Fasten und Gebet

Predigt in der Lydia-Gemeinde am 06. April 2003
Pastor Martin Wahl (Petrus-Gemeinde)


Wozu eine Gebetswoche gut ist, das mag uns ja noch einigermaßen einleuchten. Aber Fasten? Wozu das denn? Reicht es etwa nicht, wenn wir „nur“ beten? Warum müssen wir jetzt auch noch Fasten? Verfallen wir jetzt in so einen religiösen Extremismus oder in einen neuen Legalismus? Müssen wir uns jetzt also doch etwas erarbeiten, müssen wir uns die Gunst Gottes, die Erhörung unserer Gebete jetzt also doch durch bestimmte geistliche Übungen erst verdienen?



„Fasten“ in Verbindung mit Gebet ist uns leider heute ziemlich fremd geworden. Aber wenn wir die Bibel durchblättern, dann stellen wir fest: Fasten war zu allen Zeiten - im Alten und Neuen Testament - ein fester Bestandteil der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Im Alten Testament gab es ganz bestimmte jährliche Fastenzeiten - z.B. den Versöhnungstag (Yom Kippur), den höchsten Feiertag in Israel, an dem der Hohepriester Versöhnung für das ganz Volk erlangte. Dieser Tag war ein Fastentag für das ganze Volk. Außerdem gab es immer wieder Fastenzeiten, die entweder nur von Einzelnen oder als ganzes Volk begangen wurden, z.B.

- Mose fastete 40 Tage und Nächte lang, bevor er von Gott die 10 Gebote empfing,
- Daniel fastete, als er die Schuld seines Volkes bekannte (Dan 9,1-3),
- als Israel von Feinden bedroht wurde, ordnete König Joschafat ein Fasten an (2. Chr 20,1-6),
- auch unter Esra und Nehemia kam das Volk zum Fasten und Beten zusammen.



Im Neuen Testament sehen wir, wie Jesus regelmäßig fastete. Am Anfang seines öffentlichen Dienstes verbrachte er 40 Tage und Nächte in der Wüste und er fastete. In der Bergpredigt (Mt 6,16-18) spricht Jesus dieses Thema dann auch ganz direkt an und er sagt:

„Wenn ihr aber fastet, so sehet nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinest, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“


Jesus setzt hier als selbstverständlich voraus, dass seine Jünger fasten. Er sagt nicht: „Ihr müsst fasten.“ Denn das wäre gesetzlich gewesen. Er sagt auch nicht: „Falls ihr fastet“. Dann wäre das Fasten nur eine Option gewesen, eine Möglichkeit unter vielen. Sondern Jesus sagt: „Wenn ihr fastet, dann...“ Jesus musste seine Jünger also nicht erst dazu auffordern, zu fasten, sondern sie mussten lediglich lernen, wie man auf die richtige Art und Weise fastet.
Von der alten Prophetin Hanna, die 84 Jahre alt war, als Jesus geboren wurde, heißt es bei Lukas (2,36-37): Sie diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.



In der Apostelgeschichte fasteten die Gemeindeleiter, als sie Missionare und Älteste auszuwählen hatten. Und auch Paulus spricht mehrfach vom Fasten (2. Kor. 6,5 u. Kap. 11). Und auch in der Kirchengeschichte spielte Fasten immer wieder eine Rolle: Unter den Christen des vierten Jh. war es üblich, zweimal pro Woche zu fasten. Und auch die Reformatoren (Luther, Calvin, John Knox) praktizierten das Fasten, weil sie davon überzeugt waren, dass das die Wirkung ihres Dienstes erhöhte.


Auch John Wesley praktizierte das Fasten und er wollte nicht, dass jemand ordiniert würde, der nicht bereit war, mindestens zweimal pro Woche bis vier Uhr nachmittags zu fasten. Im Jahr 1756 ließ König George II sogar einen nationalen Gebets- und Fastentag ausrufen, denn England wurde von einer französischen Invasion bedroht. Die ganze Nation betete und fastete und John Wesley notierte am Freitag, den 6. Februar in sein Tagebuch:
„Der Fasttag war herrlich. Es war ein Tag, wie ihn London seit der Restauration wohl kaum erlebt hatte. Jede Kirche der Stadt war überfüllt, und ein feierlicher Ernst war auf jedem Gesicht zu sehen. Ganz gewiss, Gott erhört Gebet, und ER wird die Zeit des Friedens verlängern.“ Und in einer Fußnote vermerkt er dann: „Die Demut verwandelte sich in einen Freudenschrei der ganzen Nation, denn die drohende Invasion durch die Franzosen wurde abgewehrt.“



Fasten und Beten waren also zu allen Zeiten ganz feste Bestandteile der Beziehung zwischen Gott und seinen Kindern, ganz normale Bestandteile des geistlichen Lebens. Mein Anliegen ist es, das wir diese gute und wichtige geistliche Übung wieder entdecken!. Dass wir auch dem Fasten wieder einen festen Platz in unserer Beziehung mit Gott einräumen. Denn es geht uns viel Segen verloren, wenn wir es nicht tun, davon bin ich fest überzeugt


