Predigt in der Lydia-Gemeinde am 06. April 2003 Pastor Martin Wahl
(Petrus-Gemeinde)
Wozu eine
Gebetswoche gut ist, das mag uns ja noch einigermaßen einleuchten. Aber Fasten?
Wozu das denn? Reicht es etwa nicht, wenn wir „nur“ beten? Warum müssen wir
jetzt auch noch Fasten? Verfallen wir jetzt in so einen religiösen Extremismus
oder in einen neuen Legalismus? Müssen wir uns jetzt also doch etwas erarbeiten,
müssen wir uns die Gunst Gottes, die Erhörung unserer Gebete jetzt also doch
durch bestimmte geistliche Übungen erst verdienen?
„Fasten“ in
Verbindung mit Gebet ist uns leider heute ziemlich fremd geworden. Aber wenn wir
die Bibel durchblättern, dann stellen wir fest: Fasten war zu allen Zeiten - im
Alten und Neuen Testament - ein fester Bestandteil der Beziehung zwischen Gott
und seinem Volk. Im Alten Testament gab es ganz bestimmte jährliche Fastenzeiten
- z.B. den Versöhnungstag (Yom Kippur), den höchsten Feiertag in Israel, an dem
der Hohepriester Versöhnung für das ganz Volk erlangte. Dieser Tag war ein
Fastentag für das ganze Volk. Außerdem gab es immer wieder Fastenzeiten, die
entweder nur von Einzelnen oder als ganzes Volk begangen wurden, z.B.
- Mose fastete 40 Tage und
Nächte lang, bevor er von Gott die 10 Gebote empfing, - Daniel fastete, als
er die Schuld seines Volkes bekannte (Dan 9,1-3), - als Israel von Feinden
bedroht wurde, ordnete König Joschafat ein Fasten an (2. Chr 20,1-6), - auch
unter Esra und Nehemia kam das Volk zum Fasten und Beten zusammen.
Im Neuen Testament
sehen wir, wie Jesus regelmäßig fastete. Am Anfang seines öffentlichen Dienstes
verbrachte er 40 Tage und Nächte in der Wüste und er fastete. In der Bergpredigt
(Mt 6,16-18) spricht Jesus dieses Thema dann auch ganz direkt an und er
sagt:
„Wenn ihr aber
fastet, so sehet nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre
Angesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage
euch, sie haben ihren Lohn dahin. Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt
und wasche dein Angesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender
erscheinest, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der
im Verborgenen sieht, wird dir
vergelten.“
Jesus setzt
hier als selbstverständlich voraus, dass seine Jünger fasten. Er sagt nicht:
„Ihr müsst fasten.“ Denn das wäre gesetzlich gewesen. Er sagt auch nicht: „Falls
ihr fastet“. Dann wäre das Fasten nur eine Option gewesen, eine Möglichkeit
unter vielen. Sondern Jesus sagt: „Wenn ihr fastet, dann...“ Jesus musste seine
Jünger also nicht erst dazu auffordern, zu fasten, sondern sie mussten lediglich
lernen, wie man auf die richtige Art und Weise fastet. Von der alten
Prophetin Hanna, die 84 Jahre alt war, als Jesus geboren wurde, heißt es bei
Lukas (2,36-37): Sie diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.
In der
Apostelgeschichte fasteten die Gemeindeleiter, als sie Missionare und Älteste
auszuwählen hatten. Und auch Paulus spricht mehrfach vom Fasten (2. Kor. 6,5 u.
Kap. 11). Und auch in der Kirchengeschichte spielte Fasten immer wieder eine
Rolle: Unter den Christen des vierten Jh. war es üblich, zweimal pro Woche zu
fasten. Und auch die Reformatoren (Luther, Calvin, John Knox) praktizierten das
Fasten, weil sie davon überzeugt waren, dass das die Wirkung ihres Dienstes
erhöhte.
Auch John
Wesley praktizierte das Fasten und er wollte nicht, dass jemand ordiniert würde,
der nicht bereit war, mindestens zweimal pro Woche bis vier Uhr nachmittags zu
fasten. Im Jahr 1756 ließ König George II sogar einen nationalen Gebets- und
Fastentag ausrufen, denn England wurde von einer französischen Invasion bedroht.
Die ganze Nation betete und fastete und John Wesley notierte am Freitag, den 6.
