… und führe uns nicht in Versuchung!

Predigt in der Lydia-Gemeinde am 09. März 2003
Pastor Thomas Vollenweider
Text: Matthäus 4,1-11


Danach wurde Jesus vom Geist Gottes in die Wüste geführt, wo ihn der Teufel versuchen sollte. Vierzig Tage und Nächte lang aß er nichts. Der Hunger quälte ihn. Da kam der Teufel zu ihm und forderte ihn heraus: «Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach aus diesen Steinen Brot!» Jesus antwortete: «Nein, denn es steht in der Heiligen Schrift: `Vom Brot allein kann niemand leben. Leben kann nur, wer Gottes Wort aufnimmt und befolgt!' Da nahm ihn der Teufel mit nach Jerusalem und stellte ihn an den Rand der Tempelmauer. «Spring hinunter!» forderte er Jesus auf. «Du bist doch Gottes Sohn! Und es steht geschrieben: `Gott wird seine Engel schicken. Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen!'» Jesus entgegnete ihm: «Es steht aber auch geschrieben: `Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern!'» Nun führte ihn der Teufel auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. «Das alles gebe ich dir, wenn du vor mir niederkniest und mich anbetest», sagte er. Aber Jesus wies ihn ab: «Weg mit dir, Satan, denn es steht geschrieben: `Bete allein Gott, deinen Herrn, an und gehorche ihm!'» Da gab der Teufel auf und verließ ihn. Und die Engel Gottes kamen und sorgten für Jesus. (Mat 4,1-11)



VORBEMERKUNG:

Der Teufel ist eine harte Realität! Wir glauben, dass es den Teufel gibt, und zwar als großer Gegenspieler Gottes und ein Durcheinanderbringer, ein Diabolos! Er versucht Menschen für seine Sache zu gewinnen bzw. wieder vom Glauben an Gott abzuziehen.

Wir glauben an Gott und setzen unser Vertrauen auf Christus! Wir glauben aber auch, dass es den Teufel gibt und rechnen mit seinen Angriffen!


Die Existenz des Satans bezeugen mehrere Stellen in der Bibel:

Der große Drache - es ist niemand anders als der Teufel oder Satan, der als listige Schlange die ganze Welt zum Bösen verführt -, er wurde mit allen seinen Engeln aus dem Himmel auf die Erde hinuntergestürzt. (Offb 12,9)
Bleibt besonnen und wachsam! Denn der Teufel, euer Todfeind, schleicht wie ein hungriger Löwe um euch herum. Er wartet nur auf ein Opfer, das er verschlingen kann. (1Petr 5,8)
Leider aber haben sich schon einige von Christus abgewandt und folgen jetzt dem Satan. (1Tim 5,15)


Auch in unserer Zeit stößt man immer wieder auch auf optisch wahrnehmbare Zeichen, die uns die Existenz des Satans in unserer Zeit in Erinnerung rufen. So wurde die Tür der alten Dorfkirche in Teltow mit einem auf den kopfgestellte fünfeckigen Stern als Satanszeichen und einem Satanistenkreuz beschmiert!


In einem seiner Bücher hat der bedeutende Philosoph C.S. Lewis geschildert, auf welche Art und Weise der Satan immer wieder versucht, von uns Menschen Macht zu ergreifen. So beschreibt er in seinem Buch „Dienstanweisung an einen Unterteufel“ in kurzweiliger Form, welche Tipps ein Unterteufel mit Namen Wormwood von seinem Onkel, dem höllischen Unterstaatssekretärs Screwtape, erhält, um den Menschen zu Fall zu bringen. Hier ein Auszug aus diesem Buch:

"Mein lieber Wormwood, ich höre mit großem Missvergnügen, dass Dein Patient Christ geworden ist. Gib Dich nicht der Hoffnung hin, Du könntest der üblichen Strafe entgehen; ja, in Deinen besseren Momenten, so hoffe ich, wirst Du Dir das nicht einmal wünschen. Inzwischen müssen wir das Beste aus der Situation machen. Es besteht kein Grund zur Verzweiflung; schon Hunderte dieser erwachsenen Bekehrten konnten nach kurzem Aufenthalt im Lager des Feindes zurückgewonnen werden und sind nun bei uns. Sämtliche Gewohnheiten des Patienten, die geistigen wie die körperlichen, sprechen immer noch zu unseren Gunsten."

