Feste feiern - wie sie fallen

Kurzpredigt für den Open-Air-Gottesdienst am 24.08.2003
Pastor Thomas Vollenweider




Im Evangelium nach Lukas lesen wir im Kapitel 15 Vers 11-24 das "Gleichnis vom verlorenen Sohn":

"Ein Mann hatte zwei Söhne", erzählte Jesus. "Eines Tages sagte der Jüngere zu ihm: `Vater, ich will jetzt schon meinen Anteil am Erbe ausbezahlt haben.' Da teilte der Vater sein Vermögen unter ihnen auf. Nur wenige Tage später packte der jüngere Sohn alles zusammen, verließ seinen Vater und reiste ins Ausland. Endlich konnte er sein Leben in vollen Zügen genießen. Er leistete sich, was er wollte, bis er schließlich keinen Pfennig mehr besaß. Zu allem Unglück brach in dieser Zeit eine große Hungersnot aus. Es ging ihm sehr schlecht. In seiner Verzweiflung bettelte er so lange bei einem Bauern, bis der ihn zum Schweinehüten auf die Felder schickte. Oft quälte ihn der Hunger so, daß er froh gewesen wäre, etwas vom Schweinefutter zu bekommen. Aber selbst davon erhielt er nichts. Da kam er zur Besinnung: `Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger. Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Aber kann ich nicht als Arbeiter bei dir bleiben?' Er stand auf und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn. Doch der Sohn bekannte: `Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.' Sein Vater aber befahl den Knechten: `Beeilt euch! Holt den schönsten Anzug, den wir im Hause haben, und gebt ihn meinem Sohn. Bringt auch einen kostbaren Ring und Schuhe für ihn! Schlachtet das Kalb, das wir gemästet haben! Wir wollen feiern! Mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt hat er zurückgefunden.' Und sie begannen ein fröhliches Fest.

Wie kommt es zu diesem Fest? Was ist geschehen? Welchen Anlass gab es zu feiern?


1. FLUCHT

„Er ging in ein fernes Land“ - Flucht in Die Freiheit!? Der Mensch löst sich von Gott, sucht die Freiheit von allen Bindungen und Abhängigkeiten! Endlich konnte er sein Leben in vollen Zügen genießen. Er leistete sich, was er wollte. Er hat Geld genug und leistet sich ein ausschweifendes Leben in Hülle und Fülle. – Viele Menschen leben auch heute nach diesem Prinzip! Sie emanzipieren sich, schütteln Konventionen ab und suchen ihr Glück!


2. HUNGERSNOT

Das Geld war bald zu Ende! Das Erbe verprasst. Das Elend groß!

Zu allem Unglück brach in dieser Zeit eine große Hungersnot aus. Es ging ihm sehr schlecht. (Lk 15,14)

In der Gottesferne beginnt die große Leere, der Hunger nach Sinn und Erfüllung, Liebe und Annahme! – In Deutschland herrscht eine gewaltige Hungersnot: Ein Verlangen nach Liebe und Annahme! Deshalb greifen so viele Menschen auf der Suche nach dieser Geborgenheit und Liebe zu allem möglichen und unmöglichen Ersatz! Aber die Sehnsucht bleibt, der Lebenshunger nicht gestillt!

Der junge Mann im Gleichnis verliert alles und landet als Schweinehirt! Die Einsamkeit war überwältigend, der Schrei nach Liebe immer noch da – eine verzweifelte Situation! Lebte er doch weit unter seinem Niveau! – Der Gottlose ist auf Dauer auf verlorenem Posten!


3. BESINNUNG

„Da kam er zur Besinnung!“ (V. 17) Er geht in sich und trifft eine wichtige Entscheidung:

Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger.
Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. (Lk 15,18)
Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Aber kann ich nicht als Arbeiter bei dir bleiben?' (Lk 15,19)

Er denkt an seinen Vater zu Hause und legt sich dieses Sprüchlein zurecht. Er denkt: Wenn ich sein Tagelöhner werde, dann wird er mich nicht rausschmeißen können! Auch wir ertappen uns manchmal dabei, dass wir meinen, Gott müsse doch unsere Leistung anerkennen!