Februar in sein Tagebuch: „Der Fasttag war herrlich. Es war ein Tag, wie ihn
London seit der Restauration wohl kaum erlebt hatte. Jede Kirche der Stadt war
überfüllt, und ein feierlicher Ernst war auf jedem Gesicht zu sehen. Ganz
gewiss, Gott erhört Gebet, und ER wird die Zeit des Friedens verlängern.“ Und in
einer Fußnote vermerkt er dann: „Die Demut verwandelte sich in einen
Freudenschrei der ganzen Nation, denn die drohende Invasion durch die Franzosen
wurde abgewehrt.“
Fasten und Beten waren also zu allen Zeiten ganz feste Bestandteile der
Beziehung zwischen Gott und seinen Kindern, ganz normale Bestandteile des
geistlichen Lebens. Mein Anliegen ist es, das wir diese gute und wichtige
geistliche Übung wieder entdecken!. Dass wir auch dem Fasten wieder einen festen
Platz in unserer Beziehung mit Gott einräumen. Denn es geht uns viel Segen
verloren, wenn wir es nicht tun, davon bin ich fest
überzeugt
Interessant:
Wenn man sich die Berichte über das Fasten in der Bibel so anschaut. Wenn das
Volk Gottes in einer Notlage öffentlich betete und fastete, dann finden wir kein
einziges Beispiel, wo Gott NICHT eingegriffen und Befreiung geschenkt hätte (mir
ist jedenfalls kein bekannt). Als z.B. Israel von feindlichen Armeen bedroht
wurde und König Joschafat ein Fasten ausrief, da kam der Heilige Geist auf
Jahasiel und Gott ließ dem Volk sagen: „Und er sprach: Merket auf, ganz Juda,
und ihr Bewohner von Jerusalem, und du, König Josaphat! So spricht Jehova zu
euch: Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht vor dieser großen Menge; denn
nicht euer ist der Streit, sondern Gottes! Morgen ziehet wider sie hinab; siehe,
sie kommen die Anhöhe Ziz herauf, und ihr werdet sie am Ende des Tales finden
vor der Wüste Jeruel. Ihr werdet hierbei nicht zu streiten haben; tretet hin,
stehet und sehet die Rettung Jehovas an euch, Juda und Jerusalem! Fürchtet euch
nicht und erschrecket nicht; morgen ziehet ihnen entgegen, und Jehova wird mit
euch sein!“ (2. Chr 20, 15-17)
Und tatsächlich half
Gott und die Feinde wurden vernichtend geschlagen.
Als Daniel betete und
fastete und die Schuld seines Volkes bekannte, da heißt es (Daniel 9,21ff): „...
eilte der Engel Gabriel herbei... „Daniel“, sagte er, „ich bin gekommen um deine
Fragen zu beantworten. Schon als du anfingst zu beten, sandte Gott mich zu dir,
denn er liebt dich. Achte nun auf das, was ich dir offenbaren will“.
Als
die Gemeinde in Antiochien betete und fastete da war das der Anfang einer großen
missionarischen Bewegung durch Barnabas und Paulus.
Wenn Jonathan
Edwards, der große Erweckungsprediger und Theologe (1. Hälfte des 18. Jh.),
keinen geistlichen Durchbruch erkennen konnte, dann fastete und betete er drei
Tage und Nächte hintereinander und es heißt: Als er zu reden begann wurden seine
Zuhörer umgehend mit dem Heiligen Geist erfüllt, weil er auf außergewöhnliche
Weise vom Heiligen Geist bevollmächtigt war.
Fasten in Verbindung
mit Gebet hat also eine große geistliche Kraft!! Ich möchte heute morgen mal
drei gute Gründe aufzeigen, warum sich das Fasten - in Verbindung mit Gebet -
tatsächlich „lohnt“. Und mit „Fasten“ meine ich den - völligen oder teilweisen -
Verzicht auf Nahrung oder auf andere Genussmittel, also ein körperliches Fasten.
Allerdings nicht zu medizinischen oder gesundheitlichen Zwecken, so nach dem
Motto: Ich müsste mal wieder Entschlacken, ein paar Pfund loswerden, Winterspeck
weghungern. Sondern das Fasten von dem ich reden möchte, ist ein Fasten „für den
Herrn“, ein Fasten, mit dem wir Gott suchen und IHM dienen wollen, in dem es uns
um IHN und um SEINE Sache geht - und nicht zuerst wieder um uns selbst und
unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.
Also Fasten als eine geistliche
Übung in Verbindung mit dem Gebet. Jesus wurde ja von einigen Leuten mal
gefragt: Lehrer, sag uns doch bitte: Was ist eigentlich das höchste Gebot?. Von
all den Geboten und Verordnungen, die wir haben - was ist das wichtigste? Das
ist eine Frage nach den Werten: Herr, was ist wirklich wichtig? Worauf kommt es
in unserem Leben wirklich an? Wie hättet Ihr diese Frage beantwortet? Jesus
musste nicht eine Sekunde nachdenken. Er schaute den Frager an und sagte:
„Das erste Gebot von
allen ist: "Höre, Israel: der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr; und du
sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner
ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstande und aus deiner ganzen Kraft". Und
das zweite, ihm gleiche, ist dieses: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst". Größer als diese ist kein anderes Gebot.“ (Mk. 12,
29-31)
Worüber spricht Jesus hier? Er spricht über Beziehungen! Über
unsere Beziehung zu Gott. Er sagt: Unsere Liebe zu Gott sollte das
allerwichtigste für uns sein! „Aber“, sagt er dann: „das andere Gebot ist
genauso wichtig: „Liebe deinen Mitmenschen“ und dann hängt er noch an: „wie dich
selbst!“ „Liebe Gott, und deine Mitmenschen wie dich selbst. “Die
Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ übersetzt dann so schön: „Es gibt kein
anderes Gebot, das lebenswichtiger ist das diese beiden.“ Jesus sagt: Wollt Ihr
wissen, was zum Leben wirklich wichtig ist? Nicht Geld, nicht Wohlstand, nicht
persönliche Freiheit. Sondern: Beziehungen! Das wichtigste in Deinem Leben,
ist
1) deine Beziehung zu Gott, 2) deine Beziehung zu deinen
Mitmenschen und 3) zu dir selbst!