In seinen 31 Briefen gibt er ihm hilfreiche Dienstanweisungen, wie man die Seele des "Patienten" mit Namen Mister Spike zur Beute der Hölle machen kann. In unglaublich entwaffnenden Gedanken zeigt Lewis die teuflische Strategie auf. So schreibt Onkel Screwtape in einem der Briefe an seinen in den Verführungskünsten reichlich unerfahrenen Neffen: "Für uns bedeutet der Mensch vor allem Fressen; unser Ziel ist es, seinen Willen in unseren aufzusaugen, unseren eigenen Lebensraum auf seine Kosten zu erweitern. Der Gehorsam dagegen, den der Feind vom Menschen verlangt, ist etwas ganz anderes. Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass all dies Gerede über Seine Liebe zu den Menschen und über deren Dienstbarkeit in voller Freiheit nicht (wie wir gern glauben möchten) bloße Propaganda ist, sondern erschreckende Wahrheit."

Ursprünglich für die anglikanische Wochenzeitschrift The Guardian als Serie geschrieben haben diese "Dienstanweisungen für einen Unterteufel" C.S. Lewis zu Weltruhm verholfen. Die erste Auflage des Buches war 1942 bereits vor Erscheinen ausverkauft und die höllischen Briefe haben bis heute weltweit eine Auflage von deutlich über 2.000.000 Exemplaren erzielt. Damit hat Lewis nicht nur die Grenzen zwischen den Kirchen überwunden, sondern ein Stück Weltliteratur geschaffen



Jetzt aber zu unserem Text, der Versuchung Jesu in der Wüste. Was können wir daraus lernen, um selber besser mit Versuchungen umzugehen?


1. Es gibt Zeiten, in denen wir den Angriffen des Teufels besonders ausgesetzt sind!


Im Markusevangelium (1. Kapitel Verse 12 und 13) lesen wir die Kurzform der Versuchungsgeschichte

Gleich darauf führte der Geist Gottes Jesus in die Wüste. Vierzig Tage war er dort den Versuchungen des Teufels ausgesetzt. Er lebte mit wilden Tieren zusammen, und die Engel Gottes dienten ihm. Vierzig Tage war er dort den Versuchungen des Teufels ausgesetzt. (Mk 1,12;13)

Was sind das für Zeiten? Oft sind es Zeiten, die unmittelbar nach großen Siegen und Errungenschaften folgen! Bei Jesus war es Seine Taufe und die Bestätigung durch den Vater „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“. Im Lukasevanglium wird das besonders deutlich:

Erfüllt vom Heiligen Geist, kam Jesus vom Jordan zurück. Und der Geist Gottes führte ihn in die Wüste. (Lk 4,1)
Es sind oft auch Zeiten, in denen wir körperlich geschwächt und emotional ausgelaugt und müde, krank oder angeschlagen sind.


Dort war er den Versuchungen des Teufels ausgesetzt. Jesus aß nichts während dieser ganzen Zeit, und der Hunger quälte ihn. (Lk 4,2)

Auch wir erleben solche Zeiten! Es ist wie im Sport. Da gibt es Zeiten des Höhenflugs, des Sieges und des Erfolgs (wie beim 6:0 von Hertha BSC beim gestrigen Bundesliga-Fußballspiel) und dann gibt es auch schwere Zeiten der Prüfung und der Niederlage (wie bei Wladimir Klitschko, der gestern innerhalb von 3 Minuten 4 Mal zu Boden ging und seine 2. Niederlage im Boxen einstecken musste!)