Interessant: Wenn man sich die Berichte über das Fasten in der Bibel so anschaut. Wenn das Volk Gottes in einer Notlage öffentlich betete und fastete, dann finden wir kein einziges Beispiel, wo Gott NICHT eingegriffen und Befreiung geschenkt hätte (mir ist jedenfalls kein bekannt). Als z.B. Israel von feindlichen Armeen bedroht wurde und König Joschafat ein Fasten ausrief, da kam der Heilige Geist auf Jahasiel und Gott ließ dem Volk sagen:
„Und er sprach: Merket auf, ganz Juda, und ihr Bewohner von Jerusalem, und du, König Josaphat! So spricht Jehova zu euch: Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht vor dieser großen Menge; denn nicht euer ist der Streit, sondern Gottes! Morgen ziehet wider sie hinab; siehe, sie kommen die Anhöhe Ziz herauf, und ihr werdet sie am Ende des Tales finden vor der Wüste Jeruel. Ihr werdet hierbei nicht zu streiten haben; tretet hin, stehet und sehet die Rettung Jehovas an euch, Juda und Jerusalem! Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht; morgen ziehet ihnen entgegen, und Jehova wird mit euch sein!“ (2. Chr 20, 15-17)



Und tatsächlich half Gott und die Feinde wurden vernichtend geschlagen.

Als Daniel betete und fastete und die Schuld seines Volkes bekannte, da heißt es (Daniel 9,21ff): „... eilte der Engel Gabriel herbei... „Daniel“, sagte er, „ich bin gekommen um deine Fragen zu beantworten. Schon als du anfingst zu beten, sandte Gott mich zu dir, denn er liebt dich. Achte nun auf das, was ich dir offenbaren will“.

Als die Gemeinde in Antiochien betete und fastete da war das der Anfang einer großen missionarischen Bewegung durch Barnabas und Paulus.

Wenn Jonathan Edwards, der große Erweckungsprediger und Theologe (1. Hälfte des 18. Jh.), keinen geistlichen Durchbruch erkennen konnte, dann fastete und betete er drei Tage und Nächte hintereinander und es heißt: Als er zu reden begann wurden seine Zuhörer umgehend mit dem Heiligen Geist erfüllt, weil er auf außergewöhnliche Weise vom Heiligen Geist bevollmächtigt war.



Fasten in Verbindung mit Gebet hat also eine große geistliche Kraft!! Ich möchte heute morgen mal drei gute Gründe aufzeigen, warum sich das Fasten - in Verbindung mit Gebet - tatsächlich „lohnt“. Und mit „Fasten“ meine ich den - völligen oder teilweisen - Verzicht auf Nahrung oder auf andere Genussmittel, also ein körperliches Fasten. Allerdings nicht zu medizinischen oder gesundheitlichen Zwecken, so nach dem Motto: Ich müsste mal wieder Entschlacken, ein paar Pfund loswerden, Winterspeck weghungern. Sondern das Fasten von dem ich reden möchte, ist ein Fasten „für den Herrn“, ein Fasten, mit dem wir Gott suchen und IHM dienen wollen, in dem es uns um IHN und um SEINE Sache geht - und nicht zuerst wieder um uns selbst und unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.

Also Fasten als eine geistliche Übung in Verbindung mit dem Gebet. Jesus wurde ja von einigen Leuten mal gefragt: Lehrer, sag uns doch bitte: Was ist eigentlich das höchste Gebot?. Von all den Geboten und Verordnungen, die wir haben - was ist das wichtigste? Das ist eine Frage nach den Werten: Herr, was ist wirklich wichtig? Worauf kommt es in unserem Leben wirklich an? Wie hättet Ihr diese Frage beantwortet? Jesus musste nicht eine Sekunde nachdenken. Er schaute den Frager an und sagte:



„Das erste Gebot von allen ist: "Höre, Israel: der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstande und aus deiner ganzen Kraft". Und das zweite, ihm gleiche, ist dieses: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Größer als diese ist kein anderes Gebot.“ (Mk. 12, 29-31)

Worüber spricht Jesus hier? Er spricht über Beziehungen! Über unsere Beziehung zu Gott. Er sagt: Unsere Liebe zu Gott sollte das allerwichtigste für uns sein! „Aber“, sagt er dann: „das andere Gebot ist genauso wichtig: „Liebe deinen Mitmenschen“ und dann hängt er noch an: „wie dich selbst!“ „Liebe Gott, und deine Mitmenschen wie dich selbst. “Die Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ übersetzt dann so schön: „Es gibt kein anderes Gebot, das lebenswichtiger ist das diese beiden.“ Jesus sagt: Wollt Ihr wissen, was zum Leben wirklich wichtig ist? Nicht Geld, nicht Wohlstand, nicht persönliche Freiheit. Sondern: Beziehungen! Das wichtigste in Deinem Leben, ist

1) deine Beziehung zu Gott,
2) deine Beziehung zu deinen Mitmenschen und
3) zu dir selbst!