Dass diese Beziehung stimmen, ist
lebenswichtig! Was hat das jetzt mit unserem Thema, dem Fasten, zu
tun?
Nun, nicht nur das Beten, sondern gerade auch das Fasten kann uns
helfen, in diesen drei Beziehungen zu wachsen und sie zu vertiefen: unsere
Beziehung zu Gott, zu anderen Menschen und auch zu uns selbst.
Drei
Gedanken dazu:
1. Die Beziehung zu mir selbst: Fasten hilft mir, mich
selbst besser kennen zulernen. 2. Die Beziehung zu Gott: Fasten hilft mir,
inniger / intensiver zu beten. 3. Die Beziehung zu meinen Mitmenschen: Fasten
hilft mir, meinen Nächsten mehr zu lieben.
1. Fasten hilft mir, mich
selbst besser kennen zulernen Auch als Christen, als Kinder Gottes, sind wir
ja nicht vollkommen, sondern wir schleppen alle ziemlich viel Ballast mit uns
herum - nicht zuletzt all die Probleme und Schwierigkeiten, die wir mit uns
selbst haben. Unsere Selbstbezogenheit, unseren Egoismus, unseren Jähzorn,
unsere Gleichgültigkeit, unsere Verletzungen, unsere Ängste, unsere
Unzufriedenheit und unsere Frustration, unseren Perfektionismus oder die
Bindungen in unserem Leben, die heimlichen Süchte, die ja oft ein Ausdruck sind
unserer tiefsten Sehnsüchte und unerfüllten Hoffnungen. Es gibt so vieles in
unserem Leben, in unserer Persönlichkeit, womit wir zu kämpfen haben. Und oft
wissen wir gar nicht genau, was das eigentlich ist. Wir merken nur: Da stimmt
etwas nicht. Da ist etwas kaputt und ich kann mich deshalb selbst nicht leiden.
Und es fällt mir auch schwer, andere Menschen zu lieben oder auch Gott wirklich
zu vertrauen. Und die Frage ist: Wie können wir damit umgehen? Was können wir
tun?
Natürlich kann es gut und hilfreich sein, mit anderen Menschen
darüber zu reden. Und natürlich sollten wir beten, also mit Gott darüber reden.
Aber auch das Fasten - in Verbindung mit unseren Gebeten - kann hier eine große
Hilfe sein. Wenn wir beten und fasten, dann kann das helfen, Licht und Klarheit
in unser inneres Durcheinander bringen. Es kann aufdecken, bewusst machen. Es
kann uns - sozusagen - unseren Gegner zeigen, damit wir nicht immer wieder von
ihm überrumpelt werden.
Jetzt fragt ihr vielleicht: Wie soll das denn
gehen? Nun, es ist ja so: Wir können mit gutem Essen und Trinken oder mit
anderen Ablenkungen und Zerstreuungen vieles unterdrücken oder verdrängen.
Unsere Frustration, unsere Unzufriedenheit, unsere innere Leere. Mit Essen und
Trinken können wir das in gewisser Weise alles „zustopfen“. Wir können diese
Gefühle und Regungen unterdrücken und überspielen. Aber wenn wir fasten, dann
kommt das alles hoch. Dann zeigt es sich, wovon wir wirklich leben. Wenn ich
faste, dann nehme ich sozusagen den Deckel weg, der über meinen brodelnden
Gedanken und Gefühlen liegt. Dann kann auf einmal alles hochsteigen, was in mir
ist: Meine unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte, meine Begierden, meine Gedanken,
die nur um mich kreisen, um meinen Erfolg, meinen Besitz, meine Gesundheit,
meine Bestätigung, etc., meine Gefühle: Zorn, Bitterkeit, Traurigkeit, verdeckte
Wunden brechen auf. Alles, was ich bisher verdrängt habe, das wird auf einmal
offengelegt. Ich begegne - sozusagen - den Feinden meiner Seele. Ich entdecke,
wer ich wirklich bin. Und das ist oft erschreckend. Mir Angst machend. Aber es
kann auch sehr befreiend sein. Denn ich entdecke, wo ich gefährdet bin, wo meine
schwachen Stellen sind und wo ich besonders Acht haben muss. Ein gutes Beispiel
dafür ist die Geschichte, die wir als Schriftlesung vorhin gehört haben. Die
Geschichte, wie Jesus in der Wüste versucht wurde. Jesus war am Anfang seines
öffentlichen Wirkens in die Wüste gegangen, er hatte sich in die Einsamkeit
zurückgezogen und er hatte dort 40 Tage lang gefastet. Matthäus sagt: „Der
Hunger quälte ihn.“ Jesus fastete, da kam der Teufel und fing an, ihn zu
versuchen. Und Jesus wird auf einmal mit drei Versuchungen/Gefahren
konfrontiert, mit denen wir auch immer wieder zu tun haben als Kinder Gottes.
