Geisterfülltes Leben -

Was passiert wenn der Geist Gottes unserer Leben bestimmt?

Apg 2,14, 36-47

Predigt am 15.06.2003
von Masha Mansour, Büsingen (Praktikantin)


Die Zeitschrift Geo hat diesen Monat den Hauptartikel an Schönheitsoperationen gewidmet. Ich lese ein wenig daraus vor: „Augenblick mal! Langsam! Wir wollen das noch genauer sehen. Diese Lippen. Stimmt, sie sind wirklich voller als vorher. Diese Augen, ja, der Blick wirkt weniger müde, wenn die Lider nicht mehr hängen. Und die Stirn – deutlich weniger Falten, das Gesicht scheint tatsächlich entspannter zu sein. Wir betrachten die neue Nase des Nachbarn, den Bauch und den Busen der Kollegin, mustern in Zeitschriften Bilder von Unbekannten und Berühmtheiten. Und wir vergleichen: vorher, nachher.“

Es gibt auch Bilder zum Thema, wie zum Beispiel dieses, von einem Chinesischen Mädchen, dessen Beine verlängert wurden, weil größeren Frauen bessere Heirats- und Karrierechancen zugetraut werden.

Vorher, nachher. Wir kennen es auch aus dem Bereich der Reklamen. Um Werbung zu machen für ein Mittel gegen Haarausfall, werden Bilder benutzt: vorher - nachher.

Ein Vorher-Nachher Vergleich können wir auch auf die Jünger Jesu anwenden. Nachdem der Heilige Geist gekommen ist, sind sie nicht mehr dieselben. Vieles hat sich geändert. Heute schauen wir uns drei Bereiche an, worin der Heilige Geist Änderung bringt: Mut, Verständnis und Gemeinschaft.



1. Mut

Als Jesus seinen Jüngern verspricht, dass der Heilige Geist kommen wird, benutzt er ein interessantes Wort: parakaletos. Dies finden wir in Johannes 14, 15 und 16. Das Wort kann auf verschiedene Art und Weisen übersetzt werden: Tröster, Anwalt, Helfer, Beistand. Das Verbum parakaleo bedeutet auch ermutigen. Der Heilige Geist ist einer der ermutigt. Wir können das sogar buchstäblich verstehen: der Heilige Geist er-mut-igt, gibt Mut.

Wenn wir an die 12 Jünger denken, sehen wir den Vorher-Nachher-Unterschied am stärksten bei Petrus. „Vorher“ war er eher ängstlich. Er redete als wäre er mutig. Er sagte es so leicht: ’Wenn dich auch alle anderen verlassen – ich halte zu dir! (Markus 14, 29, auch in Matthäus 26, 33, In Lukas 22, 33 heißt es: „ich bin jederzeit bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen und sogar für dich zu sterben.“ Und in Johannes 13,37 „Ich wäre sogar bereit für dich zu sterben!“)

Aber leider schaffte er es nicht, sich an seine Worte zu halten. Als die Drohung zu groß wurde, bekam er Angst. Die Aussicht verhaftet zu werden, war doch nicht so attraktiv. Und unter diesen Umstände behauptete er, Jesus nicht zu kennen. Er verleugnete seinen Herrn. Kein Mut, sondern Angst hat sein Benehmen bestimmt.

Wie anders war es, nachdem der Heilige Geist gekommen war. Die Veränderung fand ziemlich schnell statt. Kaum haben die Jünger den Heiligen Geist empfangen, als Petrus aufstand und zur Menge sprach. Keine Angst, sondern Mut hat sein Benehmen bestimmt. Er ging ein Risiko ein. Er hätte auf der Stelle verhaftet werden können. Genau wie einige Wochen vorher, als er Jesus verleugnet hat. Aber jetzt war es ihm nicht wichtig. Der Heilige Geist hat ihm Mut geschenkt. Darum konnte er frei reden (Apg 2,36 – 41):

Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, daß Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: „Was sollen wir tun, Brüder?“ Petrus aber [sprach] zu ihnen: „Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch ist die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“ Und mit vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie, indem er sagte: „Laßt euch retten von diesem verkehrten Geschlecht!“ Die nun sein Wort aufnahmen, wurden getauft; und es wurden an jenem Tage hinzu getan bei dreitausend Seelen.

Auch nach Petrus gibt es viele Beispiele von Gläubigen, die sich nicht mehr von Angst regieren lassen, sondern vom Heiligen Geist den Mut bekommen, frei von Jesus zu reden. Jesus hat gesagt: „Aber ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein.“ (Apg 1:, 8a) Kennen wir diese Erfahrung aus unserem Leben? Haben wir mal vom Heiligen Geist den Mut bekommen, im richtigen Moment das richtige zu sagen? Ich hoffe, dass uns alle einige Beispielen aus unseren Leben in den Sinn kommen. Bei mir ist es ziemlich oft passiert. Einmal war es, als ich an einen Fachhochschule studierte. Ein Student, der sehr kritisch das Glauben gegenüber war, fragte mich mal, wie ich mit einer bestimmten, ziemlich schwierige Person umgehen konnte. Ich erfuhr, dass der Heilige Geist es mir eingab, diese Situation zu benutzen, um etwas von meinen Glauben an Jesus mitzuteilen.