Dass diese Beziehung stimmen, ist lebenswichtig! Was hat das jetzt mit unserem Thema, dem Fasten, zu tun?

Nun, nicht nur das Beten, sondern gerade auch das Fasten kann uns helfen, in diesen drei Beziehungen zu wachsen und sie zu vertiefen: unsere Beziehung zu Gott, zu anderen Menschen und auch zu uns selbst.

Drei Gedanken dazu:

1. Die Beziehung zu mir selbst: Fasten hilft mir, mich selbst besser kennen zulernen.
2. Die Beziehung zu Gott: Fasten hilft mir, inniger / intensiver zu beten.
3. Die Beziehung zu meinen Mitmenschen: Fasten hilft mir, meinen Nächsten mehr zu lieben.

1. Fasten hilft mir, mich selbst besser kennen zulernen
Auch als Christen, als Kinder Gottes, sind wir ja nicht vollkommen, sondern wir schleppen alle ziemlich viel Ballast mit uns herum - nicht zuletzt all die Probleme und Schwierigkeiten, die wir mit uns selbst haben. Unsere Selbstbezogenheit, unseren Egoismus, unseren Jähzorn, unsere Gleichgültigkeit, unsere Verletzungen, unsere Ängste, unsere Unzufriedenheit und unsere Frustration, unseren Perfektionismus oder die Bindungen in unserem Leben, die heimlichen Süchte, die ja oft ein Ausdruck sind unserer tiefsten Sehnsüchte und unerfüllten Hoffnungen. Es gibt so vieles in unserem Leben, in unserer Persönlichkeit, womit wir zu kämpfen haben. Und oft wissen wir gar nicht genau, was das eigentlich ist. Wir merken nur: Da stimmt etwas nicht. Da ist etwas kaputt und ich kann mich deshalb selbst nicht leiden. Und es fällt mir auch schwer, andere Menschen zu lieben oder auch Gott wirklich zu vertrauen. Und die Frage ist: Wie können wir damit umgehen? Was können wir tun?

Natürlich kann es gut und hilfreich sein, mit anderen Menschen darüber zu reden. Und natürlich sollten wir beten, also mit Gott darüber reden. Aber auch das Fasten - in Verbindung mit unseren Gebeten - kann hier eine große Hilfe sein. Wenn wir beten und fasten, dann kann das helfen, Licht und Klarheit in unser inneres Durcheinander bringen. Es kann aufdecken, bewusst machen. Es kann uns - sozusagen - unseren Gegner zeigen, damit wir nicht immer wieder von ihm überrumpelt werden.

Jetzt fragt ihr vielleicht: Wie soll das denn gehen? Nun, es ist ja so: Wir können mit gutem Essen und Trinken oder mit anderen Ablenkungen und Zerstreuungen vieles unterdrücken oder verdrängen. Unsere Frustration, unsere Unzufriedenheit, unsere innere Leere. Mit Essen und Trinken können wir das in gewisser Weise alles „zustopfen“. Wir können diese Gefühle und Regungen unterdrücken und überspielen.
Aber wenn wir fasten, dann kommt das alles hoch. Dann zeigt es sich, wovon wir wirklich leben. Wenn ich faste, dann nehme ich sozusagen den Deckel weg, der über meinen brodelnden Gedanken und Gefühlen liegt. Dann kann auf einmal alles hochsteigen, was in mir ist: Meine unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte, meine Begierden, meine Gedanken, die nur um mich kreisen, um meinen Erfolg, meinen Besitz, meine Gesundheit, meine Bestätigung, etc., meine Gefühle: Zorn, Bitterkeit, Traurigkeit, verdeckte Wunden brechen auf. Alles, was ich bisher verdrängt habe, das wird auf einmal offengelegt. Ich begegne - sozusagen - den Feinden meiner Seele. Ich entdecke, wer ich wirklich bin. Und das ist oft erschreckend. Mir Angst machend. Aber es kann auch sehr befreiend sein. Denn ich entdecke, wo ich gefährdet bin, wo meine schwachen Stellen sind und wo ich besonders Acht haben muss. Ein gutes Beispiel dafür ist die Geschichte, die wir als Schriftlesung vorhin gehört haben. Die Geschichte, wie Jesus in der Wüste versucht wurde. Jesus war am Anfang seines öffentlichen Wirkens in die Wüste gegangen, er hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen und er hatte dort 40 Tage lang gefastet. Matthäus sagt: „Der Hunger quälte ihn.“ Jesus fastete, da kam der Teufel und fing an, ihn zu versuchen. Und Jesus wird auf einmal mit drei Versuchungen/Gefahren konfrontiert, mit denen wir auch immer wieder zu tun haben als Kinder Gottes. Auch du und ich. Als Jesus fastete, da wurde er schonungslos konfrontiert mit den Kräften, die um die Herrschaft in uns Menschen kämpfen.
Die erste Aufforderung des Teufels war: „Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine Brot werden.“ (Mt 4,3)
Das ist die Versuchung, seine Macht als Sohn Gottes zu missbrauchen, um es sich mit Essen und Trinken gut gehen zu lassen, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Eine Versuchung, die wir ja auch alle kennen: zunächst mal unsere eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Jesus überwindet diese Versuchung, weil ihm das Wort Gottes wichtiger ist und ihn mehr und besser ernährt, als Essen und Trinken. Beim Fasten entdecken wir oft, was da an Egoismus noch in uns steckt.