Auch du und ich. Als Jesus fastete, da wurde er schonungslos konfrontiert mit
den Kräften, die um die Herrschaft in uns Menschen kämpfen. Die erste
Aufforderung des Teufels war: „Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese
Steine Brot werden.“ (Mt 4,3) Das ist die Versuchung, seine Macht als Sohn
Gottes zu missbrauchen, um es sich mit Essen und Trinken gut gehen zu lassen, um
seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Eine Versuchung, die wir ja auch alle
kennen: zunächst mal unsere eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Jesus überwindet
diese Versuchung, weil ihm das Wort Gottes wichtiger ist und ihn mehr und besser
ernährt, als Essen und Trinken. Beim Fasten entdecken wir oft, was da an
Egoismus noch in uns steckt.
Dann führte ihn der Teufel auf die höchste
Stufe der Tempelmauer und forderte ihn auf: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf
dich hinab; denn es steht geschrieben: "Er wird seinen Engeln über dir befehlen,
und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an
einen Stein stoßest." (Mt. 4,6) Das ist die Versuchung nach Geltung und
Ansehen bei den Menschen zu streben. Jesus sollte seine Macht missbrauchen, um
sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und sich von den Menschen bewundern zu
lassen. Eine Versuchung, die wir ja auch alle kennen: nach Geltung und Ansehen
bei den Menschen zu streben. Jesus weist auch diese Versuchung zurück, indem er
deutlich macht: „Ich stehe im Auftrag Gottes! Und ich werde Gott nicht für mich
ausnutzen!“
Dann führte der Teufel ihn auf einen hohen Berg und zeigte
ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und er forderte ihn auf: „Alles
dieses will ich dir geben, wenn du niederfallen und mich anbeten willst.“ (Mt
4,9) Das ist Versuchung Haben zu wollen, das Streben nach Macht und Einfluss
und nach Reichtum und Besitz. Das sind Götzen, denen auch heute - viel zu viele
Menschen - dienen und denen sie ihr Leben verschrieben haben, auch Kinder
Gottes! Jesus überwindet auch diese Versuchung. ER neigt sich nicht vor diesen
Götzen, sondern er betet seinen Gott an! Und auf einmal wird dann der Berg der
Versuchung zum Berg des Paradieses. Wir lesen: „Und die Engel Gottes kamen und
sorgten für ihn.“
Das ist spannend, oder? Sogar Jesus, der Sohn Gottes,
wird hier, beim Fasten, mit all den Versuchungen des Menschseins konfrontiert.
Mit der Versuchung sich selbst zu lieben und anzubeten und sich selbst wichtiger
zu nehmen als seinen Vater. Zuerst für sein eigenes Wohlbefinden, seine eigenen
Bedürfnisse zu sorgen. Darum, dass ER vor Menschen gut dasteht und bewundert
wird und dass ER Macht und Einfluss hat. Aber Jesus gab diesen starken
Versuchungen nicht nach - im Gegensatz zu uns, die wir diesen - und anderen -
Versuchungen all zu oft erliegen.
Interessant auch: Jesus fastete in der
Wüste. Wüste ist in der Bibel oft ein Synonym für Einsamkeit. Wüste und Fasten
gehören deshalb auch oft zusammen! Beim Fasten und in der Einsamkeit, da werden
wir mit unserer Schutzlosigkeit konfrontieren. Da werden wir mit uns selbst
konfrontiert, mit unseren eigentlichen Wünschen, Gedanken, Begierden, mit den
Abgründen unseres Menschseins, mit unseren Schattenseiten.
Wenn ich faste
(und auch noch in die Einsamkeit gehe), dann merke ich, wie angreifbar ich als
Menschen bin. Dann zeigt es sich, was wirklich in mir ist. Worum es mir
eigentlich geht. Woran ich gebunden bin. Was mich festhält. Und wovon ich
wirklich lebe. Weil: Ich habe dann keinen Schutz mehr, hinter dem ich mich
verstecken kann. Kein Essen, Fernsehen, keine Süßigkeiten, keine anderen
Ablenkungen. Ich habe nichts mehr, um all das zustopfen, was da in mir
hochsteigt an Begierden, Bedürfnissen, Gedanken. Sondern ich muss mich jetzt
damit auseinandersetzen. Und das kann - wie gesagt - sehr beängstigend sein,
aber es ist ganz, ganz wichtig - aus mehreren Gründen: - Wir können uns nur
selbst lieben, wenn wir uns auch wirklich kennen - wenn wir auch unsere
Schattenseiten kennen gelernt haben und wenn wir gelernt haben, sie anzunehmen.
