir. (Ps 119,75)
Nur durch Zerbruch führt der Weg zu Gottes Neuschöpfung! Das wird uns im Kapitel 19 eindrücklich vor Augen geführt.
Gott beauftragt Jeremia, eine Objektlektion durchzuführen, die ihre Wirkung nicht verfehlen sollte:
Der Herr befahl mir: «Kauf dir beim Töpfer einen Tonkrug. Dann nimm einige von den Ältesten des Volkes
und den Priestern mit, und geh zum Scherbentor hinaus ins Hinnomtal! Dort sollst du verkünden, was ich dir
sage! (Hier folgt die Botschaft Gottes an Sein Volk) (Jer 19,1-2)
Nachdem du ihnen das angekündigt hast, sollst du den Tonkrug vor den Augen der Männer, die dich begleitet haben,
zerschmettern und sagen: So spricht der Herr, der allmächtige Gott: Ich will dieses Volk und diese Stadt
zerschmettern wie den Tonkrug, den man nicht wiederherstellen kann. (Jer 19,10-11)
Auch bei uns muss manchmal etwas erst zerbrechen, bevor der Herr Sein Werk in uns tun kann! Nur wenn wir die eigene
Rüstung ablegen, kann Er anfangen, uns zu schützen!
Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott,
nicht verachten. (Ps 51,19) (Luther)
Gott sucht unseren Gehorsam, unsere Bereitschaft zur Hingabe an Ihn, zur Unterordnung unter Seine Herrschaft
und Seine Autorität. Übrigens bedeutet das auch, dass ich mich geistlichen Leitern unterordnen kann, ihre
von Gott gegebene Autorität anerkenne und auf ihr Wort achte.
Verkündige den Menschen Gottes Wort. Setze dich dafür ein, und zwar überall und zu jeder Zeit! Rede ihnen
ins Gewissen, weise sie zurecht, und ermutige sie, wo es nötig ist. Lehre sie geduldig, den richtigen Weg
zu gehen. (2Tim 4,2 )
Ein Hochmütiger will nicht ermahnt werden, darum meidet er den Umgang mit klugen Menschen.
(Spr 15,12)
Ein Jünger Jesu ist ein Mensch, der sich freiwillig Jesus unterordnet, der auf Seine Stimme hört und tut, was Er sagt!
Sein Gehorsam entspringt seinem Vertrauen zum Herrn. Er möchte Gottes Plan in seinem Leben verwirklichen! Er versucht
nicht mehr, sich selber zu verwirklichen, sondern Christus Raum zu geben. Sein Motto lautet: „Ich muss abnehmen, Er
soll zunehmen!“ Er oder sie fügt sich auch in die Gemeinschaft der Jünger ein, als Teil am Leib Jesu, verbunden mit
allen anderen und abhängig von allen anderen.
Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen! Du bist stärker als ich und hast den
Kampf gewonnen.(Jer 20,7)
Das ist keine Resignation, sondern der Sieg Gottes über mein fleischliches Denken, über die Vorherrschaft von Körper
und Seele, Unbeugsamkeit, Auflehnung, Egoismus und Unbelehrbarkeit! Es ist auch der Punkt, wo wir alles auf den Altar
legen und nichts mehr für uns behalten. Völlige Hingabe und umfassende Heiligung! Das ist Gottes Plan mit uns! Etliche
in unserer Gemeinde sind an diesem Punkt bzw. kurz davor! Sie wollen die verändernde Kraft Gottes erleben, spüren aber
, dass sie noch etwas davon zurück hält! Kannst Du heute vielleicht schon sagen:
Herr, Herr,du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen! Du bist stärker als ich und hast den Kampf
gewonnen. (Jer 20,7)
oder wird der Kampf noch andauern? Niemand kann Dir das abnehmen! Aber wie viel schöner ist es doch, nicht gegen
Gott zu kämpfen, sondern mit Ihm gegen den Feind! Er hilft Dir bei Deiner Kapitulation und ist Dir nahe in Deinem
Zerbruch! Wenn der religiöse Geist in uns stirbt, dann kann Er auferstehen und Sein Leben in uns führen! „Nicht
mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“ (Gal.2,20). Das ist das Geheimnis der Heiligung!