Dann führte ihn der Teufel auf die höchste Stufe der Tempelmauer und forderte ihn auf: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: "Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest." (Mt. 4,6)
Das ist die Versuchung nach Geltung und Ansehen bei den Menschen zu streben. Jesus sollte seine Macht missbrauchen, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und sich von den Menschen bewundern zu lassen. Eine Versuchung, die wir ja auch alle kennen: nach Geltung und Ansehen bei den Menschen zu streben. Jesus weist auch diese Versuchung zurück, indem er deutlich macht: „Ich stehe im Auftrag Gottes! Und ich werde Gott nicht für mich ausnutzen!“

Dann führte der Teufel ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und er forderte ihn auf: „Alles dieses will ich dir geben, wenn du niederfallen und mich anbeten willst.“ (Mt 4,9)
Das ist Versuchung Haben zu wollen, das Streben nach Macht und Einfluss und nach Reichtum und Besitz. Das sind Götzen, denen auch heute - viel zu viele Menschen - dienen und denen sie ihr Leben verschrieben haben, auch Kinder Gottes! Jesus überwindet auch diese Versuchung. ER neigt sich nicht vor diesen Götzen, sondern er betet seinen Gott an! Und auf einmal wird dann der Berg der Versuchung zum Berg des Paradieses. Wir lesen: „Und die Engel Gottes kamen und sorgten für ihn.“

Das ist spannend, oder? Sogar Jesus, der Sohn Gottes, wird hier, beim Fasten, mit all den Versuchungen des Menschseins konfrontiert. Mit der Versuchung sich selbst zu lieben und anzubeten und sich selbst wichtiger zu nehmen als seinen Vater. Zuerst für sein eigenes Wohlbefinden, seine eigenen Bedürfnisse zu sorgen. Darum, dass ER vor Menschen gut dasteht und bewundert wird und dass ER Macht und Einfluss hat. Aber Jesus gab diesen starken Versuchungen nicht nach - im Gegensatz zu uns, die wir diesen - und anderen - Versuchungen all zu oft erliegen.

Interessant auch: Jesus fastete in der Wüste. Wüste ist in der Bibel oft ein Synonym für Einsamkeit. Wüste und Fasten gehören deshalb auch oft zusammen! Beim Fasten und in der Einsamkeit, da werden wir mit unserer Schutzlosigkeit konfrontieren. Da werden wir mit uns selbst konfrontiert, mit unseren eigentlichen Wünschen, Gedanken, Begierden, mit den Abgründen unseres Menschseins, mit unseren Schattenseiten.

Wenn ich faste (und auch noch in die Einsamkeit gehe), dann merke ich, wie angreifbar ich als Menschen bin. Dann zeigt es sich, was wirklich in mir ist. Worum es mir eigentlich geht. Woran ich gebunden bin. Was mich festhält. Und wovon ich wirklich lebe. Weil: Ich habe dann keinen Schutz mehr, hinter dem ich mich verstecken kann. Kein Essen, Fernsehen, keine Süßigkeiten, keine anderen Ablenkungen. Ich habe nichts mehr, um all das zustopfen, was da in mir hochsteigt an Begierden, Bedürfnissen, Gedanken. Sondern ich muss mich jetzt damit auseinandersetzen. Und das kann - wie gesagt - sehr beängstigend sein, aber es ist ganz, ganz wichtig - aus mehreren Gründen:
- Wir können uns nur selbst lieben, wenn wir uns auch wirklich kennen - wenn wir auch unsere Schattenseiten kennen gelernt haben und wenn wir gelernt haben, sie anzunehmen. Das bedeutet nicht, dass ich diese dunklen Seiten an mir einfach hinnehme oder sie sogar gut finde. Aber ich kann der Tatsache ins Auge sehen und sagen: Auch das gehört zu mir.- Das ist die Voraussetzung, um mich selbst anzunehmen.
- Und ein zweiter Grund ist: Nur, wenn wir unsere Schattenseiten kennen, unsere Bindungen, unsere Götzen, denen wir dienen, nur, wenn wir wissen, was da so alles in unserem Herzen ist, können wir damit auch zu Jesus gehen und sagen: Hier, Herr... Ich bekenne dir das und das. Bitte mache mich frei davon. Hilf mir, ich schaffe das alleine nicht. Selbsterkenntnis ist die Voraussetzung dafür, dass wir jeden Bereich unseres Lebens auch an Gott ausliefern können und nichts zurückbehalten. Und da kann das Fasten eine ganz große Hilfe sein! Denn es macht uns wach für die Gefahren und die Versuchungen, die in uns selbst lauern. Beim Fasten, da kommen all diese Kräfte, die da in uns um die Herrschaft kämpfen viel leichter an die Oberfläche. Und wenn wir sie erst mal kennen, dann können sie uns nicht mehr immer wieder neu aus dem Hinterhalt überfallen und uns Niederlagen beibringen. Sondern dann können wir sie nehmen und sie zu Jesus bringen. Und IHN bitten, unser Leben in diesem Bereich neu zu ordnen.