Das bedeutet nicht, dass ich diese dunklen Seiten an mir einfach hinnehme oder
sie sogar gut finde. Aber ich kann der Tatsache ins Auge sehen und sagen: Auch
das gehört zu mir.- Das ist die Voraussetzung, um mich selbst anzunehmen. -
Und ein zweiter Grund ist: Nur, wenn wir unsere Schattenseiten kennen, unsere
Bindungen, unsere Götzen, denen wir dienen, nur, wenn wir wissen, was da so
alles in unserem Herzen ist, können wir damit auch zu Jesus gehen und sagen:
Hier, Herr... Ich bekenne dir das und das. Bitte mache mich frei davon. Hilf
mir, ich schaffe das alleine nicht. Selbsterkenntnis ist die Voraussetzung
dafür, dass wir jeden Bereich unseres Lebens auch an Gott ausliefern können und
nichts zurückbehalten. Und da kann das Fasten eine ganz große Hilfe sein! Denn
es macht uns wach für die Gefahren und die Versuchungen, die in uns selbst
lauern. Beim Fasten, da kommen all diese Kräfte, die da in uns um die Herrschaft
kämpfen viel leichter an die Oberfläche. Und wenn wir sie erst mal kennen, dann
können sie uns nicht mehr immer wieder neu aus dem Hinterhalt überfallen und uns
Niederlagen beibringen. Sondern dann können wir sie nehmen und sie zu Jesus
bringen. Und IHN bitten, unser Leben in diesem Bereich neu zu ordnen.
2.
Fasten hilft mir aber auch, inniger zu beten Das betrifft meine Beziehung zu
Gott. - Wir denken heute ja oft, das Beten ist so ein rein geistiger Akt und hat
mit unserem Körper doch eigentlich nichts zu tun. Die Juden und auch die frühen
Christen haben das ganz anderes gesehen. Für sie was das Gebet immer ein Beten
mit Leib und Seele. Sie haben nicht nur im Kopf und mit dem Kopf gebetet,
sondern mit dem ganzen Leib! Denken wir nur an die Bilder von der Klagemauer in
Jerusalem: Da sieht man Menschen, die mit dem ganzen Leib beten, Hände aufheben,
knien, weinen, sich verbeugen. Diese Gebärden unterstreichen das Gebet. Oft sind
die Gebärden selbst schon ein Gebet! Wenn ich mit offenen Händen und
ausgestreckten Armen vor Gott stehe - dann bete ich allein schon durch diese
Gebärde. Leib und Seele sind beim Beten eine Einheit - und genau das zeige ich
durch das Fasten. So wie das körperlich Aufheben der Hände oder das Knien, so
ist auch das körperliche Fasten eine Art „Gebetsgebärde“. Ich unterstreiche
damit mein Gebet. Das Fasten intensiviert mein Gebet.
Wenn es mir mit
einem bestimmten Gebets-Anliegen wirklich ernst ist, dann kommt das am besten
zum Ausdruck, wenn ich fastend bete. Denn dann passiert mein Gebet nicht nur im
Kopf, sondern ich bete mit meiner ganzen Existenz. Ich flehe mit Leib und Seele
zu Gott. Mit meinem Fasten sage ich zu Gott: Herr, ich kann hier gar nichts
ausrichten. Ich bin einzig und allein auf deine Hilfe angewiesen. Wenn wir
Fasten, dann werden wir sozusagen auch körperlich mit unserem eigenen Mangel
konfrontiert, mit unserer Bedürftigkeit - wir spüren sie körperlich. Wir spüren
, dass wir uns selbst eben nicht genug sind - auch wenn uns das heute alle Welt
einreden will: Der moderne Mensch ist sich selbst genug. Alles, was du brauchst,
das hast du schon in dir. Du musst es nur entdecken und
entfalten.
Spätestens beim Fasten wird deutlich, dass das wohl nicht ganz
stimmen kann. Ich kann meinem leeren Magen nicht sagen: Entdecke das was in dir
ist. Du bist dir selbst genug. Genauso wenig, wie ich das einer Seele sagen
kann, die nach Leben und Erfüllung lechzt. Wenn wir fasten, dann fühlen wir mit
unserem ganzen Leib unsere eigene Bedürftigkeit, dann spüren wir, dass wir auf
die Erfüllung von außen angewiesen sind. Jemand hat einmal gesagt: „Wer hungrig
vor Gott sitzt, der spürt die Sehnsucht nach Erfüllung“. Wenn ich faste, dann
spüre ich, dass ich selbst hier gar nichts ausrichten kann, sondern dass ich
völlig auf die Hilfe Gottes angewiesen bin.
Die Bibel ist voll von
Beispielen dafür: In Esra 8,21-23 lesen wir, wie sich die Israeliten in der
babylonischen Gefangenschaft darauf vorbereiteten, nach Jerusalem
zurückzukehren: „Und ich rief daselbst, am Flusse Ahawa, ein Fasten aus, um
uns vor unserem Gott zu demütigen, um von ihm einen geebneten Weg zu erbitten
für uns und für unsere Kinder und für alle unsere Habe. Denn ich schämte mich,
von dem König eine Heeresmacht und Reiter zu fordern, um uns gegen den Feind auf
dem Wege beizustehen; denn wir hatten zu dem König gesprochen und gesagt: Die
Hand unseres Gottes ist über allen, die ihn suchen, zum Guten; aber seine Macht
und sein Zorn sind gegen alle, die ihn verlassen. Und so fasteten wir und
erbaten dieses von unserem Gott; und er ließ sich von uns erbitten.“
Esra
und das Volk bekennen hier also durch ihr Fasten, dass sie sich nicht aus
eigener Kraft gegen ihre Feinde verteidigen können. Sie bekennen, dass völlig
auf die Hilfe Gottes angewiesen sind. „Und Gott hat unser Gebet erhört.“. Ein
anderes Beispiel ist König Joschafat von Juda. Als ein übermächtiges feindliches
Heer gegen ihn anrückt, da lässt er ein Fasten ausrufen! - Wir lesen das in 2.