2. Versuchungen sind Prüfungen, die zum Leben dazu gehören!


„ANFECHTUNG MACHT GUTE CHRISTEN“


Was sind nun diese Versuchungen, die uns widerfahren?

„Man kann nicht alles zu-lassen, zum Beispiel eine Pralinenschachtel.“ Ist das damit gemeint? Am Beispiel Jesu sehen wir, dass Versuch dann geschieht, wenn der Teufel zu uns kommt und uns Dinge zuflüstert! Es geschieht, wenn er uns an der Hand nehmen kann und uns ein Stück mitnehmen kann, uns Sachen zeigen, die uns reizen würden! Wie damals die alte Schlange zu Eva sagte:


«Hat Gott wirklich gesagt, daß ihr von keinem Baum die Früchte essen dürft?» (1Mo 3,1)


Für Jesus waren es Dinge, die Ihm Erleichterung, Ansehen und Macht versprachen. Wundertaten, Magie, zu denen Er fähig gewesen wäre…


Eine Versuchung ist eine Situation, die mir zwar einen momentanen Vorteil und Genuss bringt, langfristig und objektiv gesehen mir oder anderen aber schadet.


Dante (1265-1321) stellte sich in seinem Hauptwerk, der "Divina Commedia", das Christenleben sinnbildlich als eine Reise vor, bei der ein Mann eine kurvenreiche Gebirgsstraße empor klettert. Am Anfang seiner Reise ist er ein junger Mann. Nach einem kurzen Aufstieg springt ein knurrender Wolf aus dem Gebüsch hervor und versucht, ihn in Stücke zu reißen. Für Dante ist dies der Wolf der Lust, der körperlichen Leidenschaft; er verkörpert die Hauptversuchung beim jungen Menschen. Wie er höher klettert und in die Lebensmitte kommt, springt ihn ein riesiger Tiger an. Es ist der Tiger des Stolzes, und er verkörpert die große Versuchung im mittleren Alter ? den Stolz auf die Stellung, den Namen und das gesellschaftliche Ansehen. Schließlich kommt im Alter in der Nähe des Gipfels ein großer Mähnenlöwe auf ihn zugesprungen. Das ist die große Versuchung im späteren Leben ? Geld und finanzielle Absicherung. (David Seamands)


Ein Beispiel für die letzte Art der Versuchung wird uns vom großen Prediger des 19. Jahrhunderts, Charles Haddon Spurgeon (1834-1892), überliefert:


Spurgeon erhielt eines Tages die großzügige Einladung des Direktors des weltberühmten Zirkusses Barnum, in dessen Zelten in Amerika zu predigen. Den musikalischen Teil würde Barnum übernehmen, sofern Spurgeon das wünsche. ? Er dürfe so kurz oder so lange predigen, wie er wolle. Einzige Voraussetzung und Bedingung wäre folgende: Barnum würde die Einnahmen besorgen und Spurgeon eine Million Dollar pro Predigt übergeben. Sicherlich würden heute sehr viele Prediger einem solchen Anerbieten mit großer Freude zustimmen und dankbaren Herzens denken: "Das ist nun aber doch eine außerordentlich günstige Gelegenheit, um die breiten Massen mit dem kostbaren Evangelium erreichen zu können!" Was war Spurgeons Reaktion? ? Hier seine recht kurz gehaltene Antwort:

"Sehr geehrter Herr Barnum, ich danke Ihnen für Ihre Einladung. Meine Antwort finden Sie in Apg. 13, 10."

Barnum wird sich bestimmt die Mühe gemacht haben, die angegebene Bibelstelle nachzuschlagen. Und was fand er?

«Du Sohn der Hölle, voller Lüge und Bosheit! In dir ist nichts Gutes. Wann endlich wirst du aufhören, Gottes Wort zu verdrehen?

Versuchungen gehören also zu unserem Leben dazu! Es sind Prüfungen, die Gott zulässt und die uns im Glauben erstarken lassen, wenn wir nicht unvorbereitet auf sie treffen.