2. Fasten hilft mir aber auch, inniger zu beten
Das betrifft meine Beziehung zu Gott. - Wir denken heute ja oft, das Beten ist so ein rein geistiger Akt und hat mit unserem Körper doch eigentlich nichts zu tun. Die Juden und auch die frühen Christen haben das ganz anderes gesehen. Für sie was das Gebet immer ein Beten mit Leib und Seele. Sie haben nicht nur im Kopf und mit dem Kopf gebetet, sondern mit dem ganzen Leib! Denken wir nur an die Bilder von der Klagemauer in Jerusalem: Da sieht man Menschen, die mit dem ganzen Leib beten, Hände aufheben, knien, weinen, sich verbeugen. Diese Gebärden unterstreichen das Gebet. Oft sind die Gebärden selbst schon ein Gebet! Wenn ich mit offenen Händen und ausgestreckten Armen vor Gott stehe - dann bete ich allein schon durch diese Gebärde. Leib und Seele sind beim Beten eine Einheit - und genau das zeige ich durch das Fasten. So wie das körperlich Aufheben der Hände oder das Knien, so ist auch das körperliche Fasten eine Art „Gebetsgebärde“. Ich unterstreiche damit mein Gebet. Das Fasten intensiviert mein Gebet.

Wenn es mir mit einem bestimmten Gebets-Anliegen wirklich ernst ist, dann kommt das am besten zum Ausdruck, wenn ich fastend bete. Denn dann passiert mein Gebet nicht nur im Kopf, sondern ich bete mit meiner ganzen Existenz. Ich flehe mit Leib und Seele zu Gott. Mit meinem Fasten sage ich zu Gott: Herr, ich kann hier gar nichts ausrichten. Ich bin einzig und allein auf deine Hilfe angewiesen. Wenn wir Fasten, dann werden wir sozusagen auch körperlich mit unserem eigenen Mangel konfrontiert, mit unserer Bedürftigkeit - wir spüren sie körperlich. Wir spüren , dass wir uns selbst eben nicht genug sind - auch wenn uns das heute alle Welt einreden will: Der moderne Mensch ist sich selbst genug. Alles, was du brauchst, das hast du schon in dir. Du musst es nur entdecken und entfalten.

Spätestens beim Fasten wird deutlich, dass das wohl nicht ganz stimmen kann. Ich kann meinem leeren Magen nicht sagen: Entdecke das was in dir ist. Du bist dir selbst genug. Genauso wenig, wie ich das einer Seele sagen kann, die nach Leben und Erfüllung lechzt. Wenn wir fasten, dann fühlen wir mit unserem ganzen Leib unsere eigene Bedürftigkeit, dann spüren wir, dass wir auf die Erfüllung von außen angewiesen sind. Jemand hat einmal gesagt: „Wer hungrig vor Gott sitzt, der spürt die Sehnsucht nach Erfüllung“. Wenn ich faste, dann spüre ich, dass ich selbst hier gar nichts ausrichten kann, sondern dass ich völlig auf die Hilfe Gottes angewiesen bin.

Die Bibel ist voll von Beispielen dafür:
In Esra 8,21-23 lesen wir, wie sich die Israeliten in der babylonischen Gefangenschaft darauf vorbereiteten, nach Jerusalem zurückzukehren:
„Und ich rief daselbst, am Flusse Ahawa, ein Fasten aus, um uns vor unserem Gott zu demütigen, um von ihm einen geebneten Weg zu erbitten für uns und für unsere Kinder und für alle unsere Habe. Denn ich schämte mich, von dem König eine Heeresmacht und Reiter zu fordern, um uns gegen den Feind auf dem Wege beizustehen; denn wir hatten zu dem König gesprochen und gesagt: Die Hand unseres Gottes ist über allen, die ihn suchen, zum Guten; aber seine Macht und sein Zorn sind gegen alle, die ihn verlassen. Und so fasteten wir und erbaten dieses von unserem Gott; und er ließ sich von uns erbitten.“

Esra und das Volk bekennen hier also durch ihr Fasten, dass sie sich nicht aus eigener Kraft gegen ihre Feinde verteidigen können. Sie bekennen, dass völlig auf die Hilfe Gottes angewiesen sind. „Und Gott hat unser Gebet erhört.“. Ein anderes Beispiel ist König Joschafat von Juda. Als ein übermächtiges feindliches Heer gegen ihn anrückt, da lässt er ein Fasten ausrufen! - Wir lesen das in 2. Chron. 20,12:
„Unser Gott, willst du sie nicht richten? Denn in uns ist keine Kraft vor dieser großen Menge, die wider uns kommt; und wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet.“

Eine „Strategie“, über die so mancher General den Kopf schütteln würde. Wie kann ich meine sowieso schon unterlegene Armee auch noch durch ein Fasten körperlich schwächen? Aber Joschafat setzte nicht auf die körperliche Kraft seiner Soldaten und auf ihre gute Ausrüstung, sondern er war bereit, durch ein Fasten die körperlichen Kräfte sogar zu mindern, weil er davon überzeugt war, dass hier nur Gott allein helfen kann.