Chron. 20,12: „Unser Gott, willst du sie nicht richten? Denn in uns ist keine
Kraft vor dieser großen Menge, die wider uns kommt; und wir wissen nicht, was
wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen gerichtet.“
Eine
„Strategie“, über die so mancher General den Kopf schütteln würde. Wie kann ich
meine sowieso schon unterlegene Armee auch noch durch ein Fasten körperlich
schwächen? Aber Joschafat setzte nicht auf die körperliche Kraft seiner Soldaten
und auf ihre gute Ausrüstung, sondern er war bereit, durch ein Fasten die
körperlichen Kräfte sogar zu mindern, weil er davon überzeugt war, dass hier nur
Gott allein helfen kann.
Wenn ich faste, dann spüre ich auch körperlich,
daß ich ganz auf Hilfe von außen, dass ich ganz auf Gottes Hilfe angewiesen bin.
Das unterstützt mein Gebet, das macht es noch inniger und herzlicher. Wenn ich
faste, dann beuge ich mich als ganzer Mensch, mit meinem hungrigen Leib, vor dem
unendlichen Gott und ich bekenne damit: Herr, nur du kannst meinen tiefsten
Hunger und meine Bedürfnisse und meine Wünsche stillen. Wenn ich faste, dann
bete ich auch mit dem Leib. Dann schreie ich mit Seele und Leib - als ganzer
Mensch - zu Gott. Das Fasten kann also eine große Hilfe sein, meine Gebete
inniger und intensiver zu machen und dadurch auch meine Beziehung zu Gott zu
vertiefen.
Und noch einen letzten Gedanken:
3. Das Fasten kann mir
auch helfen, meine Mitmenschen zu lieben. Wie schon gesagt, in der
Bergpredigt, in Kap. 6, da spricht Jesus interessanterweise in einem Rutsch vom
Almosengeben, Beten und Fasten. Und er macht damit deutlich, dass zwischen allen
dreien eine enge Beziehung besteht. Almosengeben - Beten - Fasten: das ist so
ein Dreiklang, der uns immer wieder begegnet, im Judentum und auch in der
christlichen Tradition. Fasten ist nicht nur eine Form des Betens, sondern muss
auch mit Almosengeben und mit der Nächstenliebe verbunden sein.
Im Hirten
des Hermas einer der ersten christlichen Schriften (um 150 n.Chr. geschrieben)
lesen wir: „An deinem Fasttag sollst du nur Wasser und Brot nehmen. Dann
sollst du den Betrag der Auslagen berechnen, die du an diesem Tag für deine
Ernährung gehabt hättest, und du sollst ihn einer Witwe, einer Waise oder einem
Bedürftigen geben. So sollst du dir selbst etwas entziehen, damit ein anderer
aus deinem Verzicht Nutzen schöpfe, sich sättige und für dich zum Herrn
bete.“
Sich selbst etwas entziehen, damit ein anderer daraus Nutzen
schöpft - das ist praktizierte Nächstenliebe. Für die ersten Christen gehörte
also das Almosengeben ganz wesentlich zum Fasten dazu. Es war ein Ausdruck
meiner Liebe zu meinem Mitmenschen. Vielleicht können wir das ja nächste Woche
mal versuchen: Dass wir auf Essen, Süßigkeiten, Kaffee, etc. verzichten,
ausrechnen, was wir dadurch gespart haben und diesen Betrag spenden - an jemand
der das nötig hat, in die Gemeinde. Unsere Liebe zu unseren Mitmenschen kann
sich aber auch darin zeigen, dass wir „für andere fasten“. Für eine Not in ihrem
Leben, für ein Problem, für eine wichtige Entscheidung. Das ist eine Praxis,
die wir bei den alten Mönchen immer wieder finden...