Er stand auf und ging zurück zu seinem Vater. (Lk 15,20)

Das ist die Umkehr zu Gott (Bekehrung!). Wenn wir auf dem falschen Weg sind, ist Umkehr der schnellste Schritt voran!


4. EMPFANG

Die große Frage lautet jetzt: Wie wird er aufgenommen? Schließlich hat er sein ganzes Vermögen verprasst und zudem die Ehre der Familie in den Dreck gezogen!

Er stand auf und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn. (Lk 15,20)

Der Vater hält schon Ausschau nach dem verlorenen Sohn! Er erkennt ihn von weitem, d.h. zu diesem Zeitpunkt stand er da und wartete auf diesen Moment! Wie oft er wohl dort unter dem Tor seines Anwesens stand? Und jetzt vergisst er seine Würde, krempelt sein Kleid hoch und läuft dem Sohn entgegen! Er umarmt ihn und gibt ihm den Vaterkuss und gibt damit zum Ausdruck: „Ich bin noch immer dein Vater, ich habe dich noch immer lieb, willkommen zu Hause!“ In diesem Moment erkennt der Sohn das Herz des Vaters! Er sagt zwar noch sein eingeübtes Sprüchlein auf:

`Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.' (Lk 15,21)

Aber er spürt, das Unglaubliche wird wahr: Er wird wieder eingesetzt, seine Schuld wird ihm vergeben, er kann noch einmal ganz von vorn beginnen!


5. ANNAHME

Ein Diener wird geschickt, um die Schuhe zu bringen! Nicht irgendwelche Schuhe, sondern seine Schuhe, die die ganze Zeit bereit standen! Und Schuhe waren damals das Zeichen der Freien! Sklaven durften keine Schuhe tragen! Dann wird ihm der Ring gebracht – der Siegelring des Vaters, d.h. er wird wieder eingesetzt mit der ganzen Vollmacht des Vaters. Einer, der aus dem größten Dreck kommt, wird in die höchste Vollmacht versetzt! Und dann das Kleid! Vielleicht war es ein weißes Kleid, um allen sichtbar zu machen: Vergebung ist gewährt, Schuld getilgt, der Sohn wieder eingesetzt!


6. FEST

Und jetzt wird gefeiert!

Schlachtet das Kalb, das wir gemästet haben! Wir wollen feiern! Mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt hat er zurückgefunden.' Und sie begannen ein fröhliches Fest. (Lk 15, 23 u. 24)

Und das gilt auch für uns heute! Wir dürfen zurückkehren zum Vater, in Sein Herz voller Liebe und Erbarmen blicken, Seine Annahme und Wiederherstellung erfahren! Heimkommen, ankommen, einfach da sein, nicht mehr auf der Flucht! Auf der ständigen Suche, die zur Sucht werden kann. Wir müssen unseren Lebenshunger nicht mehr am Schweinetrog stillen!

Bei Gott ist das Leben in Seiner ganzen Fülle! Bei Ihm ist Freude und Freiheit! Wirklich frei werden können wir nur in Beziehung und freiwilliger Abhängigkeit von Gott, unserem Schöpfer! Je fester ein Baum im Erdreich verwurzelt ist, desto freier ist er in seinen Ästen, sich zu bewegen!

Lassen Sie sich doch einladen zum Fest! Nicht nur zu unserem Sommerfest heute, sondern zum Fest des Lebens, zum Fest der Versöhnung und Rettung! Kommen Sie zurück zum himmlischen Vater und Ihr Leben kann noch einmal ganz von vorne beginnen!

So wie in den Familien die Rückkehr der Sahara-Geiseln jetzt gefeiert wird, so dürfen auch wir unsere Umkehr zu Gott feiern! Jesus ist der Mittler, Er ist der Weg zurück ins Vaterhaus! Lasst uns gehen!




AMEN.





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