Es wird immer wieder Versuchungen geben, die euch vom Glauben abbringen wollen», warnte Jesus seine Jünger. (Lk 17,2)


3. Wir sind diesen Angriffen nicht auf Dauer ausgeliefert!


Mein liebster Vers dieser ganzen Geschichte ist der Vers 11:

Da gab der Teufel auf und verließ ihn. Und die Engel Gottes kamen und sorgten für Jesus.Mt 4,11

Es nimmt ein Ende! Jede Prüfung, jeder Kampf hat ein Ende! Und Gott hat uns ein für alle Mal versprochen, dass wir diese Zeit der Prüfung überstehen können:

Das, was euerm Glauben bisher an Prüfungen zugemutet wurde, überstieg nicht eure Kraft. Gott steht zu euch. Er läßt nicht zu, daß ihr in der Versuchung zugrunde geht. Wenn euer Glaube auf die Probe gestellt wird, schafft Gott auch die Möglichkeit, sie zu bestehen.1Kor 10,13

Und natürlich ahnen wir es: Der Teufel wird es wieder probieren. Er gibt sich noch nicht geschlagen!

Nachdem der Teufel mit seinen Versuchungen gescheitert war, verließ er Jesus für einige Zeit.(Lk 4,13)

Nicht für immer, aber für einige Zeit! Immerhin! Und das Tolle ist, dass wir immer wissen dürfen, dass Jesus genauso versucht worden ist wie wir:

Doch er gehört nicht zu denen, die unsere Schwächen nicht verstehen und zu keinem Mitleiden fähig sind.(Hebr 4,15)

Jesus Christus mußte mit denselben Versuchungen kämpfen wie wir, auch wenn er nie gesündigt hat.


So haben wir einen doppelten Trost: Weil Christus unser Bruder ist, sind wir nicht einsam in unserer Versuchung. Er leidet sie mit uns in alle Tiefen hinein, die der Satan ersonnen.
Helmut Thielicke (1908 - 1986), deutscher evangelischer Theologe


Ich möchte schließen mit einer kleinen Geschichte aus Afrika:

Ein afrikanischer Christ suchte einen Missionar auf, um ihn um Rat zu bitten. Er machte sich Sorgen, weil in seinem Herzen ständig ein geistlicher Kampf tobte. Er wollte eigentlich tun, was Gott verlangte, aber oft gehorchte er dann doch nicht. Er meinte, er neige dazu, Böses zu tun, genau wie früher, als er noch kein Christ gewesen war. Der Mann beschrieb diesen inneren Konflikt als einen Hundekampf. Er sagte zu dem Missionar: "Es ist, als ob in mir ein weißer und ein schwarzer Hund ständig gegeneinander kämpften." Der schwarze Hund, meinte er, sei das Böse, der weiße das Gute. Der Missionar fragte ihn: "Und welcher Hund gewinnt den Kampf?" Nach kurzem Nachdenken antwortete der Eingeborene: "Der Hund, den ich füttere." (Bill Bright)

Welchen Hund werden wir füttern in dieser Woche?
Jemand hat gesagt:


„Und führe mich nicht in Versuchung, denn ich werde sie auch allein finden“

Das ist leider wahr! Aber dennoch will Er uns beistehen, dass wir uns der Versuchung nicht unnötig aussetzen und durch Gebet, Bibellesen und Gemeinschaft das Klima schaffen, in dem wir besser widerstehen können. Dann dürfen auch wir den Sieg erleben, wie Jesus ihn erfahren hat! Dann wird der Teufel von uns ablassen und die wilden Tiere abziehen. Dann werden auch uns die Engel dienen und uns wieder neue Kraft für unser Leben mit Gott schenken! Möge Er euch in Seiner Treue in aller Anfechtung bewahren, aus allen Zeiten der Angriffe wieder herausführen und in der Versuchung stark machen!



AMEN.





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