"So forderte ein
Abt die Mönche auf, für einen Bruder zu fasten, der in Sünde gefallen war und
nun im Sterben lag. Sie begannen also zu fasten unter Tränen und zu Gott zu
flehen, daß er barmherzig sei. 3 Tage und 3 Nächte verbrachten sie fastend, ohne
etwas zu essen, weinend und über den Verlust des Bruders klagend. Und der Vater
des Klosters sah in einer Vision den ERlöser, der sich durch die Mühe der Brüder
bewegen ließ." (Aus Anselm Grün's Buch "Fasten")
Die Mühe der Brüder
bewegte Gott, den gefallenen Bruder zu retten. Seht ihr, wenn wir anfangen, für
andere zu fasten, dann werde ich eins mit dem anderen, dann erkläre ich mich
solidarisch und dann leide ich - körperlich - mit ihm, ich habe Mitleid. Das ist
interessant: „Mitleid“ heißt im Griechischen „sich in den Eingeweiden ergreifen
zu lassen“. Im Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht lesen wir z.B. „Der Knecht
nun fiel nieder, huldigte ihm und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich
will dir alles bezahlen. Der Herr jenes Knechtes aber, innerlich bewegt, gab ihn
los und erließ ihm das Darlehn.“
Oder im Gleichnis vom verlorenen Sohn,
da heißt es (Lk 15,20): „Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als
er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt und lief
hin und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn sehr.“
Die Eingeweide
werden als „der Ort verstanden, wo unsere innersten und stärksten
Gefühlsregungen sitzen.“- das ist die Beobachtung: ein großer Schmerz, eine
große Freude können uns „auf den Magen schlagen“, können sich auf bestimmte
Organe / Eingeweide auswirken..Deshalb stellte man sich vor, das solche Organe
der Sitz unserer Gefühle sind. Wenn ich für einen anderen faste, dann stopfe ich
meine Eingeweide nicht mit Essen zu, und mache mich so dem anderen gegenüber ein
Stück unempfindlich, sondern ich öffne mich für den anderen. Ich lasse ihn in
diesen sehr verwundbaren Bereich meines Lebens hinein. Ich leide mit ihm. Wenn
ich so für einen anderen Menschen faste und bete, dann ist das kein Gebet aus
einer Distanz heraus, sondern dann bete ich, weil mich die Not des anderen
spürbar, körperlich selbst betrifft. Fasten und den ersparten Betrag weggeben
oder für andere Fasten und Beten. Das Fasten kann mir eine große Hilfe sein,
meinen Mitmenschen neu zu entdecken und ihm meine Liebe zu zeigen!
Fasten
hat also tatsächlich ganz viel mit Beziehungen zu tun! Hättet ihr das gedacht?
1. Mit meiner Beziehung zu mir selbst. Das Fasten hilft mir, mich selbst zu
erkennen. Es zeigt mir, welche Kräfte da in mir um die Herrschaft kämpfen und
mich von Gott wegziehen wollen. Das Fasten bringt das alles ans Licht. Es deckt
auf. So können diese Feinde nicht heimlich Macht über mich gewinnen. Sondern wir
können sie mit Gottes Hilfe und mit SEINER Kraft ganz offen besiegen, indem wir
ihnen das Recht absprechen, noch irgendwelche Ansprüche auf unser Leben zu
erheben. Wir können sagen: Ich kenne euch nicht! Ich bin mit Christus
gekreuzigt! Für euch bin ich tot! Ich gehöre jetzt Gott. Ich lebe für
IHN!
In diesem Artikel der Zeitschrift Idea heißt es: „Wer zu fasten
beginnt, der steigt aus dem Lebensstil aus, der immer nur um sich und die
Befriedigung seiner Bedürfnisse kreist“.
2. Das Fasten kann mir aber auch
helfen, intensiver und inniger zu beten und dadurch meine Beziehung mit Gott zu
vertiefen. Wenn ich faste, bete ich nicht nur mit dem Kopf, sondern wirklich als
ganzer Mensch. Mit Leib, Seele und Geist. Wenn ich faste spüre ich körperlich,
wie sehr ich auf Gott angewiesen bin. „Wer hungrig vor Gott sitzt, der spürt die
Sehnsucht nach Erfüllung.“ Wenn ich faste, dann sage ich: Herr, ich brauche
dich!!
3. Und das Fasten kann mir auch helfen, meinen Mitmenschen ganz
neu zu entdecken. Entweder, indem ich das, was ich durch das Fasten
eingespart habe, einem anderen gebe, der es braucht. Oder indem ich anfange für
einen anderen Menschen zu fasten und zu beten. Dann stelle ich mich mit unter
seine Last. Ich leide mit ihm. - körperlich. Von Jesus heißt es in Mk 6,34:
„Und als Jesus aus dem Schiffe trat, sah er eine große Volksmenge und wurde
innerlich bewegt über sie; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Und er fing an, sie vieles zu lehren.“ Wörtlich: „Er wurde innerlich bewegt
über sie.“
Vielleicht kann diese Fasten- und Gebetswoche ja auch dazu
beitragen, daß ihr euch von Gott wieder „innerlich bewegen lasst“ - über eure
Arbeitkollegen, eure Nachbarn, Freunde, Verwandte. Dass ihr wieder innerlich
bewegt werdet von ihrer Verlorenheit.und dass ihr dann - wie die Mönche für
ihren in Sünde gefallenen Bruder – „anfangt unter Tränen zu fasten und zu Gott
zu flehen, daß ER ihm barmherzig sei“.
Fasten ist für uns vielleicht eine
etwas fremde geistliche Übung (noch zumindest!), aber es ist eine Übung, auf die
Gott ganz große Verheißungen legt und die wir deshalb wieder neu entdecken
sollten. Es ist allerdings kein Allheilmittel für geistliche Probleme!!! Aber
wenn wir es mit reinem Herzen und mit aufrichtigen Motiven tun, dann kann es zu
einem Schlüssel werden, der Türen öffnet, wo andere Schlüssel versagt haben. Es
kann uns Horizonte frei machen in der unsichtbaren Welt und zu einer mächtigen,
geistlichen Waffe werden.
Ich wünsche euch allen diese
Erfahrung! AMEN.
Bleibt zum Schluss noch die Frage: Wie sollen wir
fasten? Ganz kurz möchte ich noch auf zwei Aspekte eingehen: einen äußeren
und einen inneren.