2. Verständnis


Die Jünger, und auch wir, bekamen vom Heiligen Geist Mut, aber das ist nicht die einzige Änderung, die statt fand. Auch das Verständnis nahm zu. Wenn wir die Evangelien lesen, fällt auf, dass die Jünger Jesus eigentlich nicht so gut verstanden. Das war nicht nur der Fall am Anfang, als sie Ihn gerade kennen lernten, sondern sogar noch am Ende, als sie schon drei Jahre mit Ihm zusammen waren. In Johannes 16, 18 geben sie ihren Mangel an Verständnis sogar zu. Jesus redet davon, was passieren wird und die Jünger reagieren: ’Was meint er bloß damit? Was heißt ‚Ich werde nur noch kurze Zeit bei euch sein?’ Und was bedeutet es, wenn er sagt ‚Ich gehe zum Vater?’ Wir verstehen das nicht.’ Das ’Nicht-Verstehen’ sehen wir auch bei den zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Jesus spricht die beiden an: „Wie wenig versteht ihr doch!“ Und erklärt was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wird (Lukas 24,25-27).

Es ist nicht unverständlich, dass es schwierig ist für die Jünger, und eigentlich überhaupt für Menschen, Jesus zu verstehen. Er ist so ganz anders. Gott ist nicht wie Menschen. „Seine Gedanken sind nicht wie unsere Gedanken“, heißt es in Jesaja.

Jesus hat alles von einer anderen Perspektive aus gesehen. Er sah es von Gottes Perspektive, einer Ewigkeits-Perspektive. Die Jünger sahen die Sachen aus der menschlichen Perspektive. Darum konnten sie Jesus nicht immer verstehen. Aber das änderte sich, als der Heilige Geist gekommen war. Jesus hat es schön vorausgesagt: „Wenn ich beim Vater bin, will ich euch jemanden senden, der euch zur Seite stehen wird, den Geist der Wahrheit. Er wird vom Vater kommen und bezeugen, wer ich bin“ (Joh. 15, 26). Eine Eigenschaft des Heiligen Geistes ist, Jesus bekannt zu machen. Das heißt, dass durch die Wirkung des Heiligen Geistes Ungläubige Jesus kennen lernen und auch, dass der Heilige Geist bewirkt, dass wir, die Gläubigen, Jesus besser verstehen.

Gerade das passiert bei den Jüngern. Es war nur einige Wochen her, dass sie Jesus um Erklärung bitten mussten, aber jetzt konnten sie es anderen erklären. Lesen wir Apg 2, 14:
„Da erhob sich Petrus mit den anderen elf Aposteln und rief der Menge zu: ’Hört her, ihr jüdischen Männer und ihr Einwohner von Jerusalem. Ich will euch erklären, was hier geschieht.“

Der Heilige Geist hat Petrus nicht nur Mut gegeben, aber er hat auch das Verständnis zunehmen lassen. Wenn einer nur Mut hat, und ganz begeistert jedem von Jesus erzählen will, aber eigentlich nicht gut versteht, wer Jesus ist. Das bringt nicht viel. Wir brauchen den Heiligen Geist, der uns mehr und mehr beibringt, wer und wie Jesus ist. Wenn wir in unserem Leben einige Jahre zurückgucken, können wir sehen, dass der Heilige Geist uns in der Zwischenzeit mehr von Jesus gezeigt hat?



3. Gemeinschaft

Nachdem der Heilige Geist gekommen war, wuchs bei den Jüngern der Mut und das Verständnis für Jesus. Auch im Bereich der Gemeinschaft gab es große Änderung. Es ist schwierig, genau zu sagen, wie die Gemeinschaft der Jünger war, bevor sie mit dem Heiligen Geist erfüllt waren. Einige von ihnen kannten einander schon, bevor Jesus sie rief. Einige waren sogar Brüder. Ich kann mir vorstellen, dass es Spannung gegeben hat zwischen denen, die einander schon kannten und denjenigen, die neu dazu gekommen sind. Und sie haben manchmal schlimme Momente erlebt, einfach weil sie so unterschiedlich waren. Das ist ja nicht ungewöhnlich, wenn zwölf Leute eng zusammenleben.

Ein Beispiel, das zeigt, dass ihr Verhältnis nicht immer gut war, steht in Lukas 22, 24. Es ist während des Abendmahls. Jesus wird in einige Stunden verhaftet werden. Und womit beschäftigen sich die Jünger? Mit der Frage, wer von ihnen der Wichtigste sei… Das zeigt eine ’jeder für sich’ Mentalität, die uns Menschen nicht unbekannt ist. Jesus hat es schon vorausgesagt, dass die Jünger sich in der Nacht seiner Verhaftung von ihm abwenden und auseinander laufen würden. Statt sich alle zusammen hinter Jesus zu stellen, sind sie davon gerannt, jeder für sich.