Wenn ich faste, dann spüre ich auch körperlich, daß ich ganz auf Hilfe von außen, dass ich ganz auf Gottes Hilfe angewiesen bin. Das unterstützt mein Gebet, das macht es noch inniger und herzlicher. Wenn ich faste, dann beuge ich mich als ganzer Mensch, mit meinem hungrigen Leib, vor dem unendlichen Gott und ich bekenne damit: Herr, nur du kannst meinen tiefsten Hunger und meine Bedürfnisse und meine Wünsche stillen. Wenn ich faste, dann bete ich auch mit dem Leib. Dann schreie ich mit Seele und Leib - als ganzer Mensch - zu Gott. Das Fasten kann also eine große Hilfe sein, meine Gebete inniger und intensiver zu machen und dadurch auch meine Beziehung zu Gott zu vertiefen.

Und noch einen letzten Gedanken:

3. Das Fasten kann mir auch helfen, meine Mitmenschen zu lieben.
Wie schon gesagt, in der Bergpredigt, in Kap. 6, da spricht Jesus interessanterweise in einem Rutsch vom Almosengeben, Beten und Fasten. Und er macht damit deutlich, dass zwischen allen dreien eine enge Beziehung besteht. Almosengeben - Beten - Fasten: das ist so ein Dreiklang, der uns immer wieder begegnet, im Judentum und auch in der christlichen Tradition. Fasten ist nicht nur eine Form des Betens, sondern muss auch mit Almosengeben und mit der Nächstenliebe verbunden sein.

Im Hirten des Hermas einer der ersten christlichen Schriften (um 150 n.Chr. geschrieben) lesen wir:
„An deinem Fasttag sollst du nur Wasser und Brot nehmen. Dann sollst du den Betrag der Auslagen berechnen, die du an diesem Tag für deine Ernährung gehabt hättest, und du sollst ihn einer Witwe, einer Waise oder einem Bedürftigen geben. So sollst du dir selbst etwas entziehen, damit ein anderer aus deinem Verzicht Nutzen schöpfe, sich sättige und für dich zum Herrn bete.“

Sich selbst etwas entziehen, damit ein anderer daraus Nutzen schöpft - das ist praktizierte Nächstenliebe. Für die ersten Christen gehörte also das Almosengeben ganz wesentlich zum Fasten dazu. Es war ein Ausdruck meiner Liebe zu meinem Mitmenschen. Vielleicht können wir das ja nächste Woche mal versuchen: Dass wir auf Essen, Süßigkeiten, Kaffee, etc. verzichten, ausrechnen, was wir dadurch gespart haben und diesen Betrag spenden - an jemand der das nötig hat, in die Gemeinde. Unsere Liebe zu unseren Mitmenschen kann sich aber auch darin zeigen, dass wir „für andere fasten“. Für eine Not in ihrem Leben, für ein Problem, für eine wichtige Entscheidung.
Das ist eine Praxis, die wir bei den alten Mönchen immer wieder finden...

"So forderte ein Abt die Mönche auf, für einen Bruder zu fasten, der in Sünde gefallen war und nun im Sterben lag. Sie begannen also zu fasten unter Tränen und zu Gott zu flehen, daß er barmherzig sei. 3 Tage und 3 Nächte verbrachten sie fastend, ohne etwas zu essen, weinend und über den Verlust des Bruders klagend. Und der Vater des Klosters sah in einer Vision den ERlöser, der sich durch die Mühe der Brüder bewegen ließ." (Aus Anselm Grün's Buch "Fasten")

Die Mühe der Brüder bewegte Gott, den gefallenen Bruder zu retten. Seht ihr, wenn wir anfangen, für andere zu fasten, dann werde ich eins mit dem anderen, dann erkläre ich mich solidarisch und dann leide ich - körperlich - mit ihm, ich habe Mitleid. Das ist interessant: „Mitleid“ heißt im Griechischen „sich in den Eingeweiden ergreifen zu lassen“. Im Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht lesen wir z.B.
„Der Knecht nun fiel nieder, huldigte ihm und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen. Der Herr jenes Knechtes aber, innerlich bewegt, gab ihn los und erließ ihm das Darlehn.“

Oder im Gleichnis vom verlorenen Sohn, da heißt es (Lk 15,20):
„Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt und lief hin und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn sehr.“