1) Äußerlich: rein vom „technischen Ablauf“, wie wir
unser Fasten gestalten, können wir ganz erfinderisch und frei sein. Wie gesagt,
es muss nicht immer Nahrung sein, auf die wir verzichten - obwohl das in der
Regel gemeint ist und auch die Erfahrungen, die ich beschrieben habe, damit
zusammenhängen. Aber es können auch ganz andere Dinge sein, von denen wir
„fasten“. Dinge, an denen wir hängen und die eine gewisse Macht über uns
ausüben. Wir könnten uns z.B. dafür entscheiden eine Woche lang auf‘s Fernsehen
zu verzichten; oder darauf, Musik zu hören. Wenn wir starke Kaffeetrinker sind
könnten wir darauf mal eine Woche verzichten. Oder auf Schokolade, oder Kino,
etc. Etwas, was uns „zustopft“, ablenkt, wo hinein wir fliehen, womit wir das,
was in uns brodelt, normalerweise unterdrücken.
Auch in der zeitlichen
Gestaltung unseres Fastens sind wir natürlich frei und keinen Regeln
unterworfen. So könnte man - an einem Tag ganz auf Nahrung verzichten -
die ganze Woche von morgens bis vier Uhr nachmittags auf Nahrung verzichten -
die ganze Woche auf Kaffee Fernsehen oder Musik verzichten =>
Mittwochabend auf das Kino verzichten, wäre vielleicht kein ganz ernsthaftes
Fasten. => Da gibt es also ganz viele Freiheiten, wie wir rein technisch
so eine Fasten- und Gebetswoche gestalten.
2) Viel wichtiger ist der
innere Aspekt. In der Bergpredigt lehrt Jesus ja seine Jünger, dass es eine
falsche und eine richtige Art gibt, zu fasten (Mt 6,16-18):
„Wenn ihr
aber fastet, so sehet nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen
ihre Angesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich
sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Du aber, wenn du fastest, so salbe dein
Haupt und wasche dein Angesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender
erscheinest, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der
im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“
Gott segnet also nicht ganz
automatisch das Fasten, sondern Jesus spricht hier über unsere Motive. Worum
geht es uns, wenn wir fasten? Wollen wir zeigen, wie geistlich wir sind? Wollen
wir uns beim Herrn etwas „erarbeiten“? Wollen wir ihn „erpressen“? Machen wir
mit, weil alle es machen und wir nicht außen vor bleiben wollen? - das wären
ganz offensichtlich die falschen, egoistischen Motive. Und dann laufen wir mit
so einem leidenden Gesichtsausdruck herum und jedem, der uns fragt, wie‘s uns
geht, dem antworten wir: „Nein, danke mir geht‘s gut. Erwähnen sie nur bloß
nicht das Wort Schnitzel. - Nein, sonst geht‘s mir gut.“
Fasten ist also
nicht etwas, das man „raushängt“, damit jeder es mitbekommt, sondern es
geschieht - wie Jesus sagt - „im Verborgenen“. Es ist allein eine Sache zwischen
mir und Gott. Keiner soll etwas von unserem Verzicht merken, außer unser Vater
im Himmel. Egoistische Motive können sich aber auch unter dem Mantel der
Frömmigkeit einschleichen. Dass nämlich die Frage im Vordergrund steht: „Was
nützt es mir? Was habe ich davon?“ Es geht um uns und wir machen Gott nur zum
„Erfüllungsgehilfen“ unserer Wünsche - auch unserer „geistlichen“
Wünsche.
In Sacharja 7,5 fragt Gott sein Volk: „Schon 70 Jahre lang
fastet und trauert ihr im 5. und im 7. Monat. Doch habt ihr das wirklich für
mich getan?“ - habt ihr es aus Liebe zu mir getan? Ging es euch dabei um mich?
Ging es euch dabei um die Beziehung zu mir? Habt ihr es getan, um euch auf eine
intensive Gemeinschaft mit mir vorzubereiten? Um zu hören, was ich von euch
möchte und um das dann zu tun? Wenn wir Fasten, dann sollte es immer Gott selbst
sein, der dabei im Mittelpunkt steht. Wir fasten, weil wir ihn lieben, weil wir
unsere Beziehung mit ihm vertiefen wollen, weil wir uns nach IHM sehnen und ihn
immer besser kennen lernen wollen, weil wir möchten, dass SEIN Wille in unserem
Leben, in unserer Gemeinde, in unserer Stadt geschieht, weil wir uns selbst ihm
hingeben wollen. Das ist ein Fasten, das Gott gefällt und das er dann auch
belohnt.
In einer Predigt über das Fasten hat John Wesley einmal betont:
„Vor allem soll es für den Herrn geschehen. Lasst uns einzig und allein auf ihn
schauen. Wir wollen danach trachten, allein unseren Vater im Himmel zu
verherrlichen.“ Darum muss uns auch gehen in der Gebets- und Fastenwoche. Das
ist die erste und wichtigste Motivation. Und wenn diese Motivation stimmt, dann
werden wir auch erfahren - und davon bin ich überzeugt -, dass unser Fasten für
Gott (!!), unser Ausstrecken nach IHM, sozusagen als Segen zu uns zurückkehrt
und wir reich, überreich beschenkt werden.