Wenn wir die Stelle über das Leben der ersten Christen lesen, in Apostelgeschichte 2, 42-47, sehen wir, wie sehr der Heilige Geist die Jünger geändert hat. Lesen wir:
„Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Es kam aber jede Seele Furcht an, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, welche glaubten, waren beisammen und hatten alles gemein; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nach dem einer irgend Bedürfnis hatte. Und indem sie täglich einmütig im Tempel verharrten und zu Hause das Brot brachen, nahmen sie Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volke. Der Herr aber tat täglich [zu der Versammlung] hinzu, die gerettet werden sollten.“

Wo ist die ’jeder für sich’ - Mentalität? Verschwunden. Und ersetzt durch richtige Gemeinschaft. Wie ist das bei uns? Was sind unsere Gedanken, wenn wir diese Stelle lesen? Ist es für uns ein Traum, ein unerreichbares Ideal? Sehnen wir uns danach, unser ganzes Leben miteinander zu teilen, inklusive unser Geld? Oder geht uns das zu weit? Es gibt Christen, hier und heute, die glauben, dass Gott die Gemeinden zurückruft, zu leben, wie es hier beschrieben ist. Wolfgang Simson ist einer ihrer Vertreter. Er sieht Hauskreise als die eigentliche Kirchen. Christen treffen sich regelmäßig zu Hause, essen zusammen, beten, lesen die Bibel und ziehen auf diese Art und Weise neue Leute an. Auf der Bibelschule haben wir sein Buch benutzt für den Kurs Gemeindegründung – Gemeindewachstum. Einige Mitstudenten waren ziemlich enttäuscht von der Idee, als Christen so eng miteinander um zu gehen. Sie fanden es wichtig mehr ’Privat-Leben’ zu behalten. Für sie war es schwierig, diese Treffen nicht als ’Aktivitäten’ zu sehen, sondern als eine Lebensweise. Und das ist gerade was Wolfgang Simson als das Problem erkennt. In vielen Kirchen und Gemeinde ’Gehen wir zur Kirche’, das heißt, wir gehen zu bestimmten Aktivitäten in ein bestimmtes Gebäude zu einer bestimmten Uhrzeit. Er will die Christen ermutigen, zu erkennen, dass sie die Kirche sind. Nicht zur Kirche gehen, sondern die Kirche sein. In Gemeinschaft das Christ-sein ausleben. Und das wird, seiner Meinung nach, neue Leute anziehen.

Als ich in Russland war, haben wir in der Gemeinde dort erfahren, wie Gemeinschaft Leute anziehen kann. Wir gingen mit einigen Christen, vor allem junge Leuten, regelmäßig in ein Dorf evangelisieren. Tagsüber sprachen wir mit Leuten und luden sie ein zum Abendprogramm. An einem Abend kam eine Frau zu einem unserer Mitarbeiter. Sie erzählte dass sie sich bekehrt habe und fragte, ob sie ihre Zeugnis geben könne. Das wurde ihr erlaubt, sie betrat die Bühne und sprach. Die Woche davor war sie in ihrem Haus und hatte ein starkes Gefühl, dass sie nach draußen gehen müsste. Als sie das tat, sah sie eine Gruppe junger Leute aus einen Bus kommen und war beeindruckt von die Atmosphäre und von die Art und Weise wie die Leute miteinander umgingen. Sie wusste sofort, dass es etwas Spezielles gab und dass sie dieses auch brauchte. Aber sie hatte Angst, auf die Leute zuzugehen, und keiner von uns hat diese Frau gesehen. Später fand sie in ihrem Briefkasten ein Traktat, las es und betete das Bekehrungsgebet. Diese Geschichte hat uns sehr beeindruckt, gerade weil wir uns nicht bewusst auf eine bestimmte Art und Weise benahmen.

Hoffentlich könnt ihr alle mindestens ein Beispiel geben von dem, wie ihr durch den Heiligen Geist verändert worden seid. Seid ihr auch verändert worden von ängstlichen zu mutigen Menschen? Hat der Heilige Geist auch euer Verständnis von Jesus wachsen lassen? Und habt auch ihr die ‚jeder für sich’-Mentalität hinter sich gelassen? Mit anderen Worten: wie fällt der Vorher-Nachher Vergleich bei uns aus? Hier geht es um mehr als eine Schönheitsoperation! Es ist kein äußerliche, sondern eine innerliche Änderung. Nicht nur die Oberfläche, sondern das tiefste Wesen wird von Heiligen Geist verändert.

Jesus hat gesagt: „Der Heilige Geist, den euch der Vater an meiner Stelle als Helfer senden wird, er wird euch an all das erinnern, was ich euch gesagt habe, und euch meine Worte erklären. Auch wenn ich nicht bei euch bleibe, sollt ihr doch Frieden haben. Meine Frieden gebe ich euch, einen Frieden, den euch niemand auf der Welt geben kann. Seid deshalb ohne Sorge und Furcht!“ (Joh. 14, 26-27)



AMEN.





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