Die Eingeweide werden als „der Ort verstanden, wo unsere innersten und stärksten Gefühlsregungen sitzen.“- das ist die Beobachtung: ein großer Schmerz, eine große Freude können uns „auf den Magen schlagen“, können sich auf bestimmte Organe / Eingeweide auswirken..Deshalb stellte man sich vor, das solche Organe der Sitz unserer Gefühle sind. Wenn ich für einen anderen faste, dann stopfe ich meine Eingeweide nicht mit Essen zu, und mache mich so dem anderen gegenüber ein Stück unempfindlich, sondern ich öffne mich für den anderen. Ich lasse ihn in diesen sehr verwundbaren Bereich meines Lebens hinein. Ich leide mit ihm. Wenn ich so für einen anderen Menschen faste und bete, dann ist das kein Gebet aus einer Distanz heraus, sondern dann bete ich, weil mich die Not des anderen spürbar, körperlich selbst betrifft. Fasten und den ersparten Betrag weggeben oder für andere Fasten und Beten. Das Fasten kann mir eine große Hilfe sein, meinen Mitmenschen neu zu entdecken und ihm meine Liebe zu zeigen!

Fasten hat also tatsächlich ganz viel mit Beziehungen zu tun! Hättet ihr das gedacht?
1. Mit meiner Beziehung zu mir selbst. Das Fasten hilft mir, mich selbst zu erkennen. Es zeigt mir, welche Kräfte da in mir um die Herrschaft kämpfen und mich von Gott wegziehen wollen. Das Fasten bringt das alles ans Licht. Es deckt auf. So können diese Feinde nicht heimlich Macht über mich gewinnen. Sondern wir können sie mit Gottes Hilfe und mit SEINER Kraft ganz offen besiegen, indem wir ihnen das Recht absprechen, noch irgendwelche Ansprüche auf unser Leben zu erheben. Wir können sagen: Ich kenne euch nicht! Ich bin mit Christus gekreuzigt! Für euch bin ich tot! Ich gehöre jetzt Gott. Ich lebe für IHN!

In diesem Artikel der Zeitschrift Idea heißt es: „Wer zu fasten beginnt, der steigt aus dem Lebensstil aus, der immer nur um sich und die Befriedigung seiner Bedürfnisse kreist“.

2. Das Fasten kann mir aber auch helfen, intensiver und inniger zu beten und dadurch meine Beziehung mit Gott zu vertiefen. Wenn ich faste, bete ich nicht nur mit dem Kopf, sondern wirklich als ganzer Mensch. Mit Leib, Seele und Geist. Wenn ich faste spüre ich körperlich, wie sehr ich auf Gott angewiesen bin. „Wer hungrig vor Gott sitzt, der spürt die Sehnsucht nach Erfüllung.“ Wenn ich faste, dann sage ich: Herr, ich brauche dich!!

3. Und das Fasten kann mir auch helfen, meinen Mitmenschen ganz neu zu entdecken.
Entweder, indem ich das, was ich durch das Fasten eingespart habe, einem anderen gebe, der es braucht. Oder indem ich anfange für einen anderen Menschen zu fasten und zu beten. Dann stelle ich mich mit unter seine Last. Ich leide mit ihm. - körperlich. Von Jesus heißt es in Mk 6,34:
„Und als Jesus aus dem Schiffe trat, sah er eine große Volksmenge und wurde innerlich bewegt über sie; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing an, sie vieles zu lehren.“
Wörtlich: „Er wurde innerlich bewegt über sie.“

Vielleicht kann diese Fasten- und Gebetswoche ja auch dazu beitragen, daß ihr euch von Gott wieder „innerlich bewegen lasst“ - über eure Arbeitkollegen, eure Nachbarn, Freunde, Verwandte. Dass ihr wieder innerlich bewegt werdet von ihrer Verlorenheit.und dass ihr dann - wie die Mönche für ihren in Sünde gefallenen Bruder – „anfangt unter Tränen zu fasten und zu Gott zu flehen, daß ER ihm barmherzig sei“.

Fasten ist für uns vielleicht eine etwas fremde geistliche Übung (noch zumindest!), aber es ist eine Übung, auf die Gott ganz große Verheißungen legt und die wir deshalb wieder neu entdecken sollten. Es ist allerdings kein Allheilmittel für geistliche Probleme!!! Aber wenn wir es mit reinem Herzen und mit aufrichtigen Motiven tun, dann kann es zu einem Schlüssel werden, der Türen öffnet, wo andere Schlüssel versagt haben. Es kann uns Horizonte frei machen in der unsichtbaren Welt und zu einer mächtigen, geistlichen Waffe werden.

Ich wünsche euch allen diese Erfahrung!
AMEN.

Bleibt zum Schluss noch die Frage: Wie sollen wir fasten?
Ganz kurz möchte ich noch auf zwei Aspekte eingehen: einen äußeren und einen inneren.

1) Äußerlich: rein vom „technischen Ablauf“, wie wir unser Fasten gestalten, können wir ganz erfinderisch und frei sein. Wie gesagt, es muss nicht immer Nahrung sein, auf die wir verzichten - obwohl das in der Regel gemeint ist und auch die Erfahrungen, die ich beschrieben habe, damit zusammenhängen. Aber es können auch ganz andere Dinge sein, von denen wir „fasten“. Dinge, an denen wir hängen und die eine gewisse Macht über uns ausüben. Wir könnten uns z.B. dafür entscheiden eine Woche lang auf‘s Fernsehen zu verzichten; oder darauf, Musik zu hören. Wenn wir starke Kaffeetrinker sind könnten wir darauf mal eine Woche verzichten. Oder auf Schokolade, oder Kino, etc. Etwas, was uns „zustopft“, ablenkt, wo hinein wir fliehen, womit wir das, was in uns brodelt, normalerweise unterdrücken.

Auch in der zeitlichen Gestaltung unseres Fastens sind wir natürlich frei und keinen Regeln unterworfen. So könnte man
- an einem Tag ganz auf Nahrung verzichten
- die ganze Woche von morgens bis vier Uhr nachmittags auf Nahrung verzichten
- die ganze Woche auf Kaffee Fernsehen oder Musik verzichten
=> Mittwochabend auf das Kino verzichten, wäre vielleicht kein ganz ernsthaftes Fasten.
=> Da gibt es also ganz viele Freiheiten, wie wir rein technisch so eine Fasten- und Gebetswoche gestalten.

2) Viel wichtiger ist der innere Aspekt. In der Bergpredigt lehrt Jesus ja seine Jünger, dass es eine falsche und eine richtige Art gibt, zu fasten (Mt 6,16-18):

„Wenn ihr aber fastet, so sehet nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinest, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“

Gott segnet also nicht ganz automatisch das Fasten, sondern Jesus spricht hier über unsere Motive. Worum geht es uns, wenn wir fasten? Wollen wir zeigen, wie geistlich wir sind? Wollen wir uns beim Herrn etwas „erarbeiten“? Wollen wir ihn „erpressen“? Machen wir mit, weil alle es machen und wir nicht außen vor bleiben wollen? - das wären ganz offensichtlich die falschen, egoistischen Motive. Und dann laufen wir mit so einem leidenden Gesichtsausdruck herum und jedem, der uns fragt, wie‘s uns geht, dem antworten wir: „Nein, danke mir geht‘s gut. Erwähnen sie nur bloß nicht das Wort Schnitzel. - Nein, sonst geht‘s mir gut.“

Fasten ist also nicht etwas, das man „raushängt“, damit jeder es mitbekommt, sondern es geschieht - wie Jesus sagt - „im Verborgenen“. Es ist allein eine Sache zwischen mir und Gott. Keiner soll etwas von unserem Verzicht merken, außer unser Vater im Himmel. Egoistische Motive können sich aber auch unter dem Mantel der Frömmigkeit einschleichen. Dass nämlich die Frage im Vordergrund steht: „Was nützt es mir? Was habe ich davon?“ Es geht um uns und wir machen Gott nur zum „Erfüllungsgehilfen“ unserer Wünsche - auch unserer „geistlichen“ Wünsche.

In Sacharja 7,5 fragt Gott sein Volk: „Schon 70 Jahre lang fastet und trauert ihr im 5. und im 7. Monat. Doch habt ihr das wirklich für mich getan?“ - habt ihr es aus Liebe zu mir getan? Ging es euch dabei um mich? Ging es euch dabei um die Beziehung zu mir? Habt ihr es getan, um euch auf eine intensive Gemeinschaft mit mir vorzubereiten? Um zu hören, was ich von euch möchte und um das dann zu tun? Wenn wir Fasten, dann sollte es immer Gott selbst sein, der dabei im Mittelpunkt steht. Wir fasten, weil wir ihn lieben, weil wir unsere Beziehung mit ihm vertiefen wollen, weil wir uns nach IHM sehnen und ihn immer besser kennen lernen wollen, weil wir möchten, dass SEIN Wille in unserem Leben, in unserer Gemeinde, in unserer Stadt geschieht, weil wir uns selbst ihm hingeben wollen. Das ist ein Fasten, das Gott gefällt und das er dann auch belohnt.

In einer Predigt über das Fasten hat John Wesley einmal betont: „Vor allem soll es für den Herrn geschehen. Lasst uns einzig und allein auf ihn schauen. Wir wollen danach trachten, allein unseren Vater im Himmel zu verherrlichen.“ Darum muss uns auch gehen in der Gebets- und Fastenwoche. Das ist die erste und wichtigste Motivation. Und wenn diese Motivation stimmt, dann werden wir auch erfahren - und davon bin ich überzeugt -, dass unser Fasten für Gott (!!), unser Ausstrecken nach IHM, sozusagen als Segen zu uns zurückkehrt und wir reich, überreich beschenkt werden.




AMEN.





Klicke 1x um die Seite auszudrucken